2020.09.09 - Hans-Georg Fischer - 480p.mp4
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Astrid Kirchhof: Heute ist der 9. September 2020 [9.9.2020]. Wir sind hier in Gera und beim Interview von Hans-Georg Fischer. Und die Interviewerin ist Astrid Kirchhof. So, Herr Fischer, jetzt erzählen Sie uns doch mal, oder mir vielmehr, ihre Lebensgeschichte im Bezug auf die Wismut. Also, wie kamen Sie dazu, überhaupt bei der Wismut zu arbeiten? #00:00:36-9#
Hans-Georg Fischer: Also ich bin 1960 in Zeulenroda, ja 1960 in Zeulenroda geboren. Der Wohnort war Auma. Das ist in der Nähe von Gera, ungefähr 20 Kilometer von Gera. Bin 1975 nach Gera umgezogen, habe aber die die, die polytechnische Oberschule 1976 in Auma noch beendet. Bin also ein Jahr lang mit dem Bus nach Auma gefahren, um dort die Schule zu beenden. Im Sommer 76 [1976] habe ich... die Wismut war dann sozusagen bei uns in der Schule und hat geworben für bestimmte Bereiche. Und da habe ich mir überlegt, dadurch, dass ich keinen Vater hatte, sondern der frühzeitig gestorben war, meine Mutter war alleine, zwei Kinder, fängst du bei der Wismut an. Wegen Geldverdienen und um meine Mutter zu entlasten. In dem Vorgespräch wurde mir einiges über die Wismut erzählt und so weiter und so fort. Und ich wurde dann im Sommer 76 [1976] nach der Schule gleich von der Wismut uns Jugendlager der Wismut nach Rosenthal in Sachsen eingeladen. Daraufhin entschloss ich mich dann im September 76 [1976] in die Lehre als Facharbeiter für Bergbautechnologie mit Abitur bei der Wismut anzufangen. Die Lehre, die dauerte drei Jahre bis 1979. In der Zeit wurden wir als beste Lehrlingsklasse mit... zweimal ausgezeichnet, mit einer Woche Berlin und einer Woche Leningrad. Nach dem Abschluss meines Facharbeiters arbeitete ich von Juni 1979 bis Oktober 1979 in der Hauerbrigade Pschiebel im Bergbaubetrieb DSF Reust. Im November 79 [1979] nahm ich dann meinen Wehrdienst bei der NVA auf, im Wachregiment in Strausberg bei Berlin bis April 81 [1981]. Ab Mai 81 [1981] bin ich zurück zur Wismut in die Hauerbrigade Pschiebel, die dann später in Hauerbrigade Peter Bergner umgear... umbenannt wurde. 1982 absolvierte ich eine Ausbildung zum Sprenger und zum Drittelhauer und wurde Vertrauensmann in der Brigade. Im März 1984 wurde die Jugendbrigade Bergner in die Jugendbrigade Juri Gagarin umbenannt. Zuvor kämpften wir um diesen Ehrennamen. Im April 84 [1984] ist das Kollektiv mit... ist das Kollektiv Kollektiv der sozialistischen Arbeit geworden. Und ich später Aktivist der sozialistischen Arbeit. Nun im Juli 84 [1984] bekamen wir eine Einladung zum Pfingsttreffen der FDJ nach Berlin und nahmen da, dort da teil. Ab Oktober 84 [1984] kam es dann zu Veränderungen in der Brigade. Mir wurde angetragen, die Jugendbrigade Juri Gagarin zu übernehmen. Ich war damals einer... mit 24 Jahren einer der jüngsten Jugendbrigadiere in der Wismut. Später wurde ich dafür mit der Artur-Becker-Medaille der FDJ ausgezeichnet. Im April 85 [1985] wurde unsere Brigade in der... kam auf das Titelblatt der Jungen Welt als eine der besten Jugendbrigaden. Dafür erhielten wir im Juni 85 [1985] eine Auszeichnungsreise nach Moskau als beste Jugendbrigade. Im September 1985 kam es dann zur Umsetzung in den Bergbaubetrieb Drosen. Dort standen neue Aufgaben vor uns, die wir zu meistern hatten. Für die... für die gute Arbeit als Brigadier und als Brigade wurde ich im Juni 1988 auf der großen Bergparade in Ronneburg als Meisterhauer der DDR ausgezeichnet. Das habe ich aber nicht nur mir zu verdanken, sondern auch meinen Brigademitgliedern, weil ein Brigadier ohne Brigademitglieder, die Leistung bringen, ist kein Brigadier und kann solche Leistungen nicht vollbringen. Außerdem wurde ich dann Mitglied der Grubenwehr. Im November 1989 erfolgte dann der Umbruch und es wurde alles anders. Im Laufe des Jahres 1990 führten wir als Brigade noch Sanierungsarbeit durch. Und die Brigade wurde im Laufe des Jahres bis zum Jahresende aufgelöst. Ab 1991 erfolgte dann die Sanierung unter Tage bis zum Ende, woran ich teilnahm. Im Jahr 2001 wurde ich für 25-jähriges Arbeitsjubiläum geehrt. Und erhielt 2008 die Silberne Ehrennadel der Grubenwehr. Nach Abschluss der Arbeiten unter Tage nahm ich an einem Lehrgang, DEKRA-Lehrgang für Baumaschinenführer teil. Nach Abschluss des Lehrgangs und den späteren Ablauf arbeitete ich dann im Haldenabtrag als Bediener Großraumtechnik. Als diese... als die Halden, die durch die Großraumtechnik abgetragen wurden und die Großraumtechnik flott aufgelöst wurde, arbeitete ich als Baumaschinenführer in der Flächensanierung. Im März... im Mai 2012 erkrankte ich schwer an Krebs, wodurch ich bis September 2013 krankgeschrieben war. 2014 arbeitete ich noch mal, nochmals ein Jahr in der Flächensanierung, bevor ich dann 2015 in den Vorruhestand und 2020 in Altersrente ging. #00:07:11-4#
Astrid Kirchhof: Okay, gut (lacht). Ich würde sagen, wir bleiben, wenn es okay ist, noch ein bisschen bei der Arbeit. Und ich frage jetzt einfach mal ein paar Sachen noch mal nach zum Verständnis. Also Sie sind 1976, haben sich entschlossen, zur Wismut zu gehen. Und zwar eine Ausbildung zu machen mit Abitur, ist das richtig? #00:07:33-3#
Hans-Georg Fischer: Jo, jo. #00:07:33-9#
Astrid Kirchhof: ...um dann später bei der Wismut arbeiten zu können? #00:07:36-6#
Hans-Georg Fischer: Oder dann später... also später sozusagen nach Abschluss der Lehre in Freiberg in der Bergakademie zu studieren. #00:07:44-7#
Astrid Kirchhof: Das war der Plan? #00:07:45-7#
Hans-Georg Fischer: Das war der Plan. #00:07:46-9#
Astrid Kirchhof: Bergaka... aber dazu kam's ja dann nicht. #00:07:49-2#
Hans-Georg Fischer: Dazu kam's leider nicht. #00:07:50-4#
Astrid Kirchhof: Warum? #00:07:51-4#
Hans-Georg Fischer: Erstens lernte ich meine Frau kennen, das erste Kind war unterwegs. Dann war ich in einer guten Brigade und... wo man gutes Geld verdient hat und wenn man eine Familie gründet, braucht man Geld und da ist mein Entschluss gefallen, nicht zum Studium zu gehen. #00:08:11-4#
Astrid Kirchhof: Okay, sondern gleich zu arbeiten... #00:08:13-0#
Hans-Georg Fischer: Gleich weiterzuarbeiten. #00:08:14-2#
Astrid Kirchhof: ... und mehr zu verdienen. Und ursprünglich haben Sie sich ja für die Wismut auch entschieden quasi aus finanziellen Gründen, um die Mutter zu entlasten. #00:08:21-7#
Hans-Georg Fischer: Ja. #00:08:22-2#
Astrid Kirchhof: ...und zu unterstützen. Okay. Und wie... also nach... dann waren Sie 1979 fertig mit der Ausbildung und haben das Arbeiten angefangen? #00:08:36-4#
Hans-Georg Fischer: Jo. Ich bin... ich hab im... also ich war im Juni 1979 fertig und hab danach im Juli als Hauer in der Hauerbrigade Pschiebel angefangen. #00:08:48-7#
Astrid Kirchhof: Sagen Sie mir noch mal, Hauerbrigade wie? #00:08:51-1#
Hans-Georg Fischer: Pschiebel. #00:08:51-9#
Astrid Kirchhof: Pschiebel. Und in... also war das hier...? #00:08:53-8#
Hans-Georg Fischer: Die Brigade ist dann später in die Hauerbrigade Bergner umbenannt worden, weil der Hauerbrigadier Pschiebel gewerkschaftsmäßig eine andere Laufbahn eingeschlagen hat. Und deswegen ist die Brigade Pschiebel dann in Jugendbrigade Bergner umbenannt worden. #00:09:11-1#
Astrid Kirchhof: Und in welchem Bereich befinden wir uns überhaupt? Also ich meine geografisch, wo sind wir? In der Nähe von Gera, oder? #00:09:17-4#
Hans-Georg Fischer: Ich habe gearbeitet im Bergbaubetrieb Reust und der liegt bei Ronneburg. #00:09:23-6#
Astrid Kirchhof: Bei Ronneburg. #00:09:24-7#
Hans-Georg Fischer: Bei Ronneburg. #00:09:25-4#
Astrid Kirchhof: Und da haben Sie auch die meiste Zeit Ihres Lebens gearbeitet? #00:09:28-3#
Hans-Georg Fischer: Ja. Bis, bis 1985 und da bin ich in, sind wir ja in den Bergbaubetrieb Drosen umgesetzt worden. Und der Bergbaubetrieb Drosen liegt ja auch bei Ronneburg. #00:09:38-4#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:09:39-2#
Hans-Georg Fischer: Und das ist alles Ostthüringer Bergbaubetrieb. #00:09:41-2#
Astrid Kirchhof: Wieso heißen die eigentlich Jugendbrigaden? Warum nicht einfach Brigaden? #00:09:46-1#
Hans-Georg Fischer: Als... ja, eine Jugendbrigade, in der Jugendbrigade müssen soundsoviel Prozent Jugendliche sein, dann zählt die als Jugendbrigade. #00:09:54-3#
Astrid Kirchhof: Ja, okay. #00:09:55-5#
Hans-Georg Fischer: Nur, wenn nur ältere, ab einem bestimmten... also es muss eine bestimmte Mischung da sein zwischen Erfahrenen, zwei, drei Erfahrene und jungen Leuten. Und aber der... Anteil der Jugendlichen muss überwiegen. Dann kannst du dich als Jugendbrigade bezeichnen. #00:10:11-9#
Astrid Kirchhof: Und Sie waren vorher in der Jugendbrigade selber einfach Hauer, bevor Sie dann gefragt... #00:10:15-9#
Hans-Georg Fischer: Nee. #00:10:17-0#
Astrid Kirchhof: Nee? #00:10:17-4#
Hans-Georg Fischer: Ich war, ich war in der Jugendbrigade Bergner Hauer. Und wurde dann auf Anraten oder Drängen oder sagen wir mal so, in die Richtung geschoben, weil der Bergner Peter zur Parteischule gehen wollte. Oder gehen sollte. Und ich... also wurde davor vorbereitet, die Brigade zu übernehmen. #00:10:40-7#
Astrid Kirchhof: Das war ungefähr wann, 83 [1983] oder? #00:10:43-8#
Hans-Georg Fischer: Nee, das war... ich guck mal... (8 Sekunden Pause) 84 [1984] muss das gewesen sein. #00:10:58-7#
Astrid Kirchhof: 84 [1984]. #00:10:59-6#
Hans-Georg Fischer: Ja. Oktober 84 [1984]. #00:11:00-9#
Astrid Kirchhof: Und da haben Sie sich... so eine gewisse Überlegungszeit hatten Sie dann und...? #00:11:05-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, das ist... du wurdest ran geführt. Du bist, am Anfang bist du mit ihm mitgelaufen, mit dem Brigadier, damit du die ganzen Verfahrensabläufe kennenlernst, um was du dich zu kümmern hast und, und, und, und so weiter und so fort. Das ging über einen bestimmten Zeitraum und dann kannst du sagen, auf Deutsch gesagt, haben sie dich ins kalte Wasser geworfen und dann warst du von heut auf morgen Brigadier. #00:11:24-4#
Astrid Kirchhof: Bei dieser Ausbildung, die Sie gemacht haben mit Abitur, war die schon angelegt, später mal eine Führungsposition zu übernehmen? #00:11:29-9#
Hans-Georg Fischer: Nee. #00:11:30-6#
Astrid Kirchhof: ...oder? Nee. Das war für... um Hauer zu sein? #00:11:34-1#
Hans-Georg Fischer: Ich hab, ich hab Beruf mit Abitur gemacht. Weil ich wollte eine fertige Berufsausbildung haben. Wollte aber gleichzeitig das Abitur haben, Hochschulreife, um... #00:11:43-6#
Astrid Kirchhof: ...studieren zu können. #00:11:44-5#
Hans-Georg Fischer: Um studieren zu können. #00:11:45-5#
Astrid Kirchhof: Okay, verstehe. Und... #00:11:47-2#
Hans-Georg Fischer: Deswegen bin ich ja auch daraufhin auch gleich zur Armee eingezogen worden. Weil sonst, zu DDR-Zeiten, konnten sie dich ja bis sonst wann zur Armee holen. Du musstest nicht gleich nach der Lehre zur Armee. #00:11:57-2#
Astrid Kirchhof: Ach so. #00:11:57-9#
Hans-Georg Fischer: Das ist daraufhin passiert, weil das geplant war, dass ich nach Freiberg zum Studium geh. Wo ich ja nicht gegangen bin. #00:12:05-6#
Astrid Kirchhof: Ach so. Und deswegen sollten Sie gleich zum Militär? #00:12:08-1#
Hans-Georg Fischer: (unv.) anderthalb Jahre. #00:12:09-5#
Astrid Kirchhof: Eineinhalb Jahre Militärdienst, okay. Und danach sind Sie, haben Sie sich dann entschieden, nein, ich geh doch nicht studieren, sondern ich fahr gleich ein oder ich fang das Arbeiten an. #00:12:18-5#
Hans-Georg Fischer: Ich fang dann gleich wieder an zu arbeiten. Ich hab ja vorher schon unter Tage gearbeitet. #00:12:20-2#
Astrid Kirchhof: Ja. #00:12:20-9#
Hans-Georg Fischer: Ich hab gesagt, ich geh zurück zur Brigade. Ich bin auch von der Brigade bei der Armee gut unterstützt worden. Die haben sich immer mal gemeldet und so weiter und so fort. Haben mir auch manchmal ein Paket geschickt und so, ne. Mit diversen Sachen (lacht). Und da hab ich mich dann entschlossen, du gehst zurück. #00:12:37-7#
Astrid Kirchhof: Und um gefragt zu werden, Brigadier zu werden, kommt's da auch auf die Noten drauf an, die man hat, oder eigentlich... #00:12:44-3#
Hans-Georg Fischer: Nää, nää. #00:12:45-4#
Astrid Kirchhof: ... nur die Arbeitsleistung? #00:12:45-7#
Hans-Georg Fischer: Es kommt auf die Arbeitsleistung drauf an und dann... stand ja für mich auch im Raum, ich bin dann Mitglied der SED geworden. Sonst wär ich kein Brigadier geworden. #00:12:56-9#
Astrid Kirchhof: Ach so. #00:12:57-3#
Hans-Georg Fischer: Mus man so sagen. #00:12:58-3#
Astrid Kirchhof: Ja. #00:12:58-8#
Hans-Georg Fischer: Das... sonst wär ich nicht geworden. #00:13:01-6#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:13:02-6#
Hans-Georg Fischer: Ich war aber nicht... ich war, wie gesagt, ich war aber nicht, will ich sagen, 100-prozentig Genosse. Sondern ich hab das eben gemacht, weil ich, weil sie mir angetragen haben, du wirst Brigadier, aber... #00:13:14-7#
Astrid Kirchhof: ...musst in die Partei eintreten. #00:13:16-1#
Hans-Georg Fischer: ...möchtest du bitte in die Partei eintreten. #00:13:17-3#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #00:13:18-2#
Hans-Georg Fischer: Ja gut, wir hatten ja auch in Drosen einen Brigadier, der war ganz groß in der Gewerkschaft. Der war in der Betriebsgewerkschaft, Leitung. Und das ging, oh, der ist nicht in die Partei gegangen. Aber der war schon viel, viel älter. Ne, das ging aber auch... wenn wir als Junge... die Alten haben meist, die haben ja sozusagen ja... Kader gesucht, auf Deutsch gesagt, für die Partei und haben gesagt, hier, das ist einer, den hätten wir vorgeschlagen. Dann haben sie dich eben geholt. In Gesprächen dazu... überredet, dass du eintrittst. Daraufhin, ich war, ich war ja erst in der Partei, und daraufhin ist das dann später... hat sich das alles entwickelt, dass ich... Brigadier geworden bin. #00:13:54-7#
Astrid Kirchhof: Wenn Sie sagen, Sie sind ein bisschen in Gesprächen überzeugt worden, war das dann ihr Chef, der Herr... Berg...er oder? #00:14:01-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, der hat dort... der Hauerbrigadier, der der... der APO aus der Brigade. Wir hatten ja in jeder Brigade einen APO. #00:14:09-3#
Astrid Kirchhof: Was ist APO? #00:14:10-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, Abteilungs-Polit-Organisator. #00:14:13-4#
Astrid Kirchhof: Aha. #00:14:14-4#
Hans-Georg Fischer: Und dann im Bereichs, im Bereichs... SED-Chef. Und dann ist am, wo wir die Befahrung hatten damals, ist auch dann der große Chef von der, von der, von der Schachtleitung, von der SED, hat mich dann auch noch mal im Gespräch... und so weiter und so fort. Und dann ist das dann irgendwann... #00:14:35-3#
Astrid Kirchhof: Und diese Gespräche, waren die freundlich, oder? #00:14:37-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, auf alle Fälle. Du wurdest nicht gedrängt. Die haben dir, die haben gesagt, horch zu, du bist ein guter Arbeiter, du... wir könnten uns vorstellen, dass du... das und das mal machen könntest, würdest. Wir möchten dich auf diesen Weg bringen. Weil der Bergner Peter ist ja auf die Parteischule gegangen und wir brauchen hier einen Nachfolger und wir brauchen für die Jugendbrigade am liebsten einen Jugendnachfolger und keinen Alten und so weiter und so fort. So ist das dann eben irgendwie... #00:15:05-7#
Astrid Kirchhof: Aber theoretisch hätten Sie auch sagen können, nee, möchte ich nicht. #00:15:08-6#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee, nee. Wenn ich nicht gegangen, wenn ich nicht in die Partei gegangen wäre, wäre dann der spätere Weg auch nicht so verlaufen, wie ich ihn jetzt... #00:15:14-6#
Astrid Kirchhof: Aber das wäre gegangen. Sie hätten sagen können, ich... #00:15:16-5#
Hans-Georg Fischer: Ich hätte da als Hauer weiter gemacht und ganz normal in der Brigade, aber das wäre auch gegangen. Also es war kein Muss, beizutreten. Da ist eben viel Überzeugungsarbeit geleistet worden, sagen wir mal so (lacht). #00:15:26-3#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #00:15:28-1#
Hans-Georg Fischer: Es ist so. #00:15:29-0#
Astrid Kirchhof: Also wir kommen gleich noch mal nachher zu 89 [1989]. Ich wollte nur mal fragen, nach 89 [1989], habe ich richtig verstanden, haben Sie vor allem in der Sanierung gearbeitet? #00:15:36-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, Sanierung unter Tage. #00:15:37-6#
Astrid Kirchhof: Und... was heißt das eigentlich genau? #00:15:40-1#
Hans-Georg Fischer: Es wurden, es wurden... die Gruben...bau verschlossen. Alle offenen Hohlräume, die unter bestimmten übertäglichen Bauten, wie zum Beispiel Autobahn, Eisenbahn oder auch Gebäuden und so weiter, wurden, mussten voll verbaut werden. Also die wurden mit Beton vollgemacht, als zugegossen, die Hohlräume. Und am Schluss haben wir dann mit der Grubenwehr sämtliche achtund..., also die 38 Tagesschächte und die, die einigen (unv.)-Schächte, die noch waren. Haben wir dann mit der Grubenwehr zugemacht, bis nach über Tage. #00:16:11-5#
Astrid Kirchhof: Grubenwehr heißt was? #00:16:12-8#
Hans-Georg Fischer: Grubenrettungswesen unter Tage. #00:16:14-6#
Astrid Kirchhof: Ah, okay. #00:16:15-5#
Hans-Georg Fischer: Das ist wie die Feuerwehr über Tage. #00:16:16-8#
Astrid Kirchhof: Ah ja, okay. Und wer hat Ihnen das gelernt oder gelehrt, wie man das macht? #00:16:23-7#
Hans-Georg Fischer: Was, die Sanierung? #00:16:24-6#
Astrid Kirchhof: Ja. #00:16:25-8#
Hans-Georg Fischer: Du, du hast als Hauer ja schon viel mit, mit Holz gearbeitet und so weiter und so fort. Und dann wurden bestimmt Sanierungskonzepte entstellt... erstellt. Und danach, da wurde dann die Verwahrung getätigt. Ja, ich muss sagen, wenn du früher in einen Hohlraum ausgeerzt hattest, wo der sozusagen vorne, wenn das Hohlraum war, wurde vorne ein Holzdamm gestellt. Aus (unv.) mit Maschendraht und Tuch und da wurde versatz... wir sagen Versatz, Beton reingepumpt. Dass der Hohlraum voll war. Und dann später sind wir unten drunter, unter diesem künstlichen Dach, haben wir das Erz wieder abgebaut. Also haben wir ja schon gewusst, wie wir bestimmte Sachen zumachen. Und so wurde dann, wurden dann diese Rohre zu (unv.) Strecken zugemacht. Mit solchen Dämmen. Abschnittsweise, so wie (unv.) hundert Meter, wurde so ein Damm gestellt und wurde verfüllt. #00:17:16-3#
