Bahnstrecke Schneeberg-Niederschlema https://wismut.saw-leipzig.de/api/de/artefakte/bahnstrecke-schneeberg_niederschlema https://wismut.saw-leipzig.de/api/@@site-logo/logo-wef-web-001.png Bahnstrecke Schneeberg-Niederschlema GND-ID Alternative Namen Artefakttyp Technisches Denkmal URL Verknüpfungen In Bezug stehende Ereignisse In Bezug stehende Projekte Erwähnte Orte Oberschlema Ortsteil von Schlema Niederschlema Ortsteil von Schlema Schneeberg Stadt in Sachsen Neustädtel Ortsteil von Schneeberg Erwähnte Institutionen Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG) Erwähnte Personen Beschreibungen Ausführliche Beschreibung Die Bahnstrecke Schneeberg–Schlema unterer Bahnhof – im Volksmund meist „Schlematalbahn“ genannt – war eine Nebenbahnlinie im sächsischen Erzgebirge, die von 1859 bis 1952 den Bahnhof Niederschlema mit den Bergstädten Schneeberg und Neustädtel verband. Ihre Geschichte ist eng mit den wirtschaftlichen, topographischen und politischen Entwicklungen der Region verknüpft und stellt ein charakteristisches Beispiel für die verkehrstechnische Erschließung des Erzgebirges im 19. Jahrhundert dar. Bereits in den 1850er Jahren, während der Projektierung der Obererzgebirgischen Bahn Zwickau–Schwarzenberg, wurden zwei Streckenführungen diskutiert: Eine westliche Variante sollte über Wilkau-Haßlau, Kirchberg, Lindenau, Neustädtel und Schneeberg nach Schlema führen, während eine östliche Variante durch das Tal der Zwickauer Mulde über Niederschlema nach Aue geplant war. Die bergbaulich geprägten Städte Schneeberg und Neustädtel setzten fest auf die westliche Variante und sahen in ihr eine Fortführung ihrer wirtschaftlichen Blütezeit als bedeutende Silberbergbaustädte. Aufgrund der schwierigen topographischen Verhältnisse, insbesondere der steilen Anstiege im Hartmannsdorfer Forst, entschied sich der sächsische Landtag jedoch 1855 für die technisch günstigere und kostengünstigere Muldenvariante. Diese Entscheidung führte dazu, dass Schneeberg und Neustädtel zunächst vom Bahnanschluss abgeschnitten blieben. Nach mehreren gescheiterten Petitionen, die eine Spitzkehre zur Anbindung der Bergstädte an die Hauptstrecke vorsahen, setzten sich die lokalen Behörden und Gewerbetreibenden ab 1855 für den Bau einer Stichstrecke von Niederschlema nach Schneeberg ein. Der Antrag wurde 1858 genehmigt, wobei entschieden wurde, die Strecke als dampflokomotivbetriebene Bahn auszuführen – entgegen der Forderung mancher Befürworter, die aus Kostengründen eine Pferdebahn vorgeschlagen hatten. Im Juli 1858 begannen die Bauarbeiten, wobei der Bahnhof Niederschlema bereits seit 1856 als Trennungsbahnhof konzipiert worden war und nur geringe Anpassungen erforderlich machte. Nach rund einjähriger Bauzeit konnte die Strecke am 19. September 1859 feierlich eröffnet werden. Im Jahr 1860 folgten letzte Bauarbeiten, darunter die Fertigstellung des Empfangsgebäudes im Bahnhof Schneeberg-Neustädtel und die Anlage der Haltestelle Oberschlema. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Strecke zu einem wichtigen Zubringer für die Region. 