Astrid Kirchhof: Also man hat da jetzt nicht einen Lehrgang gemacht... #00:17:18-6#
Hans-Georg Fischer: Nein, nein, nein, nein, nein. #00:17:19-2#
Astrid Kirchhof: ...wie saniere ich die Wismut, sondern...? #00:17:21-0#
Hans-Georg Fischer: Es wurden bestell auf... auf für über Tage, dann wurden schon bestimmte Konzepte erarbeitet. Es wurden auch für unter Tage Konzepte erarbeitet. Was muss zugemacht werden, was kann offen bleiben, weil ja am Schluss auch geflutet wurde. Dass das Grundwasser steigt, dass die Hohlräume mit Wasser sich füllen. Aber bestimmte Ecken mussten eben komplett verwahrt werden, damit sich das nicht senkt. Wie es zum Beispiel, jetzt drüben in der Steinkohle ist das so. #00:17:45-6#
Astrid Kirchhof: Und warum musste da geflutet werden? #00:17:48-6#
Hans-Georg Fischer: Das... was heißt geflutet, das ist ein ganz normaler Prozess. Wenn ich einen Bergbau... Bergbaugewerk betreibe, muss ich das Grundwasser absenken, damit ich unten trocken, trocken arbeiten kann. So, und da stehen Pumpen, im Tiefsten vom Schacht stehen Pumpen. Und die pumpen das Wasser raus. Und wenn ich das Bergwerk jetzt saniere und fange an, von der tiefsten Sohle nach oben, immer weiter das Bergwerk zu schließen, schalte ich dann die Pumpen ab. Und automatisch steigt dann irgendwann das Grundwasser wieder. Bis auf eine bestimmte Höhe und alles, was offen ist, ist dann voll Wasser. #00:18:21-9#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #00:18:22-8#
Hans-Georg Fischer: Und wenn das voll Wasser ist, kann das auch nicht (unv.). Als wenn das, wenn das offen geblieben wäre. Ohne Wasser oder ohne alles. #00:18:31-1#
Astrid Kirchhof: Da muss ich noch mal was fragen zu dem Prozess des Ab... Hauers überhaupt, also wenn Sie... wie schwer waren die Maschinen? #00:18:38-0#
Hans-Georg Fischer: Also wir haben... da musste man sich das so vorstellen, wenn man in, in einem neuen Abbaublock angefangen haben und wir auf dem Überhauen, das ist ein horizontaler OV, da haben wir einen Aufbruch gemacht. Was heißt Aufbruch? Haben von dort aus angefangen, uns zu erweitern, um dann eine Erzkammer abzubauen. Und da wurde mit der Hand gebohrt, Handbohrmaschinen, das war ein (unv.) Hammer mit einer hydraulischen Stütze. (Unv.) damals 27 Kilo gewogen. #00:19:08-6#
Astrid Kirchhof: 27 Kilo. #00:19:10-0#
Hans-Georg Fischer: Hmm, und alles, alles mit der Hand, hier, Vibrationen und so (unv.). Wenn ich dann weit genug drinne war, am Anfang beim ersten Sprengen hast du dann die Masse mit der Hand (unv.) in die, in die, in die Rollen von den Überhauen hast du ja zwei Masserollen gehabt. Und wenn du dann weiter, weiter, etwas drinne warst, ist dann eine Schraube raufgekommen. Also ein Gefäß, das läuft an zwei Seilen, und da kannst du die gesprengte Masse, ist vorne eine Umlenkrolle, da kannst du die gesprengte Masse hinein befördern. Wenn der Block dann groß genug war, ist dann ein Fuhrwagen hochgekommen und (unv.). Und da hast du dann die Trennung gehabt von der Altmaschine zu den Händen. Also sonst auf den Bohrungen hast du Hebel bedient, hast das hydraulisch eingerichtet und hast deine Sprengladung gebohrt. Und nach dem Sprengen bist du dann in den Bunkerlader und hast die Masse gefördert. Das war Überkopflader, hast du vorne eine Schaufel dran gehabt, hinten hast du einen Bogen drauf gehabt, hast du nun voll gemacht und dann bist du vorgefahren an die Rolle, hast ihn abgekippt. Und so hast du dein, seine, deine Scheibe frei befördert. Dann wurde Ausbau hineingestellt und dann bist du mit dem Bohrer wieder vor und hast wieder Löcher gebohrt. Dann wurde wieder gesprengt. Dann ging das Selbe von vorne los. Und dann ist dann... ist es meistens so, wenn der Block groß genug war, hast du dann, ich sage mal, keinen Aufbruch mehr gebraucht. Dann bist du... du hast die Scheibe gehabt und bist dann sozusagen aus, aus der Scheibe, sozusagen unter tief drunter gefahren. Dann ist oben das versetzt worden und dann brauchtest du den Aufbruch nicht mehr machen. Hast du dann, bist du müde auf der nächsten Etage gewesen, auf Deutsch gesagt. #00:20:38-1#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:20:39-0#
Hans-Georg Fischer: Hast dir den Aufbruch gespart. Wenn du aber natürlich keine Erzkammer hattest, dann musstest du immer wieder einen Aufbruch machen. Ein Aufbruch war oftmalig eine Knüppelarbeit. War ja am Anfang... es hat sich ja keiner hingestellt auf Deutsch gesagt und hat mit der Kratze, eine Kratze, das ist wie eine Schorferhöhung mit Stiel und hast die Masse hineingekratzt. Hast du nicht gemacht. Du hast, du hast den 2 Zoll-Baggerschlauch zwischen die Hände, zwischen die Beine genommen, hast den aufgedreht und hast die Masse hineingeblasen. Mit Druckluft. Wissen Sie, was das für ein Dreck ist? Wie man da aussieht? Du hast die Masse zwar nass gemacht, aber trotzdem. Du siehst aus wie ein Schwein. #00:21:11-8#
Astrid Kirchhof: (Lacht) Und, ich weiß nicht, gab's da solche Nachfolgen wie, dass man die ganze Zeit das Gefühl hatte, wenn man fertig war damit am Abend, die Muskeln vibrieren oder man hat Kopfschmerzen? #00:21:22-7#
Hans-Georg Fischer: Nö. Nee, am Anfang nicht. Die Vibrationsschäden, die kommen alle erst später. #00:21:28-9#
Astrid Kirchhof: Wenn man es lang genug gemacht hat? #00:21:30-8#
Hans-Georg Fischer: Wenn man es lang genug gemacht hat. Wenn man es lang genug gemacht hat und Kopfschmerzen, ja gut, das lag ja an jedem selber. Beim Bohren, das ist sehr laut. #00:21:39-6#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:21:40-1#
Hans-Georg Fischer: Sehr laut! Vor allem, wenn zwei Bohrhämmer auf dem Bohrwagen laufen. Du hast ja Gehörschutz gehabt. Entweder hast du ihn reingesteckt, es gab aber auch welche, die haben ihn nicht reingesteckt. #00:21:48-6#
Astrid Kirchhof: Warum nicht? #00:21:49-4#
Hans-Georg Fischer: Weil sie zu faul waren (lacht) #00:21:50-4#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #00:21:51-3#
Hans-Georg Fischer: Dann hast du eben Gehörschaden gehabt. #00:21:53-3#
Astrid Kirchhof: Wie lang hat eine Hauer, eine Schicht, gebohrt? #00:21:58-3#
Hans-Georg Fischer: Es kam drauf an. Wenn der, wenn der, wenn du mit dem Bohrer gebohrt hast, kam es ja drauf an, wie groß die Scheibe war. Und ob man auf Beton... wenn die vier mal vier Meter war und du musstest, ich sag mal, in Drosen, da mussten wir, da war mehr Sprenglöcher bohren, weil es härter war. Musstest da bohren, drei (unv.) drauf bohren, das Loch zwei Meter tief. Da hast du schon zwei Stunden gebohrt. Wenn du dieselbe Scheibe, wenn du dieselbe Scheibe mit der Hand abbohren wolltest, da hast du (unv.) gebohrt, an die Dinge. Da war es aber so weit, das sind ja vier Meter hoch. Du bist ja mit der Stütze nicht hochgekommen. Da war das so, da hat auf das gesprengte Haufwerk, hast du deine Bohrmaschine hinaufgeschleppt und deine Stütze, und hast von Haufwerk oben die ersten zwei, drei reingebohrt. Und unten der hat schon geladen. Und wenn der dann... dann hast du, bist du runter und hast dann unten den Rest noch gebohrt. Sonst hättest du ja das Sprengen nicht gehört. #00:22:46-4#
Astrid Kirchhof: Also er hat das aufgeladen auf... #00:22:48-8#
Hans-Georg Fischer: ...in (unv.) umgeladen und hat das vorher in die Rolle gefahren, das Haufwerk. Du hast das gesprengte Haufwerk, das gesprengte Haufwerk. So, jetzt ist die Scheibe, so ist die Scheibe. Hier liegt der Haufen. #00:22:58-7#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #00:22:59-4#
Hans-Georg Fischer: So, da hast du in der Berg... wenn du unten in die (unv.) gefahren bist, musstest du Kopfschutz einbringen. Da wurdest du mit, da wurden zwei Stahlschienen vorgeschoben, und da drauf wurde deine, deine, dein Rundholz gelegt und abgedeckt, damit dir nichts auf den Kopf fällt. #00:23:10-6#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #00:23:11-4#
Hans-Georg Fischer: So und dann, wenn du eben, wie gesagt, den Bohrer noch nicht hattest oder, dann hast du dich obendrauf gestellt auf die Masse und hast die obersten zwei, drei Reihen mit der Handmaschine abgebohrt. Später sind dann vier Meter Alustützen gekommen, da waren nun auch Fette drinne, wo der Bohrhammer drauf war. Da war es ja dann auch getrennt von... von der Bohrmaschine, damit du nicht hier... aber am Anfang war das so, dass du da die Scheibe von oben abgebohrt hast und dann hast du das Haufwerk weggefuttert und dann hast du, dann hast du unten gebohrt, ja. #00:23:37-8#
Astrid Kirchhof: Erklären Sie mir doch noch mal, also irgendwie muss ja das Uran aus dem Gestein raus. Wer macht das, oder wie...? #00:23:44-3#
Hans-Georg Fischer: Das, du, du förderst ja hier nur das Erz. Dann kommt der Radiometrist, der nimmt dir deine Scheibe ab mit seinem Radiometer, in die Bohrlöcher hinein und sagt: Hier ist Erz, hier ist Masse. Entweder einziehen oder Profil erweitern und dann sprengst du. Das Erz wurde abgefördert über den Schacht und oben über Bandanlagen und mit den Zügen. Und die Züge sind dann ins Aufbereitungswerk nach Seeligenstädt gebracht worden. Und dort wird erst das Uran aus dem Erz rausgelöst mit Schwefelsäure und so weiter und so fort. Und das Fertig heißt Uranoxid, ist gelb, sogenanntes Yellow Cake. Und das wurde dann in Bleikisten verfrachtet und wurde bei die Russen geschafft. #00:24:29-7#
Astrid Kirchhof: Und ausgelöst haben Sie gesagt, wurde es in Seeligenstadt? #00:24:32-2#
Hans-Georg Fischer: Seeligenstädt! #00:24:33-1#
Astrid Kirchhof: Seeligenstädt. #00:24:34-5#
Hans-Georg Fischer: Das ist auch hier bei Ronneburg. #00:24:35-9#
Astrid Kirchhof: Okay, aber damit hatten Sie... #00:24:37-4#
Hans-Georg Fischer: Großes, großes Auf... hat mit mir nichts zu tun. Großes Aufbereitungswerk. Wir hatten, wir hatten das Erz, das Gestein rauszubringen und vor allem Erz vom tauben Gestein zu trennen. Die taube Masse ging ja auf die Halde. Und das Erz ging in die Waggons ins Aufbereitungswerk. #00:24:53-0#
Astrid Kirchhof: Was Sie da abgetragen haben, strahlt das schon? #00:24:55-2#
Hans-Georg Fischer: Ja! Logo strahlt das schon. #00:24:57-6#
Astrid Kirchhof: Das strahlt. #00:24:58-4#
Hans-Georg Fischer: Das strahlt. #00:24:59-2#
Astrid Kirchhof: Und wussten, wussten... #00:25:00-0#
Hans-Georg Fischer: Das merkst du ja, das merkst du ja mit deinem Radiometer. Es schlägt aus, wie der Geigerzähler ist das. De-de-de-de-de-de #00:25:03-8#
Astrid Kirchhof: Ach so, deswegen sagt er ja, wo was drin ist. #00:25:06-0#
Hans-Georg Fischer: Damit er weiß, wo Erz ist und wo nicht Erz ist. Klar strahlt das. Deswegen hast du ja... das Schlimmste bei der ganzen Sache ist eigentlich das Zerfallsprodukt. Das Radon. Strahlung zerfällt. #00:25:19-0#
Astrid Kirchhof: Ja. #00:25:20-3#
Hans-Georg Fischer: Wie bei einer Kernexplosion. Und das Radon ist das Schlimmste. Und das Radon ist, sagen wir mal, vor Ort weggebracht worden. Weil du Bewetterung hattest. Du hattest ja laufend, wie gesagt, eine Lückentur, wo Frischwetter geblasen wurden vor Ort. Und hier sind die Abwetter über Dings hinaus und über den Schacht, über die Strecken und über den Abwetterschacht nach über Tage. So ist eigentlich der Wetterzyklus. Weil so könntest du gar nicht unten arbeiten. Du brauchst ja die Frischwetter. #00:25:48-8#
Astrid Kirchhof: Und gab's da irgendwelche Schutzmaßnahmen? #00:25:50-8#
Hans-Georg Fischer: Nö. Schutzmaßnahmen haben sie erst eingeführt nach der Wende. Dann hat jeder ein personengebundenes Dosimeter gehabt. Aber ich muss dazu sagen, zu DDR-Zeiten sind auch welche rumgerannt und haben vor Ort die Strahlenbelastung gemessen. Und es gab auch bestimmte, bestimmte Orte, wenn da, das war wo wir noch in Reust waren, wenn du da Reicherz drauf hattest, es gab ja drei verschiedene Erzsorten. Das Reicherz war die eins und so zwo. Und wenn du Reicherz drauf hattest und die Strahlung war zu hoch, dann durftest du bloß, sagen wir mal, eine Woche oder dort arbeiten, dann musste ein Anderer hin. Durftest ja nicht die ganze Zeit dort arbeiten. #00:26:27-2#
Astrid Kirchhof: Wegen der Strahlung? #00:26:28-1#
Hans-Georg Fischer: Wegen der Strahlung. #00:26:29-3#
Astrid Kirchhof: Sie... Sie sind ja später krank geworden, würden Sie heute sagen, Mensch, da hätten die Vorkehrungen besser sein müssen? #00:26:37-6#
Hans-Georg Fischer: Nä, eigentlich, eigentlich nicht. Es gibt die... ich muss noch mal dazu sagen, es ist vielleicht auch ein bisschen mit Selbstverschulden, weil... als Hauer geht alles ruckzuck. Schnell, schnell, schnell, du musst den Schuss packen, du musst Kubik bringen. Und wenn du... du hast... am Schlimmsten war es ja, ist ja jetzt dann nicht mehr so gewesen, früher haben sie trockengebohrt. Da haben sie ja immer Silikose gekriegt, Staublunge. Ist ja dann abgeschafft worden, weil wir nassgebohrt haben. Wir haben ja die Sprenglöcher nassgebohrt. Und haben auch nach dem Sprengen, hast du das Haufwerk nassgemacht. Aber... die letzten fünf, sechs, sieben KaWos, wo es dann unten drinne trocken war, wo es, wo es oben nicht durchgetrocknet war, da hast du keine Zeit gehabt, (unv.), da hast du dann den Dreck trocken weggefahren. Ist ja ganz normal (unv.). Hast ja Zeitdruck gehabt. Und das Schlimmste ist von dem, sagen wir mal, Radon her, bildet sich ja auch in, in alten Grubenbauen, wo keine Frischbewetterung ist. Wenn du dich da oft genug drinne rumdrückst, als Hauer vielleicht nicht so, aber dann bei der Sanierung, wenn du dich dann da drin rumdrückst und, und, wo wir das da alles saniert haben und so weiter und so fort, und du hast nicht genug Frischwetter drin, tust du Radon inhalieren. Und jeder Körper ist ja anders. Der eine verträgt's, der andere verträgt's nicht. Der eine kriegt den Krebs, der andere kriegt's nicht. #00:27:52-1#
Astrid Kirchhof: Hmm. Vielleicht können Sie noch mal sagen, Sie haben ja jetzt mehrmals betont, dass Sie viel Druck hatten und vorher haben Sie, es war mir nicht klar, mir auch erzählt, dass das Gehalt quasi nicht jeden Monat gleich war, sondern nach Akkord oder wie...? #00:28:08-5#
Hans-Georg Fischer: Das, das war ja kein Gehalt, das war, hieß Schichtlohn. Und der Schichtlohn wurde immer nach Leistung ausgeschüttet. Du hast deinen Plan gehabt, den musstest du bringen. Und wenn du den, wenn du den, wenn du Geld verdienen wolltest, musstest du den Plan übererfüllen oder, wenn du den Plan grad so gebracht hast, dann musstest du den Plan, (unv.) bringen. Damit du Geld verdienst. Das... besteht... ist ja vieles zusammen... spielt ja vieles zusammen bei der Abrechnung. Fährst du, fährst du ohne Ausbau, nur unter Beton, musst nicht ausbauen, oder fährst du mit Ausbau, hast du viele Nebenarbeiten, zum Beispiel (unv.) oder, oder als (unv.), Schlosser arbeiten und so weiter. Und das mussten sie eben alles erfassen und mussten... und das wurde dann alles am Schluss eingerechnet. Und daraus bildete sich der Schichtlohn. Kubikmeter pro Mann und Stunde. #00:28:56-4#
Astrid Kirchhof: Kubikmeter pro... #00:28:58-4#
Hans-Georg Fischer: Mann und Stunde. Hmm. #00:28:59-9#
Astrid Kirchhof: Und Sie haben sich als Brigadier, also als Leiter der Brigade, Brigadier... ja, haben Sie sich darum gekümmert, dass alle ihren richtigen Lohn bekommen haben und...? #00:29:11-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, der Lohn... du hast, du hast, der Schichtlohn ist am Monatsende ausgerechnet worden und dann... wurde für jeden einzelnen hast du, diesen Tag hast du gearbeitet wie jetzt auch zum Beispiel ist, hast du Urlaub gehabt oder was, auf die Tage hast du dein Geld gekriegt. Und dann sind die Zuschläge dazugekommen. Warst du Sprenghauer, warst du Drittelhauer, warst du, warst du Lehr-, Lehrfacharbeiter, da gab's extra noch mal Geld. Und dann gab's noch eine bestimmte Umverteilungsprämie innerhalb der Brigade, Umverteilungsgeld, und das konntest du dann auch noch umverteilen. Also es hat nicht jeder dasselbe gekriegt. Wenn einer zum Beispiel Sprenghauer, Drittelhauer und Lehrfacharbeiter war, der hatte mehr Geld wie einer, der normaler Hauer war. Da er kein Sprenghauer oder kein Drittelhauer war. Da die Zuschläge ja der gekriegt hat, der es war, und der andere hat die Qualifikation nicht gehabt und da hat er die Zuschläge nicht gekriegt. Also hat er ja seinen reinen Schichtlohn gekriegt. #00:30:05-5#
Astrid Kirchhof: Was ist denn der Unterschied zwischen normalem Hauer, Sprenghauer, Drittelhauer? #00:30:10-0#
Hans-Georg Fischer: Sprenghauer sind die, die mit Sprengstoff umgehen, die die Scheibe besetzen müssen Schichtende, dass die Scheibe gesprengt wird. Die müssen eine spezielle Ausbildung machen, hab ich auch gemacht. Warst du... kriegst einen Sprengmittelerlaubnisschein und so weiter und so fort, wirst du überprüft und hast ja dann deine Sprengmittelkiste, die du Schichtanfang übernimmst. Musst den Bestand zählen und so weiter und so fort. Und musst auch deinen Bestand wieder überprüfen, wenn du deine Sprengmittel rausgenommen hast, hast deine Scheibe besetzt, musstest du Schichtende die Kiste, also danach, die Kiste auch wieder abrechnen. Das muss alles stimmen. Und das wird auch überprüft. Davor, davor hast du eventuell... wenn du als Sprenghauer eingeteilt wirst und hast eine Sprengmittelkiste gehabt, dann hast du als Sprenghauer soundsoviel... pro Schicht dazu gekriegt. Geld, ne. Wieviel, das weiß ich jetzt nicht mehr. So, und Drittelhauer, die hab ich eingeteilt. Du hast drei, du hast drei verschiedene, also drei Schichten. Und hast zum Beispiel, sagen wir mal... in jeder Schicht drei Abbauorte. Also drei verschiedene Orte. Es mussten immer zwei Mann auf einem Ort arbeiten, alleine durftest du nicht arbeiten. Und da wurde immer einer davon als Drittelhauer eingesetzt. Der hat die Nase, also den Hut aufhatte in der Mittelschicht und Nachtschicht, weil da bin ich ja nicht da. Und, und, und sich mit dem Steiger, der hat die Auf... Arbeitsaufträge, da ist er vor Ort gekommen, hat die Arbeitsaufträge geschrieben. Und der musste sich mit dem Steiger abstimmen, was gemacht wird oder wie man es machen kann. #00:31:30-4#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:31:31-0#
Hans-Georg Fischer: Und dafür hat er als Drittelhauer Zuschlag gekriegt. Und Lehrfacharbeiter hat einen Zuschlag gekriegt, weil er Lehrlinge ausgebildet hat. Die noch nicht fertig waren. Die sind ja, die sind ja... die Lehrlinge haben ja, sagen wir mal, zwei Jahre, die Hauerlehrlinge, die normalen Hauerlehrlinge haben zwei Jahre gelernt. Und da war immer im Rhythmus Berufsschule, unter Tage arbeiten. Und unter Tage arbeiten sind sie dann in die Brigaden gekommen, das letzte halbe Jahr. Und da hast du einen Lehrfacharbeiter gehabt, der musste sich gescheit um den Lehrling kümmern. Dass der Lehrling alles lernt, wie das alles abzulaufen hat. Einhaltung Gesundheits-, Arbeitsschutz und Pipapo und, und, und. Der war für den Lehrling verantwortlich. Das Schlimmste war, wenn der Lehrling einen Unfall hatte. Dann haben sie am Rad gedreht. Also das durfte nicht passieren. Lehrlinge waren heilig, sozusagen. Ja, da durfte nichts passieren. Und deswegen war der Lehrfach... der Lehrfacharbeiter für den Lehrling verantwortlich und dafür hat er auch sein Geld gekriegt. #00:32:18-9#
Astrid Kirchhof: Was würden, oder, was hat denn unter Tage ein Hauer Minimum gekriegt und was war das höchste Gehalt vielleicht, in der Leitungsfunktion? #00:32:27-5#
Hans-Georg Fischer: Das ist, das ist, das ist ja wieder brigademäßig unterschiedlich. Und das war auch monatsmäßig unterschiedlich. Weil ja... du hast ja nicht jeden Monat dasselbe Geld verdient. Ich hab zum Beispiel, als Beispiel jetzt mal, im Monat eine Überplanerfüllung gehabt und habe einen Schichtlohn gehabt von 86 Mark. Und, und, und andere Monate, da hab ich eben keine Planübererfüllung, hab gerade so erfüllt, hab bloß 80 Mark gehabt. Da gab's eben Brigaden, die hatten weniger oder mehr, unterschiedlich. Und deswegen hast du nicht jeden Monat dasselbe Geld verdient. Geht gar nicht. #00:32:56-6#
Astrid Kirchhof: Aber Sie haben vorher gesagt, als Brigadier... #00:33:01-1#
Hans-Georg Fischer: ...verdienst du mehr, weil du ja Brigadierzuschlag hast. #00:33:03-6#
Astrid Kirchhof: Ach so. #00:33:04-3#
Hans-Georg Fischer: Ich krieg ja Brigadier einen Zuschlag. Und hab als Brigadier auch... meistens eine Lohngruppe höher wie der Hauer. #00:33:11-9#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:33:12-9#
Hans-Georg Fischer: Deswegen bist du ja Brigadier. #00:33:13-9#
Astrid Kirchhof: Und... #00:33:14-9#
Hans-Georg Fischer: Hast ja die Verantwortung. #00:33:16-1#
Astrid Kirchhof: ...wollen Sie sagen, was Sie verdient haben oder lieber nicht? Müssen Sie nicht. #00:33:19-6#
Hans-Georg Fischer: Pfff... ja. #00:33:21-0#
Astrid Kirchhof: Lieber nicht, okay. #00:33:22-9#
Hans-Georg Fischer: Nee! Ich könnte es sagen. Also in Spitzenmonaten bin ich schon so mit 2200, 2300 Mark heimgegangen. #00:33:31-6#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:33:32-3#
Hans-Georg Fischer: Und meine, meine besten Hauer so um 1800, 1900. Weil ich muss auch dazu sagen, ich hab ja dann noch... noch eine Lohngruppe höher gekriegt, als wir vorhin gesagt hatten. Qualifizierungszuschlag. Da hatte ich ja schon vornherein noch mehr Geld als Zuschlag. #00:33:45-5#
Astrid Kirchhof: Weil Sie höher qualifiziert waren? #00:33:47-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, weil ich Brigadier war. #00:33:48-2#
Astrid Kirchhof: Genau, okay, hmm. #00:33:49-2#
Hans-Georg Fischer: Weil ich den Hut aufhatte. Ich war ja für alles verantwortlich. Ob das Gesundheits- und Arbeitsschutz war oder sonst was. Wenn, wenn, wenn in der Brigade ein Unfall passiert ist oder was, dann haben sie mich am Arsch gehabt. Weil sie ja immer, wenn was passiert ist, kam die Bergbehörde. Und hat den Unfall untersucht. Und wenn's ein tödlicher Unfall war auch der Staatsanwalt und Stasi gleich mit. Und da wurde eben festgestellt, hast du zum Beispiel... angenommen, die Bude ist zusammengegangen, zusammengebrochen. Dann haben... oder Ausbau. Dann haben sie nachgemessen, hast du den Bauabstand eingehalten? Und wenn der Bauabstand irgendwann dort nicht eingehalten war, wenn das bloß fünf Zentimeter waren, hast du als Brigadier einen auf den Deckel gekriegt. Hast du als Brigadier, war der Erste, der bezahlt wird, wenn was war. #00:34:26-1#
Astrid Kirchhof: Sagen Sie noch mal, was waren so Ihre Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten als Brigadier? #00:34:31-0#
Hans-Georg Fischer: Also, ich hab als Brigadier... ich, ich musste mich kümmern erst mal die ganzen Orte. Ortsvorbereitungen, Materialbestellung, Einteilung der Leute, Urlaub, krank. Dann selber mitgearbeitet, wenn Not am Mann war, weil ich auch Sprenghauer war, mit, also auch selber Sprenghauer gemacht. Dann wie gesagt, einmal in der Woche nur noch zur Wochenplanung im Bereich, wo der Obersteiger da war und so weiter und so fort. Wie es dann die nächsten Wochen weitergeht. Ja. Ich musste mich kümmern, dass... zur Zeit die Lokfahrer da waren mit die Hunte und haben die Masse abgezogen. Erst zu Rollen, wenn die Rolle voll ist, und, und, und du kriegst die Massen oben nicht weg, kannst ja auch nicht weiter. Das sind alles solche Aufgaben. Und das musste alles dann so... und dann bist du, wie gesagt, dann kommst du Schichtende raus dreckig wie eine Sau, dann rammelst du hinauf zum Revierleiter. Klärst noch bestimmte Sachen. Und dann geht's unter die Dusche, und ab, hin. Manchmal bist du gar nicht zum Essen gekommen, weil du überhaupt keine Zeit hattest. Ging alles so im Laufschritt. Das ging eigentlich von der Sache her los, wenn du früh fort bist, der Bus ist in Lusan gefahren, dann bist du zum Bus, warst du an der Bushalte, die haben dich auf den Bahnhof gekarrt. Da bist du in den Zug. Bist du auf den Schacht gefahren, aus dem Schacht raus, dann ging das bloß noch, auf Deutsch gesagt, im Laufschritt. Weißkaue ausziehen, Schwarzkaue anziehen, Lampenstube, Essensbeutel schnappen, schnell noch mal oben beim Revierleiter vorbei, und dann mit der ersten Schale hinein. Als Hauer bist du mit der ersten Schale eingefahren meistens und mit der letzten raus. Alles, was immer zwischendrinne war, Schlosser oder sonst wo, die sind mit der, mit der ersten raus. Die wollten schnell fort, die wollten eben... du bist als Hauer mit der Letzte, meistens. #00:36:14-9#
Astrid Kirchhof: Und... Stress war deswegen, weil man sollte ja den Plan oder wie soll ich sagen, den Soll erfüllen, oder wollte man auch, damit man am... #00:36:22-9#
Hans-Georg Fischer: Geld verdienen. #00:36:23-5#
Astrid Kirchhof: Geld verdienen kann am Ende des Monats. Deswegen war da immer... #00:36:25-8#
Hans-Georg Fischer: ...und vor allen Dingen unfallfrei. Weil du... das ist ja nicht so, du hast ja, du hast in jeder Schicht hast du einen Steiger gehabt. Der hat deinen Ort benotet. Und die Noten sind Monatsende auch mit eingeflossen bei der Bezahlung. Und dann hast du... in... eine Halbmonatsabnahme gehabt und eine Monatsendabnahme. Da sind dann gekommen: Markscheider, von über Tage Obersteiger und so. Die haben deinen Ort und deine Arbeit bewertet. Wenn du da eine Note Vier gefressen hast, dann musstest du als erstes gleich Schichtende, wenn du Pech hattest, oben bei Schachtobersteiger antanzen, warum du die Vier gefressen hast. Musstest das begründen. Und dann ist das hier auch in der... hat das ja negativ in der Bezahlung niedergeschlagen. Deswegen hab ich ja auch... wenn zum Beispiel auch ein Steiger dir in der Schicht, in der Nachtschicht oder Mittelschicht irgendwie wahllos... es gab ja welche, die konnten eben nicht über den Schatten springen oder konnten nicht mal ein Auge zudrücken, die haben dann den Vierer reingedrückt, dann bist du wieder früh losgerannt hinauf zum Revierleiter, hast gesagt, hier, die Note Vier kommt raus. Das und das und das und das. War ja alles Geld, hing überall das Geld dran. #00:37:25-8#
Astrid Kirchhof: Hat das bei Ihnen oder bei anderen Kollegen zu psychischen Problemen geführt? #00:37:30-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, eigentlich nicht. Bei mir nicht. Bei anderen auch nicht. Die Anderen, das waren ja bloß Befehlsempfänger. Die haben's ausgeführt und wollten Geld verdienen. Und wie gesagt, das alles unfallfrei und in einer guten Qualität. Weil die Qualität und das Unfallfreie... es nützt mir nichts, wenn ich, wenn ich, es nützt mir nichts, wenn ich Monatsende zwar einen Plan von 2000 Kubikmeter raus schrubbe und hab vielleicht zwei Schwerverletzte und hab (unv.) raus. Das A und O ist, heile hineinfahren und heile wieder hinaus. Weil du hast ja auch die Verantwortung für die Frauen dahinter. Dass die Männer leben. Ja, ist! #00:38:02-6#
Astrid Kirchhof: Sie haben vorher auch von dem Steiger gesprochen, was für Berufe gab's denn unter Tage noch? #00:38:10-6#
Hans-Georg Fischer: Du hast, du hast einen Schlosser gehabt. Bereichsschlosser. Elektriker. Dann gab's, dann gab's Dammbaubrigaden, die haben, wie gesagt, diese Dämme gestellt, wenn, wenn wir ausgeerzt hatten, das haben wir nicht selber gemacht, es sei denn, es war mal Not am Mann. Dann Regelhauer, die die, die die Strecken und so weiter alles in Schuss gehalten haben, ne. Und dann hattest du, wie gesagt, Steiger, Revierleiter, Radiometristen, Geologen, und dann, wie gesagt, (unv.) sind noch die Russen dazugekommen. Hauptingenieur auf jedem Schacht und dann in jedem Bereich noch... meistens der Bereichsgeologe war auch Russe. #00:38:52-0#
Astrid Kirchhof: Also die Ingenieure und Geologen waren meistens Russen? #00:38:55-0#
Hans-Georg Fischer: Also es gab Deutsche, aber es war immer noch der Ivan gleichgestellt. Weil es war ja eine Sowjetisch Deutsche Aktiengesellschaft. #00:39:01-8#
Astrid Kirchhof: Hmm. Also bis wann... Ach so, das war ja SDAG, genau. #00:39:05-9#
Hans-Georg Fischer: Am Anfang war es ja bloß SG, SAG. Also Sowjetische Aktiengesellschaft. Und dann wurde es ja irgendwann in den 50er Jahren [1950er] zur SDAG umgewandelt. #00:39:15-6#
Astrid Kirchhof: Das heißt, die Sowjets waren bis 89 [1989] auch da? #00:39:18-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. #00:39:18-6#
Astrid Kirchhof: Immer ein oder zwei... #00:39:19-6#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. #00:39:20-1#
Astrid Kirchhof: Und was macht jetzt ein Steiger genau? #00:39:22-1#
Hans-Georg Fischer: Ein Steiger, das ist sozusagen... der schreibt den Arbeitsauftrag für die Schicht. Was du zu machen hast. Der guckt sich vor Ort an, zum Beispiel, da sind irgendwie Mängel, hier zum Beispiel Arbeitsschutz, hier könnte zum Beispiel ein Bocken runterfallen, das müsst ihr absichern oder das schreibt ihr alles in Arbeit... in Dings ein. Oder sonst was. Oder hier auch Arbeitsschutz-Zeug, wenn hier das oder das fehlt oder hier mal ein, als Beispiel, der Bunkerlader, der fehlen die Sicherheitsketten an, an den, an die Druckschläuche, hier. Und so. Und das schreibt der ein. #00:39:56-0#
Astrid Kirchhof: Aber jetzt Steiger oder Schlosser oder Elektriker, die haben nicht so viel verdient wie Hauer? #00:40:01-0#
Hans-Georg Fischer: Nää. Als Steiger... ich zum Beispiel, wenn ich nach Freiberg gegangen wär und hätte, hätte die sieben Jahre studiert und wäre als Steiger wiedergekommen, hätte als Steiger angefangen und hätte dann mich hocharbeiten müssen, wenn vielleicht mal irgendeiner weggestorben wär auf Deutsch gesagt, zum Revierleiter oder... #00:40:16-4#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. #00:40:17-9#
Hans-Georg Fischer: ...wohin. #00:40:18-7#
Astrid Kirchhof: Und trotz Studium hätte, hat ein Hauer mehr verdient? #00:40:22-5#
Hans-Georg Fischer: Klar, na klar. #00:40:23-7#
Astrid Kirchhof: Weil es so schwere Arbeit war? #00:40:24-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, nicht bloß das. Wir haben die anderen ja alle mit ernährt auf Deutsch gesagt. #00:40:29-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:40:30-1#
Hans-Georg Fischer: Die sind ja alle von uns abhängig gewesen. Wenn wir, wie ich schon gesagt habe, wenn die, wenn die Hauerbrigaden den Schachtplan nicht gebracht haben, da haben sie dann... oder im Bereich ist der Plan nicht, nicht gekommen, dann haben sie, die Steiger oder der Revierleiter, wieder in die Bube gejagt. Sie sollen sich kümmern, dass die Brigaden ihren Plan erhalten. Und der Steiger hat nichts verdient. #00:40:52-6#
Astrid Kirchhof: (Lacht) trotz Studium, ist ja interessant. #00:40:54-4#
Hans-Georg Fischer: Trotz Studium hat er nichts verdient. Steiger waren, in meinen Augen waren Steiger, für mich war ein Steiger ein Arschloch, das war für mich gar keine Ansprechperson (lacht). Ich hab mich nur mit dem Revierleiter unterhalten. #00:41:03-1#
Astrid Kirchhof: Mit dem Revierleiter? #00:41:04-4#
Hans-Georg Fischer: Hm (bejahend). Oder dann mit dem Bereichsobersteiger oder mit dem Bereichsleiter. Und wenn's gar nicht anders ging, dann hast du mal das Telefon genommen und hast ganz oben angerufen. #00:41:12-7#
Astrid Kirchhof: Okay. Sie haben vorhin gesagt, also was zu vermeiden war, sind auf jeden Fall Unfälle. Gab's denn bei Ihnen Unfälle? #00:41:21-0#
Hans-Georg Fischer: Also wir in der Brigade selber hatten keinen tödlichen Unfall. Hatten einen oder zwei Arbeitsunfälle. Aber auch nicht so gravierend, dass da irgendwie ein Körperschaden oder was davon gekommen ist. In der Beziehung muss ich eigentlich sagen, toi, toi, toi, dreimal Holz. Die meisten Arbeitsunfälle sind eigentlich passiert immer vor den Feiertagen. Ostern oder Weihnachten, wenn es mal einen Toten gab, da hing dann immer gleich die, stand unten die große Tafel im Zechenzahleingang. Sämtliche Steigerabteilungen stand im Grunde genommen beim Schachtobersteiger melden. Da hast du schon wieder gewusst, dass was passiert war. Es ist viel passiert, ich sage mal Leichtsinn, Unfähigkeit oder, oder Nachlässigkeit. Es ist auch einiges passiert, wo du nichts dafür konntest. Weil der Berg, in den Berg guckst du ja nicht hinein. Weil du kommst ja immer, nach dem Sprengen immer wieder woanders hin. Der Berg ist... Berg ist Berg. #00:42:22-5#
Astrid Kirchhof: Also bei Ihnen ist sozusagen nichts passiert Schlimmeres, aber Sie haben gehört von Unfällen? #00:42:27-9#
Hans-Georg Fischer: Ja. #00:42:28-5#
Astrid Kirchhof: Und es sind auch manche Leute zu Tode gekommen? #00:42:33-8#
Hans-Georg Fischer: Das war schon krass. #00:42:36-1#
Astrid Kirchhof: Was? #00:42:36-9#
Hans-Georg Fischer: Vor allen Dingen junge Leute. Ich hab, ich hab einen Fall gehabt, Vorfall in Reust, da haben wir, da war ich noch kein Brigadier, da haben wir bei einer anderen Brigade, weil die zu wenig Leute waren, (unv.) Hilfe geleistet. Und da waren zwei Kollegen aus unserer Brigade bei der Brigade. Und auf dem Ort ist ein tödlicher Arbeitsunfall passiert. Der junge Kerl, der dort gestorben ist, das war ein Sprenghauer. Der war eigentlich an einem anderen Ort. Den haben sie dort von dem anderen Ort rüber geholt und der sollte dort die abgebaute Scheibe besetzen und sprengen. Und wo sie das Bohrgezähe weggeräumt haben, ist die Bude zusammengegangen. Und da haben nur seine Gummistiefel rausgeguckt. Da ist er... der Lokfahrer, der hat das dann bloß mitgekriegt, die hat der Lokfahrer bestellt zur bestimmten Zeit. Da sollte der da Masse abziehen und da lag der Sprengstoff vorne noch auf der Rollenschnauze. Und wo er dahintergeguckt hat, hat er die Gummistiefel gesehen. Und da war eine Störung (unv.). Wir haben vorne, haben sie die, die haben immer mal die, die wussten das, die haben gebohrt, haben vorgebohrt, alles in Ordnung. Haben ausgebaut. Und dann ist die Störung irgendwann mal noch, ganz schnell noch, weg. Die Störung, das müssen Sie sich vorstellen, das ist eine Störung zwischen zwei Gesteinsschichten. #00:43:47-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:43:48-5#
Hans-Georg Fischer: Und das ist wie eine Fangfläche. Also, wie wenn ich jetzt hier Brot und Butter, also... und weitergebohrt, weitergebohrt. Und irgendwann haben sie das Bohren eingestellt. Weil sie gesagt haben, die ist weg. Aber die Störung ist dann irgendwann vorne (unv.) zurückgekommen. Durch das, durch die Erschütterung ist dann, ist dieser Keil dann, durch das Bohren, durch das Erschüttern und so weiter, fort und musste dann den Druck von der, von dem Bohrgezähe weggenommen haben, ist dieser Keil runtergekommen. Die hatten ja den Ausbau umgestellt, da waren keine Stempel mehr drunter. Da war unten bloß noch... Holzkarten auf Halteeisen eingebracht als Kopfschutz. Und dann ist die ganze Bude zusammengegangen. Und da geht das dann los. Du hast den KSW vor Ort liegen, der heißt Kombinatsstandort Wismut. Da wird eingetragen Bauabstand, Bohrtiefe, und alles so... da steht dann drinne, ist alles drinne in den KSW, wie du zu bauen hast bei bestimmten Situationen und, und, und. Und den Bauabstand, den steigt... trägt der Steiger oder der Revierleiter ein. Da musst aber du als Hauer gegenzeichnen unten, jede Schicht. Und den haben die kontrolliert. Und wenn der Bauabstand falsch eingewiesen war, da sind dann Köppe gerollt. #00:44:59-8#
Astrid Kirchhof: Die wurden entlassen? #00:45:01-5#