1876 erhielt der Bahnhof Oberschlema ein eigenes Empfangsgebäude und eine Restauration. Im Zuge der Eisenbahngesetzgebung von 1878 wurde die Strecke als Sekundärbahn klassifiziert, was die Vereinfachung des Bahnbetriebs mit sich brachte – beschrankte Bahnübergänge wurden aufgehoben, und Lokomotiven hatten sich fortan durch Läuten und Pfeifen anzukündigen. Mit dem zunehmenden Personenverkehr wurden die Bahnanlagen weiter ausgebaut: 1900 entstand in Niederschlema ein neues Empfangsgebäude, und 1902 wurde am Fuß des Gleesberges ein zusätzlicher Haltepunkt „Schneeberg“ eingerichtet, um der städtischen Expansion in Richtung Casinoberg Rechnung zu tragen. Der Erste Weltkrieg führte zu keiner wesentlichen Unterbrechung des Betriebs, doch mit dem Beginn des Kurbetriebs in Oberschlema im Jahr 1917 erlebte die Strecke einen deutlichen Aufschwung. Die Eröffnung des Radiumbades zog zahlreiche Kurgäste an, die fast ausschließlich mit der Eisenbahn anreisten. 1925 erhielt der Bahnhof den offiziellen Zusatz „Radiumbad“. In den 1920er Jahren führte die zunehmende Konkurrenz des motorisierten Straßenverkehrs, insbesondere durch neue Buslinien, zu einem vorübergehenden Rückgang des Fahrgastaufkommens auf dem Abschnitt Schneeberg–Oberschlema. Erst die Eröffnung des Strandbades Filzteich 1933 brachte der Bahnstrecke wieder neue Ausflugsverkehre. In den 1930er Jahren erreichte die Schlematalbahn eine ihrer verkehrstechnisch bedeutendsten Phasen: Von Oberschlema fuhren Kurswagen nach Berlin, und zeitweise bestanden durchgehende Schnellzugverbindungen bis Leipzig. 1931 wurde der Bahnhof Radiumbad Oberschlema mit einem neuen, repräsentativen Empfangsgebäude ausgestattet, das dem Kurortstatus Rechnung trug. Ein Jahr später wurde am Bahnübergang Auer Straße beim Haltepunkt Schneeberg die erste Blinklichtanlage Sachsens installiert – ein technisches Novum im sächsischen Bahnnetz. Trotz des florierenden Kurbetriebs führte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 zur Einstellung des Triebwagenverkehrs und 1944 schließlich auch zur Aufhebung der Bäderzüge aus Berlin. Nach Kriegsende veränderte der Beginn des Uranbergbaus durch die sowjetische Wismut AG ab 1946 die Funktion der Bahnstrecke grundlegend. Sie entwickelte sich nun zu einer der zentralen Transportverbindungen für den Abtransport der Erze und den massiven Berufsverkehr zu den zahlreichen Bergbauschächten im Raum Schlema und Schneeberg. Für den Arbeiterverkehr wurden im Februar 1952 eigens vierteilige Doppelstockeinheiten (Gattung DBv) in Dienst gestellt, um dem stark gestiegenen Beförderungsbedarf gerecht zu werden. Die intensiven Bergbautätigkeiten führten jedoch zu gravierenden geologischen Folgen. Ab 1950 kam es im Bereich des Kurviertels zwischen Schneeberg und Radiumbad Oberschlema zu erheblichen Bodensenkungen, die die Betriebssicherheit der Strecke massiv beeinträchtigten. Am 7. April 1952 wurde der Personenverkehr auf dem oberen Abschnitt eingestellt, am 12. Juni 1952 folgte der Güterverkehr. Die offizielle Stilllegung des Abschnitts Schneeberg–Oberschlema erfolgte am 1. August 1952. In den Jahren 1953/54 wurden die Gleise abgebaut, und die Bahnhöfe Radiumbad Oberschlema sowie Niederschlema erhielten die neuen Bezeichnungen „Schneeberg-Oberschlema“ bzw. „Schneeberg-Niederschlema“. Der verbliebene Streckenabschnitt wurde zunächst weiterhin im Personenverkehr, später ausschließlich im Güterverkehr betrieben, ehe 1959 der letzte planmäßige Reisezug verkehrte. Nach mehreren Jahrzehnten reinem Güterverkehr wurde auch dieser Betrieb zunehmend reduziert und schließlich 1996 endgültig eingestellt. Zwei Jahre später waren sämtliche Gleisanlagen entfernt. In den 2000er Jahren erfolgte eine Umgestaltung der Trasse zu einem Eisenbahnlehrpfad, der heute als technikgeschichtliches Denkmal an die einstige Schlematalbahn erinnert. Quelle: Bahnstrecke Schneeberg-Schlema – Wikipedia Inhalte MultiLineString (1859/1952) MultiLineString (1859/1994)