Hans-Georg Fischer: Nee. Meistens umgesetzt. Also seit es, bei einem tödlichen Fall weiß ich's nicht, aber wenn, wenn, wenn geringere Vergehen waren, da wurden die dann umgesetzt oder mit Geld bestraft. Ich hab auch, ich hab auch... da war ich noch in Reust, einen Verweis gekriegt. Einen strengen Verweis. Und hab Geld bezahlt als Sprenghauer. Ich war in der Nachtschicht, hab meine Sprengmittel ordnungsgemäß Schichtende nach dem Sprengen zurückgerechnet in die Kiste. Und hab... da hast du ja, in die Plastiksäcken, da hast du das Zeug hineingehauen, hast es fortgeschleppt und dann am Schluss wieder in den Plastesack wieder zurück, hast es rausgenommen, hast zurückgerechnet. Kiste hat alles gestimmt. Den leeren Sack hab ich hinter die Kiste geschmissen, weil man das immer so macht. Weil dann der Sprengmittelversorger, der den frischen Sprengstoff (unv.), der nimmt den dann mit. Ich war noch nicht zu Hause. Standen sie schon draußen mit dem W1000 bei mir vor der Türe. Mitkommen! Schacht! Kiste hat gestimmt. Da war eine Patrone, die war rausgefallen, die lag noch in dem Sack drinne und lag hinter der Kiste. Und die war frei zugängig. Und irgend so ein Blödmann hat den Sack gebraucht, hat den genommen, wollte irgendwas anderes damit einpacken und findet die Patrone. Da war ich (unv.). Hätte ich den Sack eingeschlossen, hätten sie mir gar nichts gekonnt, weil meine Kiste hat ja gestimmt. Ich hab, so als Beispiel, ich hab zehn Patronen zurückgerechnet und da war in dem Sack, da waren elf. Eine war rausgefallen aus dem angerissenen Paket und die war auch noch drinne. Und die hat der gefunden. Einen strengen Verweis, 300 Mark, Patsch. #00:46:29-4#
Astrid Kirchhof: Weil er unterstellt hat, Sie haben sich das einkassiert oder wie? #00:46:32-7#
Hans-Georg Fischer: Nee! Weil ich, weil ich verstoßen hab gegen die Sprengmittelverordnung. Der Sprengstoff ist verschlossen aufzubewahren. #00:46:38-3#
Astrid Kirchhof: Ach so. #00:46:39-1#
Hans-Georg Fischer: Und das ist in dem Fall nicht passiert, weil die Patrone lose drinne war. Es sind ja Fälle passiert, die haben sich, die haben sich zwei Lehrlinge erwischt, die, die sind meistens Freitag mit dem, mit dem Zug heimgefahren Richtung Küste oder so, wo die hergekommen sind. Und haben besoffen im Zug mit Spreng... mit Sprengstoffpatronen rumge... was da, was da los war. Das war aber nicht bei uns. Die haben, die haben den aus Geikel, die... die haben, der Sprenghauer die Scheibe besetzt und die Stifte, die haben die, die haben die Patronen fertig gemacht, also den Zünder hineingesteckt und haben die denen gereicht. Und der (unv.) schiebt die dann so rein. Und dann haben sie sich mal schnell zwei Patronen einfach so eingesteckt und haben die denen gegreischt und der schiebt die da ins Loch hinein. Da haben sie sich mal schnell zwei Patronen einfach so eingesteckt. Und dann in dem Zug besoffen, im Zug haben sie sie rausgeholt und haben hier... wir sind bei der Wismut, hier guck mal. Was da los war! Da kommt alles. Stasi, alles, ja. War so nicht... bei Sprengstoff hört der Spaß auf (lacht). #00:47:29-5#
Astrid Kirchhof: Hieß der Sprengstoff oder Pyrotechnik? #00:47:31-6#
Hans-Georg Fischer: Sprengstoff. Elektrischer... richtiger Sprengstoff. (unv.) Sprengstoff. (Unv.) Patronen und Ammoniumnitrat. Das Gelumpe, das hier unten hochgegangen ist, wo die zig hundert verreckt sind, mit dem Zeug haben wir gesprengt. Ammoniumnitrat. Du brauchst da bloß einen elektrischen Zünder. Das sind, ist, ist in 25-Kilo-Säcken gekommen, wurde dann mit, in, in, in Druckkessel gefüllt, da vorne hast du einen Schlauch drangehabt und da hast du deine Sprenglöcher befüllt. Vorne kommt die Schlauchpatrone hinein und dann wird's (unv.) draufgeblasen. Und durch den elektrischen Zünder, bumm, geht das hoch. #00:47:59-5#
Astrid Kirchhof: Aber insgesamt haben Sie jetzt selber nicht so viel Verweise oder... #00:48:03-6#
Hans-Georg Fischer: Nee! #00:48:03-9#
Astrid Kirchhof: ...Ärger gekriegt? #00:48:04-1#
Hans-Georg Fischer: Nee, so... nee, das war das Einzige. Das war das Einzige. Ja und dann, wie gesagt, Ärger dann, wo meine Schwiegerleute einen Ausreiseantrag gestellt haben. #00:48:13-3#
Astrid Kirchhof: Ahhh ja, was war da genau? #00:48:16-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, da bist du, bist du bestellt worden. Erst ist mein... von der Frau der Bruder, mein Schwager, abgehauen. Auch mit Ausreiseantrag. Ja, da hat der Schwiegervater gesagt, den kann ich nicht alleine lassen, der war ja auch in der Partei. Den kann ich nicht alleine lassen, da hat er, da war hier Verkehrsbetrieb in Gera, hat das Parteibuch auf den Tisch gelegt und hat einen Ausreiseantrag gehabt. Und wir waren (Telefon klingelt) in Johanngeorgenstadt... #00:48:39-4#
Astrid Kirchhof: Können wir kurz stoppen? (Pause) Vor der Pause waren wir stehengeblieben bei der Frage, dass Ihre... oder bei dem Thema, dass Ihre Schwiegereltern den Ausreiseantrag gestellt haben 1988 und dadurch sind Probleme entstanden für Sie. Vielleicht können Sie da noch mal irgendwas... #00:48:55-6#
Hans-Georg Fischer: Jaa, das ist... das ist ganz normal, davor ist mein Schwager fort mit Ausreiseantrag. Hat der Schwiegervater, er hat sich dann entschlossen 88 [1988] hinterher zu machen, weil er gesagt hat, ich kann meinen Jungen nicht alleine lassen. Der schafft das alleine drüben nicht, obwohl, der war ja nur... und die haben... wir haben uns damals das auf einem Parkplatz, sind gerade aus, aus Johanngeorgenstadt, aus'm, aus'm Urlaub gekommen. Es war schon... von der Wismut aus Ferien... Feriencheck, ja. Und da haben sie einen Zettel in den Briefkasten getan und wir sollten runterkommen. Das war ein Sonntag. Und da haben sie uns dann eben offenbart, dass sie einen Ausreiseantrag gestellt haben. Naja, und da hab ich dann, bin ich dann auf Arbeit ins Kreuzfeuer genommen worden, wieso und weswegen. Ob ich der nächste bin, der da geht. Weil die ja schon alle fort sind. Ich sag, ich hab nicht das Interesse und ich will nicht, ich will hier weiter arbeiten und so weiter und so fort. Da haben sie aber immer wieder gebohrt. Und da hab ich dann zu dem Kunden gesagt, ich sage mal, ich denke, Sippenhaft haben sie nach 45 [1945] bei (unv.) abgeschafft. Und das haben sie mir... bin ich, bin ich dann eben, wie gesagt... Befragung vom Bergamt oder alles war immer bei mir in der Brigade. Und da bin ich dann hinauf zum Schachtparteinik und hab das Buch auf den Tisch gehauen, hab gesagt, wenn sie (unv.) Schluss ist. Könnt ihr euch einen anderen Blöden suchen. Von da an war Ruh'. #00:50:13-7#
Astrid Kirchhof: Wie lange ging das? #00:50:16-1#
Hans-Georg Fischer: Einen Monat, zweie, bestimmt. #00:50:18-4#
Astrid Kirchhof: Und das ist in der Arbeit passiert? #00:50:20-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, ich bin, ich bin, ich bin, ich bin früh auf Arbeit gekommen und da haben sie mich gleich hinauf zitiert. Das ist so. Weil du hast auf jedem Schacht, hast du einen von der Stasi gehabt. Der hieß (unv.) und der musste entscheiden, wenn einer zu Besuch zu seinen Verwandten in den Westen wollte, ob er fahren darf oder nicht. Und ein Hauerbrigadier oder so, haben sie dann nicht gelassen. Meistens nicht. #00:50:48-3#
Astrid Kirchhof: Und die Angst war, dass sie auch rübergehen wollen? #00:50:50-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. #00:50:51-1#
Astrid Kirchhof: Das war die Angst? #00:50:51-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, hmm. Das haben die gedacht, ja ich gehe rüber. War ja nur alle 14... du bist ja, du bist ja sozusagen, du bist ja gewisser Geheimnisträger, du darfst ja nicht. Du durftest unter Tage, durftest du nicht fotografieren, war verboten. Und dann, wie gesagt, alles andere, das war ja, da bist du zwar nicht rangekommen, aber alles, was da, Listen mit Erzgehalt, Lagerstätte und Pipapo, das lag ja alles, das war ja alles Geheime Verschlusssache, ja, das... #00:51:20-0#
Astrid Kirchhof: Weil's Material für die Atombombe in der Sowjetunion...? #00:51:23-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, das war, war ne, war... (unv) und, und, und, und, und, und die Amis, die brachten, die wollten ja auch wissen, wieviel hier noch hier liegt und wieviel die hier rausholen und was der Erzgehalt ist und so weiter und so fort. Das ist ja ganz normal gewesen. #00:51:35-5#
Astrid Kirchhof: Also diese Befragung durch die... #00:51:37-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, die ging zwei Stunden und dann hab ich gesagt, Schluss aus, dann bin ich halt eingefahren und... #00:51:42-8#
Anna-Katharina Pelkner: Jetzt höre ich gerade nichts, Entschuldigung, warum? Der Ton ist weg (Pause) Könnt ihr weiter machen. #00:51:48-6#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:51:50-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, wir haben... das war ja, das war ja, das weiß ja jeder, dass wir das Zeug rausgeholt haben. Nicht für Kernkraftwerke, sondern für Atombomben. #00:51:57-3#
Astrid Kirchhof: Atombomben, ja. #00:51:56-8#
Hans-Georg Fischer: War doch normal (Telefon klingelt). #00:51:58-5#
Anna-Katharina Pelkner: Entschuldigung! #00:51:59-9#
Judith Schein: Kein Problem #00:52:01-2#
Hans-Georg Fischer: Die wollten, die wollten, #00:52:02-3#
Astrid Kirchhof: Wir müssen hier kurz... #00:52:03-1#
Hans-Georg Fischer: ...die wollten das Atommonopol brechen und, und wie gesagt, die haben ja gewusst, dass das Zeug da liegt. Die, die, ich sag ja, die Deutschen haben ja schon Versuche gemacht. #00:52:14-0#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:52:14-6# #00:52:14-5#
Hans-Georg Fischer: Und, und, ja. Der Russen ihr Glück war eben bloß, dass die 44 [1944] in Jalta schon beschlossen haben, wie das hier aufgeteilt wird. Die haben genau gewusst, wo was ist. Deswegen haben die ja auch gleich 45 [1945] angefangen, hier nach dem Zeug zu suchen. #00:52:27-6#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. Sie haben vorher mal zu mir gesagt, von der Wismut kann man vom Staat im Staat sprechen. Was verbinden Sie denn konkret mit diesem Ausspruch? #00:52:39-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, die Wismut war, die Wismut war, sagen wir mal, ein Staat für sich. Da konnte kein anderer, also da, konnte da irgendwie (unv.), das ist... wir hatten eine eigene Polizei. Wir hatten, wir hatten einen eigenen, wir hatten eine eigene, sag schon, Gesundheitswesen. Eigenen Kraftverkehr. Bahn. Versorgung. Geschäfte. Ja, kann man schon sagen, ja, wie zum Beispiel, Wartezeit auf's Auto, ne, und so weiter und so fort. Wo du draußen, wo du draußen 15 Jahre gewartet hast, hast du bei der Wismut sechs oder sieben Jahre schon ein Auto gehabt. Ja, und wie gesagt. Es gab eben alles. Mehr, also alles nicht, aber mehr als wie draußen. #00:53:29-2#
Astrid Kirchhof: Also... #00:53:30-3#
Hans-Georg Fischer: Ich hab mir zum Beispiel, mein erstes Spulentonband hier, in, in, in, in, in Gera beim Platz war der Wismut-Laden, das hab ich mir da drinne gekauft für über 1000... war eben B100 aus, von der Tschechei, für über, für über 1000 Mark. Da hast du draußen gar keins gekriegt, die gab's draußen auch gar nicht. Den ersten Farbfernseher, solche gab's ja für Sechseinhalbtausend Mark. Wenn man sich das überlegt. Ja, wenn du das Geld nicht gehabt hättest, hättest du es nicht gekonnt, ne. Das ist die andere Seite. #00:53:57-1#
Astrid Kirchhof: Und vorher haben Sie oder Ihre Frau mir erzählt, dass, weil ich das auch nicht ganz kapiert hatte, dass bestimmte Läden zum Beispiel in der Stadt, die waren in der Stadt... #00:54:07-1#
Hans-Georg Fischer: Ein Wismut-Laden! #00:54:07-8#
Astrid Kirchhof: ...aber da wusste man, dass es... #00:54:08-9#
Hans-Georg Fischer: ...war nur für Wismut-Angehörige. #00:54:11-2#
Astrid Kirchhof: Hat man da seinen Ausweis gezeigt, oder? #00:54:13-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Das war ja, das war ja so gedacht, das ging ja eigentlich los nach 45 [1945], wo es noch Lebensmittelkarten gab, Kleiderkarten, Kleiderkarten und sonst so so Zeug, die Bergarbeiter, die sind, die haben dort ihr Zeug gekriegt. Wo es draußen nichts gab. Die haben dort ihr Gelumpe gekriegt. Und sie sind gut verpflegt worden eben auch ihre Klamotten-mäßig, und, und, und. Da ist das draus entstanden, das hat sich dann immer weiter fortgesetzt. #00:54:38-3#
Astrid Kirchhof: Und in den Läden gab's auch mehr Produkte als in anderen? #00:54:42-1#
Hans-Georg Fischer: Ja, auf alle Fälle. Wie wir vorhin schon gesagt haben, ich hab eben auf dem Schacht die Bananen gekriegt. Die du draußen nicht gekriegt hast. #00:54:48-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:54:49-3#
Hans-Georg Fischer: Das... oder, wie gesagt, der billige Schnaps für eine Mark zwölfe (lacht). #00:54:55-2#
Astrid Kirchhof: Eine Mark zwölf? (Lacht) #00:54:56-6#
Hans-Georg Fischer: Eine Mark zwölf die Flasche. Bei Planerfüllung sechs Liter. #00:55:02-9#
Astrid Kirchhof: Gab's aber auch Schnäpse umsonst? Also als Geschenk... #00:55:05-7#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee, jaa, was heißt Geschenke? Wenn da jetzt mal irgendeiner Jubiläum hatte oder was oder so, aber den Fusel, den hast du ja, größtenteils hast du ihn ja genommen und hast damit gehandelt. Weil so eine Flasche Fusel war wie 50 Mark West. #00:55:18-6#
Astrid Kirchhof: Ach so? #00:55:19-8#
Hans-Georg Fischer: Na klar. Wenn ich, wenn ich zum Beispiel mit'm Auto in die Werkstatt gefahren bin und brauchte das und das, dann haben die gesagt, haben wir nicht. Und da hat die zwei Flaschen Fusel hinten drinne liegen sehen, da hat er gesagt, ja, du kannst morgen wiederkommen. Es war so, war so. #00:55:30-0#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #00:55:32-1#
Hans-Georg Fischer: Und, wie gesagt, du hast den Schnaps ja als Brigadier auch gebraucht. Deine Leute haben ja jeder sechs Liter gekriegt, ja. Bei Planerfüllung, wenn sie voll da waren, wenn sie keinen Urlaub hatten. Wenn sie Urlaub hatten, haben sie weniger gekriegt. Sechs Liter sind aber acht Flaschen und 600 Gramm. #00:55:46-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #00:55:47-4#
Hans-Georg Fischer: Und was drüber war, hast du als Brigadier weggenommen. Du hast... du musst, du musst ja den Schnaps morgen austeilen. Musst ich auch machen. Hat seine sechs Liter gekriegt, seine acht Flaschen. Den Rest hab ich behalten. Und das wurde dann summa summarum mit verwertet. Da hab ich zum Beispiel Monatsende dem (unv.)hauer gesagt, wenn der ausgemessen hat, wieviel Kubik du hast, das haben die ja oft gemessen Monatsende. Und da drauf hast du ja auch dein Geld gekriegt. Hab ich zu dem gesagt, hier, guck mal hier, hast du eine Flasche Schnaps, wir müssen ein bisschen was drehen. Entweder was dazu machen oder was wegnehmen oder was aufheben. Konntest du ja machen. Ich hab ja, sagen wir mal, 2000 Plan gehabt und hab 2700 raus, hab gesagt, nächsten Monat weiß ich genau, da läuft's nicht ganz so gut, da heb ich mir 200 Kubikmeter für den nächsten Monat auf. Also hab ich nur bis 2500 ab. Und das musste ich ja mit dem (unv.) absprechen. Der hat dafür eine Flasche Schnaps gekriegt, dann ist das alles gelaufen. Oder ich hab die Lokfahrer geschmiert. Ich hab gesagt, bei denen ziehst du heute keine Rolle. Hier hast du zwei mal 700 Gramm, und die Zeit bist du unten und ziehst die Rollen leer, weil ich die Rollen leer brauch, dass ich die Massen hinein bringe. So ist das gelaufen oder bei der (unv.) oder sonst was. Hmm, für nicht wird nicht (lacht). Und wenn, wenn, wenn du, wenn du das nicht wolltest und, und ein, ein Zahnrad greift nicht in das andere, dann, dann läuft's vor Ort nicht und dann kannst du kein Geld verdienen. #00:56:59-6#
Astrid Kirchhof: Aber den Schnaps haben Sie aus Ihrem eigenen Geld gekauft, um dann...? #00:57:02-9#
Hans-Georg Fischer: Nein! Nein. Wir haben die Marken gekriegt. Die Marken, das waren Schnapsmarken. Also die Lehrlinge haben Schokoladenmarken gekriegt. #00:57:09-2#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #00:57:10-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, ist kein Witz, Schokoladenmarken. Das waren soundsoviel Marken, da hast du für eine Marke eine Tafel Schokolade gekriegt. Und dann hast du die Marken, hast du ausgeteilt und dann bist du wieder in den Laden von der Wismut und da wurde der Schnaps ausgegeben. Da hast du denen die Marken hingetan und dann hast du sie bezahlt. Pro Flasche eine Mark zwölfe und dann hast du den Schnaps gekriegt. #00:57:27-6#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:57:28-3#
Hans-Georg Fischer: Und wenn du... manche, die haben ja gesammelt, wir sind immer nach der Spätschicht heimgefahren mit dem Auto, mit dem Trabbi. Und der war ja eingeschweißt, acht Flaschen. Und waren unten im (unv.) an der Tankstelle, die gibt's jetzt nicht mehr, tanken. Und mein Kollege, der hat schon drinne einen gedudelt, ja, nach der Mittelschicht, und mein Kollege, der gefahren ist, nicht. Und der hat hinten noch einen, einen Reservekanister mit rausgeholt und wollte den mit vollmachen lassen. Da ist der Tankwart bald in Ohnmacht gefallen. Da hatten wir zehn Pakete Fusel hinten drinne stehen: Ey, ihr habt wohl irgendwo eingebrochen, wo habt ihr denn den Schnaps her? (Lacht) #00:58:03-6#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #00:58:04-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, manche haben ja gesammelt. Manche haben auch, wie gesagt, ist viel verwendet worden. Manche haben in den Trabbi in die Scheibenwaschanlage gekippt im Winter. Damit die Scheibe frei waren, werden, weil es nichts gab, kein Scheibenauftaumittel, nicht. #00:58:17-7#
Astrid Kirchhof: Also in den Schichten durfte man auch was trinken? #00:58:21-5#
Hans-Georg Fischer: Keinen Alkohol. #00:58:22-1#
Astrid Kirchhof: Keinen? #00:58:22-7#
Hans-Georg Fischer: War verboten. #00:58:23-1#
Astrid Kirchhof: Aber in den Pausen? #00:58:24-0#
Hans-Georg Fischer: Auch nicht. #00:58:24-6#
Astrid Kirchhof: Auch nicht. #00:58:25-4#
Hans-Georg Fischer: Alkohol war generell verboten. Wenn sie dich da erwischt hätten, wärst du sofort ausgefahren. #00:58:30-1#
Astrid Kirchhof: Okay. #00:58:31-3#
Hans-Georg Fischer: Konntest du dir nicht erlauben. Auch wenn du jetzt, angenommen, du hättest einen Unfall gehabt oder was und hättest Alkohol drinne gehabt. Na, das geht ja dann nicht nur um die Bezahlerei und alles und... #00:58:38-4#
Astrid Kirchhof: Okay. Gehen wir mal zum Jahr 89 [1989] oder kurz davor. Wie hat sich das dann, also, angekündigt im Betrieb? Oder haben Sie davon was mitgekriegt, dass es jetzt bald soweit ist? #00:58:50-2#
Hans-Georg Fischer: Also wir haben, wir haben im Betrieb immer volle Pulle gearbeitet. Wir haben... ich bin... bin im Juli 89 [1989] noch mal bestes Kollektiv geworden im sozialistischen Wettbewerb. 2300 Kubikmeter Plan. 150 Kubikmeter selber verpflichtet und rausgeputzt 2700. #00:59:18-6#
Astrid Kirchhof: 2700... #00:59:20-3#
Hans-Georg Fischer: Erreicht. #00:59:21-6#
Astrid Kirchhof: Erreicht. #00:59:22-5#
Hans-Georg Fischer: Das war Plan. Das haben wir uns verpflichtet zusätzlich zum Plan. #00:59:25-3#
Astrid Kirchhof: Ach so, okay. #00:59:26-4#
Hans-Georg Fischer: Und das haben wir erreicht. Haben wir den ersten Platz im Wettbewerb gemacht. Im Juli 87 [1987], ähh 89 [1989]. Und da ist, also wie gesagt, wir haben eigentlich bis zum Schluss noch voll geschrubbt. Es ging dann los, wir hatten dann immer, war immer, Montagfrüh war immer Montagsinformation. Und da wurde dann schon erzählt, ja, mit den Demonstrationen, Leipzig, Pipapo und so weiter und so fort. Aber uns selber in der Brigade, hat sich eigentlich keiner oder so einen Kopf gemacht. Wir haben ja immer noch gesehen, wir produzieren noch voll. Es war ja noch gar nicht absehbar, dass die Wismut überhaupt Schluss ist oder sonst was. Wir wollten ja Geld verdienen, ja. Und dann hast du ja, Ach so! (Unv.), die haben sich dann hingestellt, die gab's auch. Die haben gesagt, ja, da machen wir mit den Kampfgruppen hin und holen wir die Kalaschnikow raus und stellen sie alle an die Wand, solche gab's auch. Solche 200 Prozent Überzeugten. #01:00:12-8#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:00:13-4#
Hans-Georg Fischer: Aber sonst haben wir eigentlich bis... ja dann, wo dann die Grenze auf war, dann im November hier dann, ist schon ganz schön (unv.). #01:00:21-5#
Astrid Kirchhof: Wir haben... #01:00:22-1#
Hans-Georg Fischer: Und dann hat's sich dann auch schon abgezeichnet. #01:00:24-0#
Astrid Kirchhof: Ich hab gelesen, aber vielleicht stimmt das ja gar nicht, dass eigentlich die Uranproduktion, oder der Abbau in den 80er Jahren [1980er] langsam ab... also eingestellt wurde? #01:00:34-1#
Hans-Georg Fischer: Die, die Uranproduktion, also wie gesagt, ist in den 80er Jahren [1980er], sollte zurückgefahren werden. Und zwar sollte der Bergbaubetrieb Ernst Thälmann, das ist Beerwalde bei Drosen, das sollte umfunktioniert werden in Nahrungsmittelproduktion, NAGEMA. Die Leute... und wir hätten, wir hätten vom Bergbaubetrieb Drosen aus die untersten Sohlen, minus 45 bis 27, mit abgebaut. Das wär, bei Drosen wäre der letzte Schacht gewesen bis... auch hier, die Ronneburger Lagerstätten, hier was Reust, Schmirchau, und, und so weiter waren, die waren schon fast ausgeerzt. #01:01:09-6#
Astrid Kirchhof: Aber da, wo Sie gearbeitet haben... #01:01:11-5#
Hans-Georg Fischer: Drosen ist, Drosen hätte... #01:01:12-5#
Astrid Kirchhof: Drosen. #01:01:12-8#
Hans-Georg Fischer: ...Drosen hat, hätte noch voll produziert bis jetzt. Und wäre jetzt zurückgefahren worden und in die Sanierung gegangen. Als ich... #01:01:21-2#
Astrid Kirchhof: 2020 erst? #01:01:22-7#
Hans-Georg Fischer: Als (unv.) Betrieb, ja. Weil Drosen war ja, war ja gerade angefangen. #01:01:26-8#
Astrid Kirchhof: Ach so, Ach so, okay. #01:01:28-2#
Hans-Georg Fischer: Wir haben ja, wir haben ja, die haben ja damals 1900 und in die 80er Jahre [1980er], zu Ehren irgendeinen Parteitag oder was, sind die in die Produktion gegangen. Schon vor (unv.). Und da war die... klar, das war ja alles erst erschlossen. #01:01:39-4#
Astrid Kirchhof: Ach so, okay, verstehe. #01:01:40-3#
Hans-Georg Fischer: Ja, da war ja nicht irgendwann, da haben die anderen, die anderen haben ja schon 40 Jahre abgebaut auf Deutsch gesagt, ja. #01:01:43-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:01:44-4#
Hans-Georg Fischer: Ne, und in Drosen ging, ist es ja erst losgegangen. Und da lag ja das Erz noch, was man rausholte. Und dann wäre Schluss gewesen. Da wär die erst... dann wär jetzt um die Zeit jetzt die Sanierung gekommen irgendwie um Drosen. Und dann wäre die Erde, die Lagerstätte ausgebeutet gewesen. #01:01:55-5#
Astrid Kirchhof: Das verstehe ich. Wie war denn da, wie war denn das für Sie oder Ihre Kollegen oder Ihre Familie, dass Sie gemerkt haben, Mensch, die demonstrieren hier alle, da ist was im Busch? #01:02:05-1#
Hans-Georg Fischer: Ja, das ist... mir, mir konnten durch die Schichtarbeiterei und so weiter vor 89 [1989] und so weiter, da bist du gar nicht erst mal dazu gekommen. Du hast ja am Anfang immer noch deine Familie gesehen, auf einer Seite das Geld, du musstest, das musste ja weitergehen, musstest ja Geld verdienen. Es ist ja... musst ja rund um die Uhr alles weiter bezahlen und so weiter und so fort, ne. Es ist dann eigentlich dann, sagen wir mal, halt so Oktober, ja, nach dem Republikgeburtstag, dann haben so alle angehört, angefangen zu hinterfragen, was wird nun und, und, und. Was wird mit uns und so weiter und so fort. Und dann ist ja dann 90 [1990] im Januar die Sanierung eingeleitet worden. Da haben wir noch ein Jahr lang Sanierungsabbau gemacht. Da ist das Erz noch rausgeholt worden. Dort unter den Ecken, wo dann voll verfüllt werden musste mit Beton. Weil über Tage bestimmte Einrichtungen dort waren. Und dann im... Anfang Dezember oder wann 1990 ist der letzte Hunt mit Erz raus. Und dann war Schluss. Das ist aber in 1990, ist diese, diese Welle der Umsetzung schon gelaufen. Die Brigaden, es gab Brigaden, die sind früh aus der Nacht, also früh aus der Nachtschicht rausgekommen. Und sind am nächsten Tag nicht mehr eingefahren. #01:03:19-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:03:20-0#
Hans-Georg Fischer: Die sind dann, sind dann in die Umschulung gegangen oder manche haben auch aufgehört. Die haben die Abfindung genommen und sind gegangen. Es gab ja horrende Abfindungen. #01:03:27-7#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:03:28-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, vor allem die jungen Kerle, die haben das Geld gesehen. Ne, wenn ich, wenn ich 50.000 Mark Abfindung bekomme, und dann war die Wende, ruckzuck hab ich mir Auto gekauft und das Geld war weg, ne (lacht). #01:03:37-2#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #01:03:38-3#
Hans-Georg Fischer: Nee, aber... und dann ging das eben los. Da wurde Schritt für Schritt, Monat für Monat, auch meine Brigade ist immer kleiner geworden, immer kleiner geworden. Und dann war Dezember, war Schluss. Da war ich dann der Letzte. #01:03:48-5#
Astrid Kirchhof: Also bevor wir jetzt gleich noch mal dazu kommen, das heißt, das ist jetzt da so einen Systemumschwung geben würde, das war gar nicht so vordergründig, sondern...? #01:03:55-6#
Hans-Georg Fischer: Jaa, das ist, das ist, ich fand das so, vielleicht ist das bei der Wismut auch ein bisschen unterdrückt worden. Nicht wie in anderen Betrieben. Weil ich meine, wir haben ja immer noch, haben ja gutes Geld verdient. Bei uns war, stand eigentlich immer das Geld im Vordergrund, wenn du es so nimmst. Hast du dich eigentlich... für wen, für wen das scheiß Uran war auf Deutsch gesagt, hat mich auch nicht interessiert. Ich hab mich halt interessiert, was immer letztendlich auf den Lohnzettel steht. Das war ja das, ja. Es war mir bewusst, dass das (unv.) untergeht. Wir haben auch teilweise gewusst, wo der Arbeits... also, was du da eben inhalierst oder sonst was. Auch wenn viele sich hinstellen und sagen, nee, das haben wir nicht gewusst! Oder fangen an, fangen jetzt an zu klagen. Es hat jeder gewusst! Das kann man mir nicht erzählen. Wo wir, was, was bei der Wismut abgebaut wird und Uran strahlt nun einmal, ja. Weil es gibt ja welche, die haben ja, die waren zehn Jahre als Schlosser bei der Wismut und jetzt wollen sie klagen hier, auf Berufskrankheit, ja. Das begreife ich nicht. #01:04:44-9#
Astrid Kirchhof: Also der Mauerfall war gar nicht das große Problem, sondern mehr, was wird mit mir und... #01:04:50-3#
Hans-Georg Fischer: Ja! #01:04:50-4#
Astrid Kirchhof: ...mit meiner Familie, was ist mit meiner...? #01:04:50-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, mit meiner Familie, mit meiner Brigade, wie geht's weiter. Hmm. #01:04:53-2#
Astrid Kirchhof: Okay. Okay, gut. Und dann, also 89 [1989], 90 [1990], begann die Sanierung, haben Sie gesagt, im Januar. Und wie ging's jetzt genau weiter mit Ihrer Brigade? Also... #01:05:02-7#
Hans-Georg Fischer: Die Brigade wurde bis Ende 90 [1990], wurde die aufgelöst. Also ich war 1990 im Dezember der Letzte. So. Und ich hatte eigentlich auch schon den, den Zettel, ja, da war ich gerade 30. Ich war einer der Jüngsten mit. Die ganzen Alten, die haben sie noch gehalten, weil die wurde, denen wollten sie noch ermöglichen, dass sie ihre unter-Tage-Jahre noch voll kriegten, diese 25. #01:05:21-6#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:05:22-2#
Hans-Georg Fischer: Und nicht ein Jahr fehlt oder zweie. Und da haben sie gesagt, die Jungen, die haben noch nicht so viele Jahre, die müssen gehen hier. Und da habe ich schon meinen Laufzettel in der Hand gehabt. Da ist mein ehemaliger Bereichsleiter gekommen und hat gesagt, ey, du bleibst da, du gehst nicht. Hat er den Laufzettel zerrissen, ich sag, wieso? Erstens brauchen wir noch gute Leute, die sich auskennen bei der Sanierung unter Tage, Pipapo. Zweitens bist du noch jung. Die Berufsgrubenwehr in Ronneburg haben sie aufgelöst, du gehst ab sofort zur Ausbildung bei der Grubenwehr. Und gehst, wirst Mitglied der Grubenwehr. Weil laut Berggesetz ist vorgeschrieben, bei soundsoviel unter Tage Beschäftigten hast du soundsoviel Leute, in der, in der Grubenwehr zu halten. Die muss da sein wegen der Rettung. Und weil's im Westen keine berufliche Grubenwehr gibt, weil die das auch alles freiwillig machen und Ausbildung während der Arbeitszeit und nach der Arbeitszeit und nicht wie die berufliche, die in Ronneburg saß hier und hat bloß gewartet, wenn was passiert. Und hat dort die Arbeitspläne gemacht. Da sind viele, die haben's aufgelöst und da sind nun viele auch junge Kerle, so 'ne gewesen, die haben das gleich gesehen, sie sind abgehauen. Und da war die Grubenwehr, die berufliche, mit einem Schlag Geschichte, aber im Endeffekt, die unter-Tage-Sanierung stand noch an, und du hast keine Grubenwehr mehr gehabt. Du hast zwar auf jedem Schacht eine freiwillige Grubenwehr gehabt, aber da waren auch viele junge Kerle, die gegangen sind. Und da haben sie nun aus den ganzen Schächten noch Leute rausgesucht, die jung waren, relativ jung von der Ausbildung und haben die in die Grubenwehr gesteckt. Dass du wieder eine fähige Grubenwehr hast. Und das hat sich bewertet, das kann ich Ihnen zeigen, stopp. Wo hab ich's? 1998, da waren wir ganz groß im Fernsehen und in der BILD-Zeitung. Da hab ich den schwersten Einsatz bei der Grubenwehr meines Lebens gemacht. Da ist... im, im, im... im Erzgebirge, ein Mineraliensucher unter Tage verunglückt und gestorben. Und der hatte zwei Studenten mit drinne. Aus, aus, aus der Bergakademie Freiberg. Und der Kunde, der lag sieben Kilometer unterm Berg. Das, wo hier hinten ist die Strecke drauf, die wir damals unter Tage gelaufen sind, hier. #01:07:33-6#
Astrid Kirchhof: Das war die Strecke... #01:07:34-8#
Hans-Georg Fischer: Der, und der ist, der ist dort unter Tage, wollten die, die haben Mineralien gesucht. Obwohl das eigentlich verboten ist. Und da ist der unter Tage abgestürzt, 50 Meter, einen Schacht hinunter. Und lag da unten, hatte sich das Genick gebrochen. Und die zwei, die zwei Lehrlinge, die zwei Studenten sind da drinne rumgeirrt. Haben dann raus gefunden und sind auch bei so einem, das ist so ein Verein gewesen, Mineralienfreunde und so weiter und so fort. Haben denen das gesagt, wo der liegt und die wollten den bergen. Und die haben das nicht geschafft. Da haben sie sich an die Wismut gewandt. Das weiß ich noch wie heute. Meine Frau hatte Geburtstag, war ein Sonnabend. Ich hatte Bereitschaft, wir hatten ja alle einen Piepser daheeme. Dann hatten, es war in der Bereitschaft, dann ging der Piepser los. Und sofort auf den Schacht, dann sagen sie, naja, wird nichts Schlimmes sein. Das (unv.) angerufen. Ja, ihr müsst euch aufm Schacht melden, da ist irgendwas, aber ihr seid... Stunde, zwei, seid ihr wieder daheeme. Nichts mitgenommen. Kein Essen, nichts, ne. Und auf den Schacht gekommen, ja wir fahren Erzgebirge. Einsatz. Da hat der Staatsanwalt hat dort halt beschlossen, der Tote muss raus. Der Tote, wo der abgestürzt war, war über Tage der Schacht war verbohrt mit Beton. Das war ein alter Silbererzbergbauschacht. Da sind sie nicht hinein gekommen. Und da hatten die sieben Kilometer entfernt so ein Mundloch, Bergbautraditionsverein wieder gangbar gemacht, die ersten 20 Meter mit Türe dran und so weiter und so fort. Sind wir dort hinein. Erst waren die Auer drinne. Wir hatten ja, Grubenwehr Aue war als erstes dort. Die haben's alleine nicht geschafft. Die haben dann uns angefordert, weil sie körperlich kaputt waren. Die haben die Vorerkundung gemacht. Dann haben sie uns geholt. Dann sind wir dort hinauf. Und da war ich vom Sonnabendabend um zehne, Montag früh um zweie war ich wieder zu Hause. Haben wir den rausgeholt. Da waren mir alleine zwölf Stunden in dem Schacht. (Unv.), das war alte, altes, altes Silbererzgänge. Ja, hier, hier so, konnteste manche Erz, konntest du bloß so weit laufen. Rechts ging's 20 Meter hinunter. Dann mancherorts das Wasser so bis hierher. Da haben wir die ganze Ausrüstung hineingeschleppt. Haben uns dann da drinne an dem Schacht abgeseilt. Ein Kollege von uns hat die Auer, die da unten schon waren und den Toten bis an den Schacht ran geschleppt haben, haben wir die hochgezerrt. 50 Meter mit der Hand. Ein Schleifkorb und dann die anderen dreie. Weil die waren ja fix und alle, wo die die unten ran geschleppt haben. Und dann das ganze Gelumpe, wie es war, konnten wir ja nicht mehr, die ganze Ausrüstung, haben wir alles kleingehackt, da haben wir's drinne gelassen. Weil und dann haben wir den rausgeschleppt. Auf dem Schleifkorb. Mit Tüte über'n Kopp, zugebunden, damit du den nicht angucken musstest, weil der war, war hier blau, Schädelbasisbruch, Genick gebrochen, hier ist das Blut rausgelaufen. War ja schon steif. Dem haben sie dann die Hände gebrochen und haben sie vorne auf den Schleifkorb zusammengebunden. Ging aber nicht mehr anders. Und dann hast du den rausgeschleppt. Mancherorts, der war... das war ein Bulle. Der hat bestimmt, sagen wir mal 100 Kilo hat der bestimmt gehabt. Und mit dem Schleifkorb raus, durch das Wasser und dann unten, wenn der gelebt hätte, der hätte es nicht überlebt, wenn wir den da rausgeholt hätten. (Unv.) froh sein, dass er tot war. Haben wir den rausgeschleift und draußen standen sie, Fernsehen, hier alle, Sat 1, das war ganz groß, waren wir alle im Fernsehen. Meine Schwiegermutter hatte angerufen bei der Frau, ey, dein Mann ist im Fernsehen, da ist irgendwo was passiert! #01:11:00-3#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #01:11:01-3#
Hans-Georg Fischer: Ja. Und da haben wir den hier ran, aber kurz vor dem Mundloch, wir haben ihn nicht ganz da raus. Da haben wir, sind sie dann mit dem zwei vom, vom Beerdigungsinstitut mit dem Blechsarg hinein. Haben den dann da rein und raus. Und dann bist du, nun, du musst bestimmt mal zumachen hier. #01:11:17-9#
Astrid Kirchhof: Ja. #01:11:18-5#
Hans-Georg Fischer: Da, was hast du gekriegt vom Betriebsdirektor? Ein Händeschütteln und Dankeschön. Der Einsatz mit allem Drum und Dran, da war ja, Feuerwehr hat ausgeleuchtet, die Armee war da, die hat ja auf den ersten drei Kilometern, haben sie das Telefon mitgezogen und dann ging's nicht weiter. Hat über 300.000 Mark gekostet. Den sollte die Frau von dem Toten bezahlen. Und da hat die Wismut noch mal gesagt, wir verzichten drauf. Konnte die gar nicht bezahlen. Hmm. Das war, das war eins der Schlimmsten. Deswegen wollte ich, bin ich ja (unv.) #01:11:54-5#
Astrid Kirchhof: Also Sie waren, sagen Sie noch mal, die ganze Zeit dann nach 1990 für die Grubenwehr tätig? #01:12:00-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. #01:12:00-6#
Astrid Kirchhof: Immer? #01:12:01-1#
Hans-Georg Fischer: Immer. #01:12:01-4#
Astrid Kirchhof: Bis wann? #01:12:02-5#
Hans-Georg Fischer: Bis ich 50 geworden bin. Mit 50 scheidest du automatisch aus der Grubenwehr aus, weil du dann geräteuntauglich bist. Weil wir haben ja, wir haben ja ein Atemschutzgerät auf'm Rücken. Das wiegt bei uns 20 Kilo mit Maske. Und das ist nicht wie der der Feuerwehr bloß hier so eine Flasche und ein bissl Sauerstoff. Das ist ein richtiges Atemschutzgerät, wo du überall hinein kannst. Bei jedem Gas. Ja. #01:12:26-3#
Astrid Kirchhof: Das heißt, Sie haben 20 Jahre gearbeitet als Grubenwehrmann? #01:12:32-1#
Hans-Georg Fischer: Mitglied. #01:12:32-6#
Astrid Kirchhof: Mitglied. #01:12:33-3#
Hans-Georg Fischer: Ich hab jeden, ich hab jeden Monat meine Übungen gemacht. #01:12:35-6#
Astrid Kirchhof: Was, Übungen? #01:12:36-7#
Hans-Georg Fischer: Ja, Grubenwehrübungen. Du musst, wirst ja immer wieder geschult. Da, zum Beispiel eine Übung dauert entweder zwei Stunden oder vier Stunden. Vier Stunden ist eine Langstreckenübung. Hitzetest ist dabei. Da wirst du in eine Kammer gesperrt mit 98 Prozent Luftfeuchtigkeit und, und, und, und, und Wärme. Und dann machst du drinne noch diesen hier. Also Belastungen. Wirst dann aber immer gecheckt, zwischendurch raus, ob auch alles, nicht, dass du drinnen umfällst oder was. Dass du noch tauglich bist, ja. #01:13:02-4#
Astrid Kirchhof: Das heißt, als Hauer haben Sie im Grunde viel kürzere Zeit gearbeitet als als Grubenwehrmitglied? #01:13:09-9#
Hans-Georg Fischer: Ja nun, als Hauer hab ich gearbeitet bis, bis dort irgendeiner, bis... Hauer nicht, also Sanierer dann, war ja noch unter Tage bis 2000. #01:13:16-2#
Astrid Kirchhof: Nee, ich meinte jetzt... #01:13:17-7#
Hans-Georg Fischer: Als Hauer, als direkt Hauerbrigadier bis 1989. #01:13:20-6#
Astrid Kirchhof: Genau, das... #01:13:21-3#
Hans-Georg Fischer: Und dann ab 1990 in der Sanierung unter Tage bis 2000. #01:13:25-1#
Astrid Kirchhof: Bis 2000. Also auch noch mal zehn Jahre. Aber da waren Sie doch erst 40 dann? #01:13:30-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, aber die Grubenwehr ist bis 50. Die Grubenwehr ist ja weitergelaufen, weil bei uns im, im, im Thüringer Raum war ja die Sanierung schon Schluss unter Tage. Aber in Aue und, und Königstein ist ja unter Tage noch saniert worden. Und da, da musste ja auch die Grubenwehr hin. Wir sind dann als Gesamtgrubenwehr zusammengelegt worden. Wenn was war, weil die Grubenwehr dort auch weniger Leute wurden. Als Gesamtgrubenwehr, dass, wenn dort drüben was passiert ist, dass man dort die Leute rausholen können. Deswegen sind wir noch Grubenwehr geblieben bis... eben bis 2000, also bis ich 50 geworden bin. #01:13:59-3#
Astrid Kirchhof: 2000... irgendwie krieg... Sie sind 1961 geboren, dann sind Sie doch 2000 bloß 40, oder? Was kriege ich jetzt gerade...? #01:14:05-8#
Hans-Georg Fischer: Ja! Und bis 2010. 2010, da haben wir ja noch die Grubenwehr gehabt. Als ich, bis ich 50 geworden bin. #01:14:10-3#
Astrid Kirchhof: Bis 2010. #01:14:11-1#
Hans-Georg Fischer: Ja. 2000 ging unter Tage Sanierung in, in, in Thüringen und bis 2010 war ich in der Grubenwehr, da bin ich dann 50 geworden. Da musste ich ausscheiden. #01:14:18-1#
Astrid Kirchhof: Okay. Und das wussten Sie aber vorher? #01:14:20-0#
Hans-Georg Fischer: Das wusste, das ist vorher so festgelegt. Jetzt sind sie so weit, dass sie das Alter schon hochgesetzt haben, weil sie keine Leute mehr haben. Weil ja, weil ja immer noch in Aue, immer noch unter Tage gearbeitet wird. Bestimmte Fläche, da fahren sie ja noch irgendwelche Störungen auf oder was und dann auch den Altbergbau-Sanierung und so weiter. Und da brauchen sie die Grubenwehr, wenn was ist. #01:14:38-1#
Astrid Kirchhof: Und waren Sie da rund um die Uhr jeden Tag 8 Stunden beschäftigt oder war das auf Abruf? #01:14:43-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, also ich hab im Monat einmal meine Übungen gemacht, 8 Stunden am Tag. Da ist ja schon wieder eine Wespe, ja ja. Und dann ist Wochenende Bereitschaft mit Silliruf. Aber nicht jedes Wochenende. Das wurde dann immer getauscht. #01:14:58-2#
Astrid Kirchhof: Okay, also, das heißt... #01:14:59-8#
Hans-Georg Fischer: Und wenn, wenn, wenn, wenn jetzt, wenn ich auf Arbeit war und es wäre was passiert, dann haben sie, hätten sie mich von der Arbeit weggeholt und ins Auto hinein und dann in die Rettungsstelle eingerüstet und (pfeift) ab. Wir haben ja eine Grubenrettungsstelle gehabt in Ronneburg trotzdem noch. Obwohl immer da mit der Sanierung Schluss war. Und du hast jetzt, hast ja die über-Tage-Sanierung gehabt. Und du warst Grubenwehrmitglied. Und wenn jetzt in Aue was passiert gewesen wäre und die hätten Leute gebraucht, da hätten die gesagt, hier auf Arbeit, bist auf Arbeit, komm Alter, zack. Klamotten packen, ab nach Ronneburg in die Rettungsstelle, umziehen, Barkas (pfeift) nach Aue. So ist das dann gelaufen. Bis dann, bis dann die, die Rettungsstelle in Ronneburg auch aufgelöst worden ist. Dann war Schluss, dann sind nach, bloß nach (unv.) Aue und da haben sie dann in Aue eben das Alter der Grubenwehrmitglieder auf 55 hochgesetzt. Dass die bis 55 tauglich sind, weil sie keine Leute mehr haben. Und du musst, solange du unter Tage was machst, brauchst du eine Grubenwehr. Und es kommt ja noch dazu, wir hatten ja noch Hilfeleistungsverträge. Wir haben zum Beispiel, hier zum Beispiel, wenn du in Richtung Saalfeld fährst, ist maxit, die bauen unter Tage ab und so weiter und so fort und die können sich selber eine Grubenwehr nicht leisten, weil das zu teuer ist. Und da hatten wir dann Hilfeleistungsverträge oder Saalfelder Feengrotten. Da geht keine Feuerwehr hinein. Da war dann ein Kunde angerückt, wenn was passiert ist. #01:16:15-7#
Astrid Kirchhof: Und haben Sie in der Sanierung gearbeitet? #01:16:19-1#
Hans-Georg Fischer: In der Sanierung war ich, war ich... muss ich noch mal hinüber. Ganz kleinen Moment (Pause). Ich hab dann, ich hab in der über-Tage-Sanierung mein Baumaschinenführer bei der dekra gemacht. #01:16:36-0#
Astrid Kirchhof: Wie heißt das? Baumaschinen... #01:16:36-9#
Hans-Georg Fischer: Baumaschinenführer. #01:16:37-9#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:16:38-6#
Hans-Georg Fischer: Und bin dann zum Haldenabtrag. Wir haben die Halden abgefahren. #01:16:47-7#
Astrid Kirchhof: Das sind ja riesige Maschinen. #01:16:49-9#
Hans-Georg Fischer: Cat! Die größte Flotte in Europa war das (9 Sekunden Pause). 18 Kubik gehen in die Schaufel. Und die haben wir beladen (13 Sekunden Pause) #01:17:16-0#
Astrid Kirchhof: Das heißt, Sie hatten quasi zwei Jobs parallel? Die Sanierung und dann... #01:17:20-3#
Hans-Georg Fischer: Die Sanierung... die unter-Tage-Sanierung war 2000 abgeschlossen. Und da sind die Leute von unter Tage raus nach über... in die über-Tage-Sanierung und wurden aufgeteilt. Und da bin, habe ich erst meinen Baumaschinenführer gemacht bei der dekra. Und dann bin ich zum Haldenabtrag gekommen. #01:17:34-3#
Astrid Kirchhof: Okay. #01:17:35-4#
Hans-Georg Fischer: Und hab mich dort qualifiziert als Laderfahrer. Hab teilweise den großen Lader hier gefahren, die größten der Welt, 994 Cat. Und dort gearbeitet bis die Halden alle weg waren und (unv.) eingelagert, wo jetzt die Hucke drauf ist, wo der (unv.) steht. Musst ich sämtliche Halden rundum um den Tagebau und haben den Tagebau verfüllt. Der hat 240 Meter tief waren. #01:17:56-2#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:17:57-0#
Hans-Georg Fischer: Und danach bin ich zur Flächensanierung, weil das ja Schluss war. Flächensanierung bedeutet, sämtliche Betriebsflächen der Wismut zu sanieren, abzutragen das kontaminierte Material, anderes Material auffüllen. Und das hab ich auf dem Kettenbagger gemacht. Hier... Bild. Also ich bin eigentlich allround gewesen, hinten auf der Rückseite ist auch noch eins. #01:18:26-9#
Astrid Kirchhof: Hmm. Ah. #01:18:33-5#
Hans-Georg Fischer: Wenn Sie sich da mal... das ist zum Beispiel die Grubenwehrübung. #01:18:37-3#
Astrid Kirchhof: A-ha (6 Sekunden Pause). Ist das bezahlt gewesen die Übung? #01:18:46-2#
Hans-Georg Fischer: Du hast die Gerätestunde bezahlt gekriegt und die, und den, den, den, den Tag als Übungstag und hast einen bestimmten Zuschlag gekriegt zu deinem ganz normalen Lohn. Für den Tag. #01:18:58-3#
Astrid Kirchhof: Sind Sie das? #01:18:59-0#
Hans-Georg Fischer: Ja! Ja. Da war ich noch ein bisschen kräftiger um die Brust, das war noch vor, vor... #01:19:02-9#
Astrid Kirchhof: Fischer in der Mitte. #01:19:04-0#
Hans-Georg Fischer: ...vor meiner Krebserkrankung. #01:19:05-7#
Astrid Kirchhof: In der Mitte. Erzählen Sie mir doch mal, bei der Sanierung so einen Tag, wie der verlaufen ist von früh bis abends. #01:19:17-1#
Hans-Georg Fischer: Also bei... kommt drauf an, was für eine Sanierung. Unter Tage oder über Tage? #01:19:20-6#
Astrid Kirchhof: Unter Tage. #01:19:21-8#
Hans-Georg Fischer: Unter Tage, da bist du ganz normal eingefahren. Und wir als Hauer auch. Da bist du dann vor Ort. Und da hast du dort, dort, wo... deine Aufgabe erledigt, die anstanden. Zum Beispiel Strecken müssen verrohret werden, da wurden Holzdämme gebaut. Aus Holz mit Maschendraht und mit Tuch. Wo dann später Beton hineingepumpt wird, dass das hinten zu ist. Und so wurde Abschnitt für Abschnitt fertiggestellt. Gab's bestimmte Dämme, die hast du aus Eisenbahnschienen gebaut, da musstest du wieder da abbohren, da wurden Eisenbahnschienen hineingemacht. Als Verspreizung, weil der Druck zu hoch war und so weiter und so fort. Oder hast auch Widerlager gehabt, die größer war für Abschlussbauwerke. Die wurden dann, wurde abgebohrt, dann wurde gesprengt und die Masse dann raus, dass du, wenn die, wenn das so denn, die, die vertikal... horizontale Strecke hast, dass das Widerlager (unv.) einen Meter oder zwei Meter ins Gebirge hinein geht. Damit dann... die Abschlussbauwerke waren eigentlich dafür da, dass dahinter das Wasser bleibt. #01:20:26-0#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:20:26-4#
Hans-Georg Fischer: Damit das Wasser nicht außen rum durchs Gebirge macht, wurde das Widerloch eingebohrt und gesprengt und dann wurde der Gang mit Beton, meistens einen Meter, zwei Meter, kommt drauf an, verfüllt mit der (unv., Cat-Maschine?). Das ist eine Maschine, da hast du vorne einen Spritzschlauch dran, das ist, wie wenn du hier Spritzbeton aufbringst. #01:20:41-8#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:20:42-7#
Hans-Georg Fischer: Einer haut hinten die Säcke drauf und einer steht vorne am Rohr, das ist eine dreckige Arbeit. Einer steht am Rohr und bläst das dann hinein, ja. Und das war dann, bis du am Ende fertig bist, bist du wieder ausgebrannt. Und dann, wo wir in der Grubenwehr dann am Schluss, haben wir Schächte, Schächte zugemacht. Da wurde dann, du hast einen Schacht, du hast einen Füllortbereich. Und hast, hast einen Schachtsicherheitspfeiler. Und der Sicherheitspfeiler besteht ja aus bestimmten Strecken, Vollseite und Leerseite. Materialstrecke und so weiter und so fort. Und da wurden auch diese Dämme reingestellt. Und wurde Stück für Stück bis an den Schachtrand voll Beton gemacht. Dann bist du auf die nächste Sohle und die haben die 60 Meter Schacht vollgepumpt mit Beton. #01:21:18-5#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:21:19-3#
Hans-Georg Fischer: Und so wurde das gemacht bis du nach über Tage musstest. Das war die unter-Tage-Sanierung. #01:21:24-4#
Astrid Kirchhof: Und wie entstanden... Ach so, jetzt verstehe ich erst diese, diese Halden, die entstanden... #01:21:29-3#
Hans-Georg Fischer: Das ist, das ist... die Halden, das ist das taube Gestein von den, was bei den Bergbaubetrieben rausgeschafft war, wo kein Erz drinne war. Du machst zum Beispiel, ich hab da mal, ich... ich teufe meinen Schacht. Der wird im tauben Gestein geteuft und nicht im Erz. So. Davor habe ich auch schon meinen Schacht umfahren (unv.) auf jeder Sohle. Die Strecken, dass es auch alles taubes Gestein. Dann wird der Streckenvortrieb, also vor, ich meine ver-, horizontalen Grubenbaue heißt Streckenvortrieb bis an den Erzkörper ran. #01:21:58-4#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:21:58-8#
Hans-Georg Fischer: Das ist auch im tauben Gestein. Das wird, kommt also auf Halde. So, und dann hast du ja, wenn du deinen Erzkörper abbaust, wird ja auch gemessen, die Masse, die die abziehen bei mir aus der Rolle. Die ist unten gemessen worden vorne. Da war eine Radiometerstation am Schacht und da wurde gemessen. Ist es Erz oder so, ist es kein Erz. Ist es Erz, kommt es in den Bunker. Ist es Masse, kommt es auf die Halde, ja. Und das waren die Halden. #01:22:21-2#
Astrid Kirchhof: Und bei der Sanierung, wurden da die Halden abgetragen? #01:22:24-5#
Hans-Georg Fischer: Die Halden wurden mit den Großgeräten abgetragen. #01:22:26-5#
Astrid Kirchhof: Und wo dann gelagert oder...? #01:22:28-7#
Hans-Georg Fischer: In dem Tagebau. Der Tagebau war 240 Meter tief. Das war ein Tagebau, wo sie früher Uranerz im Tagebau abgebaut haben. Bei Ronneburg. #01:22:36-8#
Astrid Kirchhof: Und da bleibt es jetzt? #01:22:38-1#
Hans-Georg Fischer: Und das ist jetzt verwahrt. Ist dann abgedeckt. Der Tagebau ist wieder zu. Und aus, außen ist eine... der Rest ist oben drauf als Halde, also als Spitze. Da ist so, da war dann der... sag schon, die Gartenschau drauf, Bundesgartenschau war da drauf 2000 oder was. Und da steht jetzt oben diese Wetterlampe oben drauf. Und das sind die ganzen Massen, die als Halden hier an den einzelnen Betrieben rund um Gera. Vom Tagebau selber lagern hier auch zwei Tafelhalden, zwei große. Was taubes Gestein war, wo die damals den Tagebau abgefahren haben. Das ist alles da wieder hineingekommen. Ist da verwahrt, und das ist auch gut so. Und sieht anständig aus. Weil sonst, wenn die, wenn die, wenn die nicht gekommen wären, wär alles so geblieben wie es ist. Ja, das wäre auf geblieben. #01:23:19-8#
Astrid Kirchhof: Also würden Sie sagen, dass die Bundesrepublik da die, oder das wiedervereinte, ja Deutschland, das, die Arbeit, das... #01:23:28-4#
Hans-Georg Fischer: Also das ist... #01:23:29-5#
Astrid Kirchhof: ...die Sache gut gemacht hat? #01:23:30-6#
Hans-Georg Fischer: Da ist das erste Mal, das erste Mal, was richtig gemacht worden in meinen Augen. Und dass das alles saniert worden ist und alles wieder so hergestellt worden ist, wie es mal war. #01:23:38-2#
Astrid Kirchhof: Also das finden Sie gut? #01:23:39-3#
Hans-Georg Fischer: Das finde ich... #01:23:39-9#
Astrid Kirchhof: Oder es wurde auch gut gemacht? Und fachmännisch? #01:23:40-5#
Hans-Georg Fischer: Ja. Vor allen Dingen, vor allen Dingen, erst mal das. Und zweitens musst du davon ausgehen, das war ja auch über Jahrzehnte noch Arbeit für Leute. Die sonst alle irgendwo, pffft. Für mich war es auch gut (lacht). Ja, das ist so. #01:23:53-5#
Astrid Kirchhof: Und so umwelttechnisch...? #01:23:56-3#
Hans-Georg Fischer: War es alles überwacht. Es, es sind, sind Wasseraufbereitungsanlagen. Weil mit, wie ich schon mal schon gesagt hab, wenn ich ins Bergwerk gehe, (unv.), nehme die Pumpen raus, strecke das Flutungswasser. Und, weil wir Jahrzehnte in dem Berg rumgewühlt haben und alles drinne geblieben ist. Sprich überall in den Geräten war Öl und so weiter und so fort. In der Schlosserei war Öl. Da wird das Gelumpe. Dann hast du Schwermetalle, nicht bloß Uran, Arsen, Blei und so weiter und so fort. Und das Wasser lässt das ja aus. Ja. Und, und, und dadurch steigt das ja mit dem Grundwasser nach oben und darf nicht in den Trinkwasserhorizont kommen. Deswegen wurde damals unter Tage, wurden die Trinkwasserhorizonte abgeriegelt mit Abschlussbauwerken und, und, und. Damit das Grundwasser nicht ins Trinkwasser kommt. Und das Grundwasser wird jetzt mit Wasseraufbereitungsanlagen gereinigt. Das wird aus dem Berg abgezogen, wird aufgearbeitet, wird gereinigt. Die Abfallprodukte werden gebunden mit Kalk zu einer festen Masse. Und die werden dann bei Ronneburg in Lichtenberg in einer Halde eingelagert. Streng nach Vorschrift ist eine Halde Kategorie sowieso, also für Umweltgift und so fort und da wird das eingelagert und wird abgedeckt. Und da ist auch unten drunter wieder Drainage alles. Dass die Sickerwasser oder Regenwasser und so weiter und so fort, dass das alles aufgefangen wird und das wieder aufbereitet. Dass wirklich sauberes Wasser in die Elster abgegeben wird. Und das geht noch über Jahrzehnte. #01:25:19-7#
Astrid Kirchhof: Also das ist quasi für die Ewigkeit saniert? #01:25:23-2#
Hans-Georg Fischer: Das wird für die Ewigkeit saniert. #01:25:25-1#
Astrid Kirchhof: Wird für die Ewigkeit saniert. #01:25:25-9#
Hans-Georg Fischer: Hmm, wird für die Ewigkeit saniert. Und das kostet auch jede Menge Geld. #01:25:29-6#
Astrid Kirchhof: Ja, sechs Komma zwei Milliarden, habe ich glaube ich bis hier... #01:25:31-7#
Hans-Georg Fischer: Ja. Ja, haben sie angeplant, aber das... ich weiß nicht, ob's reicht. Deswegen haben sie ja dann angefangen, überall zu sparen. Ich... da drüber äußere ich mich nicht. Weil in dem Berg ist, mit dem Wasser hätten sie nicht so viele Probleme, wenn sie damals alles rausgeholt hätten aus dem Berg. Haben sie ja nicht. #01:25:46-7#
Astrid Kirchhof: Also nach 89 [1989] meinen Sie jetzt? #01:25:48-9#
Hans-Georg Fischer: Hm (bejahend). #01:25:49-4#
Astrid Kirchhof: Neunzehnhundertsechs... #01:25:49-9#
Hans-Georg Fischer: Weil wir unter Tage saniert haben. Weil, wie gesagt, wir am Anfang angefangen, da wurde eine Rohrleitung unter Tage, alles wurde rausgeschnitten. Eisen, hier, was Eisenleitungen waren und so weiter und so fort unter Tage nach über Tage geschafft. Auch die ganzen Hunte, die wurden gestrahlt, verstrahlt, also sandgestrahlt, dass sie sauber sind. Und wurden dann Schrott zugeführt, ne. As... und dann geht's ja weiter. Und da wurde Asbest unten eingelagert. Das war, das war auch vorschriftsmäßig eingelagert, wurde mit einem Betonmantel übergossen. Aber über Jahrhunderte... und Wasser hat einen spitzen Kopf! Wasser sucht sich seinen Weg. Und da was die, die, die, die, die Schwermetalle und das Zeug, was im Wasser ist, das wirst du noch über Jahrzehnte haben. #01:26:24-9#
Astrid Kirchhof: Das werden wir noch über Jahrzehnte haben. #01:26:27-8#
Hans-Georg Fischer: Also die Reinigung auf alle Fälle. Muss, ist so. Das bleibt nicht aus. #01:26:32-6#
Astrid Kirchhof: Aber irgendwann wird's... #01:26:34-3#
Hans-Georg Fischer: Irgendwann wird das... #01:26:35-4#
Astrid Kirchhof: ...fertig saniert sein? #01:26:36-1#
Hans-Georg Fischer: Irgendwann wird das, irgendwann, irgendwann wird das fertig saniert sein. Aber wie gesagt, die Wasseraufbereitungsanlagen, die laufen bis zum Schluss. #01:26:40-7#
Astrid Kirchhof: Diese Flächen, sind die irgendwann so saniert, dass man da drauf wieder Häuser bauen kann, oder...? #01:26:46-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, es kommt drauf an... was unten drunter abgebaut worden ist, wie abgebaut worden ist. Zum Beispiel, wir haben ja, die haben ja direkt unterm, das hieß (unv.) in Schmirchau oder Ronneburg abgebaut. Direkt unter den Häusern. Da musste alles mit Beton vergossen werden, dass die Häuser oben nicht absacken. Was sie eben zum Beispiel bei der Kohle nicht machen. Die, die schwämmen das raus und dann lassen die das zusammenfallen. Und irgendwann bricht das da bis nach über Tage durch. Und deswegen haben die Häuser Risse. Und das kannst du nicht sanieren. Und da kannst du auch nicht drauf bauen. Aber das ist dann, wird dann ausgewiesen, was Bergbaugebiet ist. Zum Beispiel haben sie in, in, in, in Reust, wo Reust stand und Schmirchau stand, haben sie ein riesengroßes Solarpark drauf gebaut. #01:27:26-9#
Astrid Kirchhof: Was, was haben sie...? #01:27:27-8#
Hans-Georg Fischer: Solarpark! Solarzellen. Da passiert ja nichts. Das ist ja nun, ne. Das, sowas, aber Häuser direkt glaube ich nicht. #01:27:35-4#
Astrid Kirchhof: Weil's noch strahlt, oder? #01:27:37-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, weil, weil, das ist Bergbaugebiet. Und du musst immer davon ausgehen, Bergbaugebiet ist auch ein Senkungsgebiet. Der Berg gibt irgendwann nach. Auch wenn du das zehnmal richtig verfüllst oder sonst was. Irgendwo hast du vielleicht mal eine Ecke, die nicht zugemacht worden ist. Und dann gibt's einen kleinen Gebirgsschlag und da fällt das zusammen. Und deswegen kannst du halt nicht drauf bauen. #01:27:58-3#
Astrid Kirchhof: Okay. #01:27:59-0#
Hans-Georg Fischer: Das, das geht nicht. Wie gesagt, im Tagebau haben sie ja diese neue Landschaft Ronneburg draufgemacht, ja. Mit... Freizeit hier und Mist, und Wanderwegen und allem Drum und Dran und so. Das haben sie richtig schön gemacht. #01:28:10-0#
Astrid Kirchhof: Also Sie haben ja wirklich in den 80ern [1980er] als Hauer, in den 90ern [1990er] unter Tage... #01:28:15-2#
Hans-Georg Fischer: Sanierung dann. #01:28:16-4#
Astrid Kirchhof: ...in der // Hans-Georg Fischer (unv.) // Astrid Kirchhof 2000er über Sanierung, über Tage saniert. Wenn Sie jetzt zurückschauen, was war denn Ihrer Meinung nach die schönste Arbeit, das schönste Jahrzehnt? #01:28:26-2#
Hans-Georg Fischer: Also sehen Sie... da müsste ich eigentlich sagen, zweie. Also als Hauer unter Tage warst du noch jung, da warst du noch Elan und so weiter und so fort. Gut, als Sanierer dann, Sanierung unter Tage, da hast du schon mit einem weinenden Auge, ja, es ist vorbei und, und, und, war eigentlich eine schöne Zeit. Was dann noch mal Spaß gemacht hat, war hier, Haldenabtrag mit den Großgeräten. Weil das war ja auch bloß eine Anlerntätigkeit. Bei den Amis ist das ja ein richtiger Beruf. Und uns haben sie ja da hier mit Bettina Großraumtechnik, mit den paar, auf Deutsch gesagt, paar Finger abgespeist, ne. Wurde da, da sich (unv.) keiner auf den Bock setzen. #01:29:06-4#
Astrid Kirchhof: Also finanziell jetzt? #01:29:07-4#
Hans-Georg Fischer: Finanziell, ja. #01:29:08-3#
Astrid Kirchhof: Das hat nicht mehr so viel gebracht? #01:29:09-6#
Hans-Georg Fischer: Nee. Das ist ja, da bist du dann, da hast du einen Umsetzungsvertrag gekriegt und haste dann auch weniger verdient, ne. Als wie unter Tage, ne, das ist ja klar. #01:29:15-6#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:29:16-5#
Hans-Georg Fischer: Das ist normal. Aber es war eben wieder mal was Anderes. Weil solche riesen Buden... #01:29:20-4#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:29:20-9#
Hans-Georg Fischer: ...fahr die mal! Und wir hatten ja Tag der offenen Tür. Die sind uns ja zu tausenden die Bude eingelaufen und wollten die Maschinen angucken. Das ist ja, das war ja die größte Cat-Flotte Europas. Ja. Zwei solche Riesenlader. Vier andere Lader. 40 Mulden. Motor(unv.), alles was dazugehört. #01:29:39-7#
Astrid Kirchhof: Und da haben Sie gearbeitet von acht bis vier? #01:29:42-7#
Hans-Georg Fischer: Zwei (unv.), zwei Stunden. Nee, von um, eine normale Schicht. Frühschicht von sechs bis zwei und Mittelschicht von zwei bis zehn. #01:29:48-9#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. Okay. #01:29:50-8#
Hans-Georg Fischer: Weil Nachtschicht wollten sie ja auch machen, durften sie, durften sie nicht. Haben sie ein Verbot gekriegt. Weil die Umliegenden haben sich ja alle beschwert. Das macht ja auch Krach wie... vor allen Dingen die, die Rückfahrt, wie beim Auto, die Rückfahrthupen, die hast du sonst wo gehört. Düüt-düüt-düüt. Das war Nacht ne... #01:30:03-4#
Astrid Kirchhof: Ach so, ja, ja, ja, ja! #01:30:03-5#
Hans-Georg Fischer: ... und deswegen haben sie gesagt, Nachtschicht fällt aus, ne. #01:30:05-7#
Astrid Kirchhof: Sind es deutsche Maschinen, diese? #01:30:07-4#
Hans-Georg Fischer: Nee, amerikanische. #01:30:08-4#
Astrid Kirchhof: Amerikanische. #01:30:09-6#
Hans-Georg Fischer: Caterpillar. #01:30:11-0#
Astrid Kirchhof: Also die, das hat nicht finanziell so viel gebracht, aber die Arbeit hat dann noch mal Spaß gemacht? #01:30:14-8#
Hans-Georg Fischer: Ja. Die Arbeit hat noch mal Spaß gemacht. Gut. Die andere Arbeit dann hier, was da wieder danach kam, wo du die ganze Zeit auf dem Bagger saßest, und musstest für den Kran hier Böschung schneiden und so weiter und so fort, das hat auch wieder Spaß gemacht. Es war immer wieder eine andere Herausforderung. #01:30:27-3#
Astrid Kirchhof: Was war das mit dem Böschung Schneiden? #01:30:29-0#
Hans-Georg Fischer: Na, Böschung schneiden, hier, sagen wir mal, da haben wir die ganzen Flächen zurückgebaut, wo Haldenmaterial lag, das musste ja alles weg. Da hast du dann zum Beispiel, wenn du hier die Böschung hast, hast du dann so nachgeschnitten, da wurde wieder anderer Boden aufgefüllt und wurde angepflanzt und so weiter und so fort. Das war auch wieder, wieder was anderes. Also wie gesagt, ich bin von der Sache her eigentlich allround gewesen, wenn man es so nimmt (lacht). Ich hab eigentlich schon in meinem Leben, in der Beziehung, eigentlich viel durch. Also, kannst du sagen, wenn du es auf einen Zettel schreibst, sind das vier oder fünf Berufe... ist so. #01:31:04-9#
Astrid Kirchhof: Und als Sie wussten, so jetzt werde ich langsam 50 und der Job hört auf, wie war das dann, was? #01:31:11-6#
Hans-Georg Fischer: Na, ich hab bis zum letzten Moment gearbeitet. Das Einzige, was mich dann zurückgehalten hat, ist eben die Krankheit gewesen 2012. #01:31:17-9#
Astrid Kirchhof: Ich dachte, 2010 war Schluss? #01:31:20-4#
Hans-Georg Fischer: Was? 2010 war Schluss als Grubenwehrmitglied. #01:31:26-4#
Astrid Kirchhof: Ach so! #01:31:27-4#
Hans-Georg Fischer: Als Grubenwehrmitglied. #01:31:28-4#
Astrid Kirchhof: Ach so, aber die Sanierung konnte... #01:31:30-4#
Hans-Georg Fischer: Die, die, die Sanierung, Großraumtechnik war dann Schluss. Dann bin ich in die Flächensanierung bis 2015. Und Sanierung läuft ja jetzt noch über Tage. #01:31:38-1#
Astrid Kirchhof: Ach so, ich dachte, da musste auch Schluss sein, wenn man bestimmte Ar... #01:31:40-1#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee, nee, nee, nee, nee. Die Sanierung läuft ja noch. #01:31:42-7#
Astrid Kirchhof: Ach so, Sie haben quasi nur so einen Cut machen müssen aufgrund der Krankheit? #01:31:46-6#
Hans-Georg Fischer: Nee! Ich musste krank machen aufgrund der Krankheit. #01:31:48-8#
Astrid Kirchhof: Ja genau. #01:31:49-4#
Hans-Georg Fischer: Weil es nicht ging. Und dann bin ich noch mal ein Jahr auf Arbeit gegangen und dann hab ich gewusst, jetzt mit 55, da hörst du auf. Es reicht. #01:31:56-4#
Astrid Kirchhof: Weil auch wegen der Krankheit? #01:31:58-1#
Hans-Georg Fischer: Erstmal wegen der Krankheit und zweitens musste ich auch mal ein bisschen an mich denken dann auch, ne, also du weißt ja nicht, wie alt du wirst, gerade, wenn du sowas weg hast. #01:32:04-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:32:05-5#
Hans-Georg Fischer: Kann ja, kann ja immer wiederkommen. #01:32:07-0#
Astrid Kirchhof: Wie, wie, wo, also das habe ich auch vorher nicht richtig gehört, wie wurde das denn entdeckt, das, Ihre Krankheit? #01:32:12-6#
Hans-Georg Fischer: Na, ich bin, ich war beim Hausarzt und ich hatte hier auf der rechten Seite eine kleine Knolle. Und da hab ich gedacht, Mandelentzündung oder was, hatte aber keine Schmerzen und so weiter und so fort. Das war schon vielleicht fünf, sechs Wochen. Und da hab ich zum Hausarzt gesagt, hör doch mal zu, das müssen wir abklären. Und da hat er gesagt, ja, wenn ich sowas, ja, ich ruf mal bei meiner Freundin an, HNO-Ärztin, die sitzt gleich nebenan. Da gehst du mal hin. Das war ein Donnerstag, Nachmittag. Da bin ich dort hin. Der hat mich gleich hineingeschoben. Das Wartezimmer war voll, aber der hat mich gleich drangenommen. Die haben mich gleich durchgewunken, dann die Leute schon draußen, guck mal, der kommt hierher und kommt gleich dran! Sie wissen ja, wie das ist, ne. Und dann hat die Ultraschall gemacht und dann hat sie gesagt, Herr Fischer, setzen Sie sich mal auf den Stuhl hier. Ich sag, was ist denn? Ja, Sie müssen wahrscheinlich ins Krankenhaus. Sie haben Krebs. Da guckst du erst mal blöde. Ja, da guckst du erst mal blöde. Und da hat die gleich von dort aus, vom Arztzimmer aus beim Krankenhaus angerufen und hat alles fertiggemacht. Weil die HNO, eine HNO-Klinik... im Krankenhaus eine HNO-Abteilung angerufen, weil sie selber dort mal gearbeitet hat, bevor sie sich selbstständig gemacht hat. Hat dann mit dem Chefarzt geschwatzt und hat gesagt, horch zu, ich schieb dir den Patienten morgen, der muss sofort (unv.). Dann bin ich am Freitag wieder hinauf mit gepackter Tasche und allem Drum und Dran. Hab ich... haben sie die ganzen Voruntersuchungen mit mir gemacht und haben gesagt, Sie können noch mal heimgehen. Sie kommen am Montag früh um sechse, dann kommen Sie wieder. Und da ist es erst mal losgegangen, dass das erst mal alles gesackt. Dann habe ich erst mal rundum mit allen gequatscht. Musste ja jeden informieren. Dann war ich Freitagmittag noch mal auf Arbeit. Hab denen Bescheid gesagt, dass ich nicht gleich wiederkomme. Und dann bin ich Montag früh um sechs hier hinein. Bette zugewiesen, Kittel an, alles fertiggemacht, mittags um zwei lag ich aufm Tisch. Dann haben sie mich fünf Stunden operiert. Haben sie das rausgeschnitten, ausgeschält mit Laser. Die Proben immer wieder eingeschickt in die Pathologie. Solange, bis das Gewebe sauber war. Solange haben sie an mir rumgefranst. Ich hab ja hier hinten drinne ein riesen Loch hier. Da fehlt ja die Hälfte hier hinten drinne. Da ging's auch bis an die Hauptschlagader, alles weggenommen, das ganze Weichgewebe hier, fast bis an die (unv.). Das hier wächst ja langsam wieder nach, aber ich hab hier eben, wie gesagt, ein riesen, ein riesen Loch, wo beim Essen alles hängenbleibt. Das rutscht nicht. Das ist wie ein Sack. Das bleibt da hängen, rutscht, und hab ich immer zu tun, dass das in die, in... hineinrutscht, ne. Deswegen muss ich beim Essen immer viel trinken und alles. Und, naja, wie gesagt, und da kam er eben dann am Abend und hat gesagt, Herr Fischer, drei Minuten vor zwölf. Zwei Wochen hätten Sie noch gehabt. Dann wären Sie weggewesen. Der Krebs war ja bis kurz vor die Hauptschlagader. Hatte alles, und hätte dann, war vielleicht noch drei oder vier Millimeter Platz dort. Der hätte die Hauptschlagader zerfressen. Der war schnellwachsend. Und ich wär dann auf Arbeit irgendwann tot umgefallen und keine Sau hätte gewusst warum. Ich wäre innerlich verblutet, wenn die geplatzt wär. Naja, wie gesagt, sage, wir müssen aber noch einmal. Sie sind am Donnerstag gleich noch mal dran. Ich sag, was? Ja! Die Lymphknoten sind auch verkrebst, die müssen auch raus. Haben sie mich dann am Donnerstag noch mal gemacht. Noch mal fünf Stunden. Da wirst du munter und ich glaub nicht an den hier oben. Ich hab's den anderen auch schon erzählt, ich glaub nicht an den hier oben. Ja, ich hab die Tür gesehen mit dem hellen Licht, die schon so weit aufstand, ja. Ist aber wieder zugegangen. Ich glaub, manches ist aber so. (Unv.) Kann man sich nicht vorstellen, ist aber so. Ja. Und dann habe ich, wie gesagt, war ich drei Wochen daheeme, da ging das los. Bestrahlung, da haben sie mir eine Maske angepasst. Das ist ja auch der Witz ne, ich lag ja auf dem Tisch. Da kriegst du eine Maske angepasst aus hartem Plaste, die kriegst du dann hier drauf. Die wird hier mit zwei Klappverschlüssen auf dem Tisch festgeschnallt, damit du nicht ganz ruhig liegst und nicht wackelst. Dann läuft der, der Bestrahlungslaser hier so rum. Immer, jedes Mal eine halbe Stunde. Merkst du bloß, wie es warm wird. #01:36:07-8#
Astrid Kirchhof: Ist das täglich? #01:36:10-6#
Hans-Georg Fischer: 39 Tage hintereinander, jeden Tag. #01:36:13-7#
Astrid Kirchhof: Und wie lange dauert eine Behandlung täglich? Drei Stunden? #01:36:16-1#
Hans-Georg Fischer: Halbe Stunde. #01:36:16-7#
Astrid Kirchhof: Halbe Stunde. #01:36:17-1#
Hans-Georg Fischer: Halbe Stunde. Hmm. Das wird immer wärmer. Und dann hast du schon gemerkt nach dem fünfzehnten Mal, wenn du 15-mal, da hast du schon gemerkt, ja, das ist, die Haut wird braun oder (unv.). Dann ist, war bloß noch so ein Fleisch. Da hab ich dann Strahlensalbe gekriegt zum Einschmieren und so einen Schal drum aus fusselfestem Zeug. Und dann haben sie mir so die Hautfetzen abgezogen. Wie, wie (unv.) kannst du sagen. War total blank. Und dann ging das los nach den drei Wochen, das erste Mal eine Woche Chemo. Da haben sie mir dann, wie gesagt, diesen Venenkatheter eingeführt hier. Sonntagnachmittag musste ich hinein, da haben sie mir den hier bei vollem Bewusstsein, ja, nicht, dass Sie denken, dass Sie da den Schmerz, hier, oder Betäubung. Die, die nehmen die große Kanüle, schieben die hinein, und durch die Kanüle schieben die den Schlauch immer weiter. Bis da hier oben am Herze liegt. Dann gehst du zum Röntgen, ob der richtig liegt. Und Montag früh hab ich erst den großen Beutel gekriegt, so. Da waren vielleicht fünf Liter drin, da hast du nicht gesehen, was, was es ist. Weil der isoliert war mit Alufolie, stand auch nichts drauf. Und da der leer war, haben sie den rausgezogen. Und da haben sie mir dann diese Brusttasche mit der Pumpe, und dann habe ich 24 Stunden lang, sieben Tage lang, jeden Tag, da den Dreck hineingepumpt gekriegt. Und dann konntest du dann zugucken. Nach drei Tagen hatte ich keinen Geschmack mehr. Da hat alles geschmeckt als wie, ja, und so weiter und so fort (lacht). Und da bin ich nach einer Woche, eine Woche hierher. Und dann bin ich wieder hinein. Dann bin ich wieder eine Woche heim, dann bin ich wieder rein. Und immer so, und immer noch, trotz Chemo, auch gleich noch Bestrahlung. Volle Kathete. #01:37:47-5#
Astrid Kirchhof: Wie lange hat dieser Prozess gedauert? #01:37:49-9#
Hans-Georg Fischer: Bis... warte mal, Anfang, Mitte Juli... bis Anfang September. #01:37:56-6#
Astrid Kirchhof: Drei Monate. Und sind Ihnen die Haare ausgefallen? #01:38:01-7#
Hans-Georg Fischer: Hier hinten bis hier hoch, sonst nicht. Rasieren brauchte ich mich hier unten auch nicht mehr. Das ist auch alles weg. Da wächst auch nichts mehr. Und dann, wie gesagt, dann hast du es gemerkt, ja. Schleimhäute. Das hat gebrannt, hat gebrannt, immer. Wie Feuer! Konntest du hineingucken, alles total auf. Und dadurch, der hat ja auch gesagt der Arzt, dadurch, dass ich noch Amalgamklumpen drinne hatte, ich hatte war, die haben's mir zwar bei, bei der Kieferchirurgie so einen Schutz für die Zähne gemacht. Den hab ich aber am Schluss nicht mehr hineingekriegt. Weil ja alles aufgedunsen war. Und durch die Amalgam, das Amalgam hat die Strahlung aufgenommen. Und hat sie dann später nach dem Vierteljahr wieder abgegeben. Und da ist das hier nicht abgeheilt, hier drinne. Nur Milch, fünf Liter am Tag. Was anderes gibt's nicht. Fünf Liter Milch. Und das Endeffekt vom Lied war nachher, dass, wie gesagt, später, in der späteren, in der späteren Zeit, hab ich dann die Schwierigkeiten gekriegt mit der KLM. Weil ich hab ja keine feste Nahrung zu mir genommen. Das ging aber langsam, war (unv.), hat sich dann Gallenkrebs gebildet, Gallensteine. Ja, da konnte ich dann damit leben, hab ja keine Schmerzen gehabt. Und 2018 im Dezember, zwei Wochen vor Weihnachten, hab ich eine schwere Gallenkolik gekriegt und musste ins Krankenhaus. Da hatte ich Gallenwegsverschluss. Da lag einer drinne, der war so groß wie der (unv.). Da haben sie mir mit EHCP hier, geht ja von oben durch, bei Betäubung hier, bis dahin. Haben den zertrümmert und haben den stückweise rausgeholt. Haben aber dadurch einen Gallenweg kaputtgemacht. Und da haben sie mir einen Stent eingesetzt. Da hat der Arzt dann schon gesagt, Herr Fischer, die Galle müssen wir rausnehmen, da liegen noch drei Steine drinne in der Galle. Wenn der nächste... fallen Sie um und sind weg hier. Ich war ja den einen Tag, es ging früh los und abends war ich schon gelb. Da gehe ich ja von mir aus in die Notaufnahme. Und da hab ich gesagt, ja machen wir einen Termin. Anfang Februar können wir einen machen, holen die Galle raus, ist ja kein Problem heutzutage, sagt er. Drei kleine Punkte, durch den Bauchnabel, zack und pffft. #01:40:07-1#
Astrid Kirchhof: Hmm-hmm. #01:40:08-7#
Hans-Georg Fischer: Ich wäre immer noch... #01:40:10-5#
Astrid Kirchhof: Wie bitte? #01:40:11-5#
Hans-Georg Fischer: Ich sag, ich wäre munter und neben dem Aufwachraum. #01:40:16-0#
Astrid Kirchhof: So eine... Narbe... ahhh, oh je. #01:40:21-0#
Hans-Georg Fischer: Da war die Galle mit der Leber schwerst verwachsen. Auf Verdacht Tumor. Und das ganze heißt Mirizzi-Syndrom. Hat der Arzt gesagt, der mich operiert hat, hatten sie das letzte in Gera im Jahr 98 [1998] oder 2000. Und da haben sie mir eine, ein Stück Leber weggenommen und die ganze Galle rausgenommen. Sie haben mir wieder zwei Stents eingesetzt und da lag ich auch zweieinhalb Wochen. Mussten sie die Narbe noch mal aufmachen, weil sie, beim Röntgen ist die aufgeplatzt. Das war geklammert, da hat das alles genässt und geeitert. Und Dings hinein. Da bin ich dann heim und bin dann im Mai noch mal hinein. Und dann haben sie mir wieder mit EHCP, da haben sie mir die zwei Stents wieder rausgeholt. Das hab ich auch gepackt. Jetzt habe ich erst mal nichts mehr. Das ist... #01:41:10-4#
Astrid Kirchhof: Aber das ist verheilt und sie sind davon... #01:41:12-3#
Hans-Georg Fischer: Ist alles verheilt. Da gehe ich ja auch wieder alle halbe Jahr zur Kontrolle und wie gesagt... aber das hätte ja auch, hätte ja auch bösartig sein können. #01:41:18-8#
Astrid Kirchhof: Und von dem Krebs, also die Geschmack, der Geschmack ist wieder zurückgekommen? #01:41:24-3#
Hans-Georg Fischer: Der Geschmack ist zurückgekommen. Aber wie gesagt, die Schleimhäute sind kaputt. Ich... wie gesagt, (unv.) unterhalten, aber ich kann nicht scharf, nicht heiß, bestimmte Sachen überhaupt nicht. Und in der Nacht werde ich munter. Müssen Sie sich vorstellen, da denkst du, da hat, da hat einer Leim in die Gusche gekippt. Der Mund ist total ausgetrocknet und zugeklebt. Weil ich keine Schleimhäute mehr hab. Es bildet sich kein Schleim mehr. Deswegen habe ich Schwierigkeiten beim Essen. Ich brauch beim Essen immer was zu trinken, sonst rutscht das nicht hinten hinein. Eine trockene Semmel oder sowas, geht gar nicht. Geht überhaupt nicht. Ersticke ich dran. Das ist durch die Bestrahlung. Haben sie gleich gesagt. Das sind die Nebenwirkungen, aber wie gesagt, wenn du leben willst, dann nimmst du jeden Strahl, ist so. Bis jetzt haben wir's gut gepackt, es sind jetzt mittlerweile acht Jahre. Hmm. Und wie gesagt, schweinisch abgenommen. Über 30 Kilo. #01:42:18-1#
Astrid Kirchhof: Boah! Und auch nicht wieder draufgekriegt? #01:42:20-8#
Hans-Georg Fischer: Nee, wollte ich auch nicht. Ich fühle mich so besser. Ich hab jetzt meine dreiund, 84 Kilo, das reicht. So, wie ich sie als Hauer immer hatte (lacht). Da bin ich auch wenig zum Essen gekommen (lacht). Nee. Das passt schon. #01:42:33-3#
Astrid Kirchhof: Und als Sie eben diese Krebsdiagnose gekriegt haben, war es da wichtig, woher... also, es war eine Diagnose, dass es Krebs war. War es wichtig, dass es vielleicht von Ihrem Beruf kommt für die Krankenkasse, oder? #01:42:48-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja, die Krankenkasse hat das nicht interessiert. Ich hätte einen Antrag stellen müssen auf Berufskrankheit. Und da wär, da hat der Arzt dann eben gesagt, der wäre zu 100 Prozent abgelehnt worden. Weil ein (unv.)karzinom ist keine Berufskrankheit bei der Wismut. Bei der Wismut gibt's nur Lungenkrebs. Das ist Berufskrankheit. Das wird nicht anerkannt. Da kannst du, gehst, gehst du, gehst du über den Tisch. Die erzählen dir das, in der Zeit bist du gestorben und es hat sich nichts geändert. Das ist, sagt er, zu 88, 80 Prozent, 90 Prozent in der Wismut und... #01:43:18-2#
Astrid Kirchhof: Aber wo ist denn da der Unterschied? Sie sind ja versorgt worden. Was wäre denn anders gewesen, wenn's als Berufskrankheit anerkannt gewesen wäre? #01:43:25-2#
Hans-Georg Fischer: Jaa, da hätte ich, da hätte ich, da hätte ich zu meiner Rente noch was dazu gekriegt. #01:43:27-8#
Astrid Kirchhof: Ach so. #01:43:28-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Paar Pfennige mehr. Aber... nee, ich hab, ich hab einen Kollegen, der war mit mir in der Grubenwehr. Der hat das durch. Den hab ich oben im Krankenhaus getroffen. Da lag mein Schwiegervater drin, der ist auch an Krebs gestorben. Meine Schwiegermutter auch. Schwiegervater vor vier Jahren und Schwiegermutter vor zwei Jahren (räuspert sich). Meine Mutter ist an Krebs gestorben schon mit 57. Und den hab ich dort eben getroffen, wo der Schwiegervater drin lag. Der war mit mir in der Grubenwehr. Der war... 52 Jahre alt. Lungenkrebs. Hatte auch die unter-Tage-Jahre voll. Hätte mit 55 in den Vorruhestand gehen können. Aber die Zeit hat nicht gereicht. Die anderthalb Jahre krank. Da hätte zwischendrin noch ein Jahr gefehlt bis zum 55sten. Der hätte arbeiten gehen müssen, das ging nicht, weil er 100-prozentig geschädigt war. Ja, also 100 Prozent schwerbeschädigt. Der musste EU-Rente beantragen. Der konnte sich die ganzen Jahre an den Arsch wischen auf Deutsch gesagt. Hat 1000 Euro, hat 1000 Euro EU-Rente gekriegt. Und ist ein Vierteljahr später drin. Ehemaliger Arbeits... mit 52 oder was. Auch ein Kerl wie ein Baum. Auch jahrelang Hauer gewesen. #01:44:44-7#
Astrid Kirchhof: Also würden Sie sagen, die Anerkennung, dass nur Lungenkrebs anerkannt wird, das ist nicht in Ordnung? #01:44:49-5#
Hans-Georg Fischer: Nee, das ist nicht in Ordnung. Das ist ja auch, eben haben's ja auch gehabt, viele haben eine Teilrente gekriegt zu DDR-Zeiten, Vibrationsschäden. #01:44:57-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:44:58-2#
Hans-Georg Fischer: Weil sie alle, früher haben sie ja nur mit der Hand gebohrt. Und die sind alle, ich kenne da Fälle, zur Wendezeit wieder eingestellt worden. Da wurden die Prozente weggenommen. Du musst heute sozusagen 100 Prozent nachweisen können, dass es von dem ist. Und wenn du das nicht kannst, brauchst du gar nicht klagen. Bringt nichts, da hast du keine Chance. Das ist das... #01:45:20-6#
Astrid Kirchhof: Und das sind schon finanzielle Einbußen, die man da hinnehmen muss? #01:45:23-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, aber es... wenn du, wenn du, du zum Beispiel wie ich nicht in den Vorruhestand gehen kannst, und musst jetzt noch mal nach der Erkrankung weiter arbeiten, und kannst nicht, und musst dann EU-Rente, dann hast du ganz schöne Einbußen. Dann hast du ganz schöne Einbußen. #01:45:41-9#
Astrid Kirchhof: Würden Sie sagen, also jetzt die Wende, wie Ihr Leben weitergegangen ist, das ist eigentlich alles gut verlaufen? #01:45:49-1#
Hans-Georg Fischer: Ich hab, ich hab auf Deutsch gesagt, Glück gehabt. Würde ich so nennen. Ich hab Glück gehabt, ich hab dem, ich bin in Arbeit geblieben. Alles andere hat gepasst. Bis auf die Erkrankung, aber sonst bin ich eigentlich so, wie es jetzt bis jetzt gelaufen ist, voll zufrieden. Auch mit der Rente. Weil so viel Rente muss erst mal da sein, na gut... #01:46:10-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:46:11-2#
Hans-Georg Fischer: Das ist es ja, ne. Also dadurch, ich hab's jetzt gelesen, eine Durchschnittsrente beträgt 800 (unv.) #01:46:16-3#
Astrid Kirchhof: Ja, 800, 900, hmm. Aber Sie kennen auch andere Kollegen und Schicksale, denen es nicht so gut nach der Wende... #01:46:24-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, genauso ist es. Ich kenne auch Kollegen, die haben, die haben auch von ihrer Rente nichts gehabt. Die sind einen Monat später, wo sie in Altersrente gegangen sind, gestorben. Gab's auch. Steckst du nicht drin. #01:46:35-1#
Astrid Kirchhof: Aber insgesamt würden Sie sagen, auch die Versorgung, also Ihrer Erkrankung, das war in Ordnung? Sie sind gut versorgt worden? #01:46:41-4#
Hans-Georg Fischer: Das ist ja hier ärztemäßig alles... ich hab, wie gesagt, bei sowas brauchst du viel Glück. Du brauchst eine zeitige Erkennung. Du brauchst einen guten Arzt, der dich operiert. Du brauchst eine gute Nachsorge. Du brauchst einen starken eigenen Willen. Wenn du den nicht hast, brauchst... kannst du gleich den Kopf in Sand stecken. Wir haben welche gehabt hier, die sind in, sind in, war ich ja auch hier, die sind, hab ich nur gehört, die sind dann hinaus, haben Stricke bekommen (schnalzt). #01:47:13-5#
Astrid Kirchhof: Wie war denn das, diese Diagnose für Ihre Frau und Ihre Töchter? #01:47:19-9#
Hans-Georg Fischer: Die haben's genommen wie es kommt. Was willst du machen? Wenn ich weggewesen wäre, wäre ich weggewesen. Ich habe ja, ich muss sagen, ich hab auch, ich wollte ja weiterleben. Ich hab ja gesagt, ich will was von meinen Enkeln haben. Ich will noch was von meiner Rente haben. Und dann, das war eigentlich der Faden, wo ich mich dran aufgerieben habe hier. Und nicht dran gedacht und immer gesagt, hier, du kannst (unv.). Ich schaff das. Ja gut, wenn ich älter gewesen wäre (unv.), weiß ich nicht, ob ich's geschafft hätte. Ich hätte es auch so nicht schaffen können, aber zu dem Zeitpunkt haben wir uns selbst gesagt, du musst, du musst das schaffen. Hmm. So ist das, hmm. Nicht einfach. #01:47:53-8#
Astrid Kirchhof: Sie haben doch gesagt vorher mal zu mir, Sie würden es wieder so machen. #01:47:57-4#
Hans-Georg Fischer: Ich würde es wieder so machen. Ich würde wieder den Beruf erlernen. Wüsste ich hundertprozentig. Weil es hat Spaß gemacht. Es war was Anderes. Es war eine Herausforderung. Du hast nicht jeden Tag dasselbe gemacht. Klar, der Arbeitsablauf war dasselbe. Aber du standest immer wieder vor einer anderen Herausforderung. Weil, wie gesagt, es heißt nicht umsonst: Ich bin Bergmann, wer ist mehr? #01:48:22-0#
Astrid Kirchhof: Und das empfinden Sie auch so? Also, dass trifft für Sie voll zu? #01:48:24-4#
Hans-Georg Fischer: Ich steh dazu, dass ich, ich steh dazu, dass ich bei der Wismut war. Und ich war Bergmann mit Leib und Seele. Das ist... wird auch so bleiben. #01:48:33-3#
Astrid Kirchhof: Aber das kann ja nicht nur an der Finanzierung gelegen haben? #01:48:35-7#
Hans-Georg Fischer: Nee. Also, wie gesagt, ich... du bist dann, wie gesagt du bist hineingewachsen. Du hast das gesehen, was es alles gibt, was, was du machst und das und... dann hast du dich auch für Technik begeistert. Die unter-Tage-(unv.). Und das und jenes. Und wie könnte man das machen. Und... dann haben wir, wir haben zum Beispiel hier auch als Brigade MMM-Aufgaben gehabt. Messe-Meister von morgen, wie kannst du wenigstens tüfteln, wie kannst du da, hast dir einen Kopf gemacht. Wie könnten wir Material einsparen? So und so. Hast es eingereicht, ist es durchgegangen, hast es gepackt, hast du eine Prämie gekriegt für Brigadekasse. So ist das da gelaufen. Ja, das ist... im Endeffekt, wenn du es so nimmst, der Kreislauf schließt sich immer wieder und es geht wieder wie immer ums Geld (lacht). Ist so. Ohne Geld ist nicht. #01:49:16-7#
Astrid Kirchhof: Hat Sie diese moderne Technik finanz... finanziert, jetzt bin ich auch schon ganz... #01:49:21-4#
Hans-Georg Fischer: (Lacht) #01:49:22-0#
Astrid Kirchhof: ...fasziniert? War das...? #01:49:23-0#
Hans-Georg Fischer: Jaa, das war, war was Neues. Das ist gut. Früher haben sie ja noch mit alter Technik. Aber jetzt... fasziniert hat mich am meisten dann hier in der, im Haldenabtrag, die riesen Maschinen. Das war... du als kleiner Kerl und arbeit... es war ja bloß ein angelernter Beruf. Du warst ja nicht ausgebildet. Du bist ja bloß angelernt worden. Du bist dahingekommen worden. Die haben dich da von der Cat-Staffel, die haben dich eine Woche angelernt. Und dann musstest du die Bude alleine bedienen. Und da hast du dich nach und nach hineingefuchst. Das war über Tage genauso. (Pause). Na klar, du hast eine Lehre abgeschlossen und hast, und hast Arbeit gekriegt. Heutzutage, da sieht das ganz anders aus, ne. #01:50:01-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #01:50:01-5#
Hans-Georg Fischer: Du bist dann fertig und kriegst du keine Lehrstelle. #01:50:02-7#
Astrid Kirchhof: Eben, ja. #01:50:04-7#
Hans-Georg Fischer: Und vor allen Dingen, das war schon, vor allem, dass ich dann noch in der Betriebsbrigade geblieben bin, wo ich gelernt hab, am Schluss, das war schon, war schon gut. #01:50:12-7#
Astrid Kirchhof: Das wollten Sie auch #01:50:13-8#
Hans-Georg Fischer: Das wollte ich auch. #01:50:14-5#
Astrid Kirchhof: ...und das war ein bisschen wie zu Hause, oder? #01:50:15-9#
Hans-Georg Fischer: Vor allen Dingen war in der, waren in der Brigade bestimmt fünf oder sechs Abiturienten, die nicht weitergemacht haben. Ich war der siebente (lacht). #01:50:24-1#
Astrid Kirchhof: Und warum haben die nicht weitergemacht? #01:50:25-6#
Hans-Georg Fischer: Genau um das, genau dasselbe wie ich. Die sind alle schon älter gewesen, aber die haben eben vorher auch Berufe... mit Abitur gemacht. Haben aber auch nicht studiert. Sind in der Brigade geblieben, weil sie Geld brauchten. #01:50:34-4#
Astrid Kirchhof: Ach so, okay. Was heißt denn, apropos Geld, Lohngruppe... #01:50:37-2#
Hans-Georg Fischer: Lohngruppe Sechs. #01:50:38-0#
Astrid Kirchhof: ... Sechs Eins? #01:50:38-9#
Hans-Georg Fischer: Als, als Hauer hast du die Lohngruppe Sechs Eins gehabt. Und dann gibt's die Sechs Zwei. Dann bist du dann Sprenghauer oder (unv.)Lader oder... Dings, sag schon, Lehrfacharbeiter. Und als Brigadier hast du dann die Sieben gekriegt. #01:50:54-4#
Astrid Kirchhof: Und es gab auch Lohngruppe Eins? #01:50:56-7#
Hans-Georg Fischer: Ja, aber nicht als Hauer. Hauer, Hauer hat prinzipiell die Lohngruppe Sechs gehabt. #01:51:01-0#
Astrid Kirchhof: Okay, aber das gab's. Das heißt, man war schon ziemlich weit oben eingruppiert? #01:51:03-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, das ist, auf alle Fälle. #01:51:05-1#
Astrid Kirchhof: Gab's auch Acht? #01:51:05-9#
Hans-Georg Fischer: Ja. Hab ich gekriegt, dann am Schluss. 88 [1988]. #01:51:10-0#
Astrid Kirchhof: Okay. Das war dann mit Arbeits... #01:51:11-8#
Hans-Georg Fischer: Quali, Qualifizierungszuschlag. #01:51:13-2#
Astrid Kirchhof: Aha. #01:51:14-0#
Hans-Georg Fischer: Vom Betriebsdirektor. #01:51:14-6#
Astrid Kirchhof: Und gab's auch noch Neun? #01:51:16-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, als Hauer nicht. #01:51:17-2#
Astrid Kirchhof: Aber das gab's? #01:51:18-3#
Hans-Georg Fischer: Jaa, die gab's dann zum Beispiel, Bereichsleiter, sowas. Die haben eine höhere Lohngruppe gehabt, das ist doch klar, ne. #01:51:25-7#
Astrid Kirchhof: Okay, das gab's. #01:51:26-3#
Hans-Georg Fischer: Aber bei den Hauern ging's eben bloß von der Sechs bis zur Sieben. #01:51:29-3#
Astrid Kirchhof: Und wann war Schluss? Was gab's nicht mehr, welche Lohngruppen? #01:51:31-6#
Hans-Georg Fischer: Das weiß ich nicht. Das ist... ich weiß nicht. Ich weiß ja nicht, was die irgendwie bis hierhin, Betriebsdirektor, der wird schon so 10.000 verdient haben. #01:51:38-7#
Astrid Kirchhof: Und hier ist ihr Überleitungsvertrag. Ich muss gerade mal schauen, wann das war. 76 [1976]? #01:51:42-6#
Hans-Georg Fischer: 85 [1985]. #01:51:43-5#
Astrid Kirchhof: 85 [1985]. Ach ja, hier steht's, 85 [1985]. Da sind Sie übergegangen vom... #01:51:49-4#
Hans-Georg Fischer: Bergbaubetrieb Reust... #01:51:50-4#
Astrid Kirchhof: Reust. #01:51:50-7#
Hans-Georg Fischer: ...nach Bergbaubetrieb Drosen. #01:51:52-7#
Astrid Kirchhof: Drosen. Weil der wurde neu eröffnet, haben Sie erzählt? #01:51:55-3#
Hans-Georg Fischer: Der wurde neu eröffnet, ja. #01:51:56-7#
Astrid Kirchhof: Und die brauchten jemanden? #01:51:58-5#
Hans-Georg Fischer: Da wurde die ganze Brigade delegiert und wurde umgesetzt. #01:52:02-0#
Astrid Kirchhof: War das dann... ich kann mir das schwer vorstellen, waren Sie da weit... waren die weit auseinander weg? Oder ein weiterer Arbeitsweg? #01:52:07-3#
Hans-Georg Fischer: Nö, nö, nö. Das ist ja alles, alles mit der Eisenbahn verbunden gewesen. #01:52:10-9#
Astrid Kirchhof: Ah ja. #01:52:11-4#
Hans-Georg Fischer: Das ist ja alles hier, alles um Ronneburg rundherum. Alles... der ganze Laden zentral. #01:52:15-1#
Astrid Kirchhof: Okay. #01:52:16-1#
Hans-Georg Fischer: Dieses Bergbaugebiet. #01:52:17-1#
Astrid Kirchhof: Was ich interessant finde ist, was Sie vorher gesagt haben, dass diese Abbau bis 2020 [2020], bis zu diesem Jahr gedauert hätte. Also Sie waren ja dann nur noch vier Jahre oder fünf, und dann war Schluss. Aber eigentlich wäre es noch 15... #01:52:30-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja, wär noch 15, 15, 20 Jahre... #01:52:32-7#
Astrid Kirchhof: Das war hier weiter. #01:52:32-8#
Hans-Georg Fischer: ... wäre es noch gegangen. Der wär dann abgefahren worden, wieder zurück, wenn es immer weniger wird. Und dann wäre der Betrieb saniert worden und wäre geschlossen worden. Wie alle anderen Bergbaubetriebe auch. So war es in der Grafik eigentlich dargestellt. #01:52:43-0#
Astrid Kirchhof: Hmm. Und war jetzt die Gehaltsgruppe da im Grunde genommen so wie, wie es hier auch war? #01:52:48-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. Ja. Aber als Brigadier dann schon mit der Sieben. #01:52:51-4#
Astrid Kirchhof: Ahh, Sechs, Zwölf. #01:52:52-5#
Hans-Georg Fischer: Sechs, Zwölf, ja. Das ist so wie die Sieben ungefähr. #01:52:54-9#
Astrid Kirchhof: Die Sieben, okay. Also schon ein bisschen höher. Okay. #01:52:58-2#
Hans-Georg Fischer: (Räuspert sich) Was wollen wir noch? #01:53:00-9#
Astrid Kirchhof: Was haben Sie denn noch Schönes? #01:53:02-2#
Hans-Georg Fischer: Ich hab noch... wollen wir mal gucken. Das sind zum Beispiel... die Marken. So. Da musstest du... eine, eine oben, also oben hängen. Wegnehmen. Dass du, dass die wissen, dass du eingefahren bist. #01:53:20-2#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. #01:53:21-4#
Hans-Georg Fischer: So. Das ist eine Sprengmarke. Die hast du in deine Sprengtafel gehangen. Und die musstest du Schichtende, wenn du wieder raus bist, musstest du die wieder abnehmen. #01:53:30-7#
Astrid Kirchhof: Okay. #01:53:31-3#
Hans-Georg Fischer: Sonst konnten sie nicht sprengen zentral. Damit die wissen, dass die Leute heraus sind. Die, die Marke hast du gehangen, wenn du jetzt zum Beispiel auf der minus 45 eingefahren bist ins Sprenggebiet. Oder ins Abbaugebiet. Und bist auf der minus 600 ausgefahren. Da ist oben die hängengeblieben und unten hast du die gehängt. Da haben die gewusst, dass du gewechselt hast und bist raus. Dass sie Kontrolle hatten. Und bei uns in Drosen war es dann noch so, du hast an der, an der Lampe einen Jeton gehabt. Und wenn du eingefahren bist, hast du unter Tage jetoniert. Musstest du hineinschieben. Wenn du ausgefahren bist, musstest du über Tage jetonieren. Das war noch einmal eine Kontrolle, dass du aus der Grube raus bist. Nicht, dass irgendwo einer verloren geht oder sonst was. Das sind eigentlich die Marken. #01:54:09-0#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. Das dient eigentlich der Sicherheit... #01:54:10-4#
Hans-Georg Fischer: Das dient eigentlich der Sicherheit. #01:54:11-2#
Astrid Kirchhof: ...der Bergmänner? #01:54:11-6#
Hans-Georg Fischer: Genauso ist es. Dass da keiner verloren geht und dass sie alle wieder heile und gesund aus dem Bergwerk raus sind. #01:54:16-5#
Astrid Kirchhof: Und da musste man auch, also die Farben waren auch wichtig? Wo die... #01:54:19-7#
Hans-Georg Fischer: Die Farben waren auch wichtig, ja ja. Wo die hier zu hängen ist. Und da hast du hier die, da hast du hier die Berechtigungsscheine. Die von unter Tage sind hier. Hier steht oben noch was drauf, hier. Alles, was du unter Tage bedienen, bedient hast hier. Was steht denn hier, H-Brigadier, das ist Bohrwagen, Bunkerlader und wie gesagt... #01:54:37-2#
Astrid Kirchhof: Und was ist ein Berechtigungsschein? #01:54:39-2#
Hans-Georg Fischer: Den, den musstest du vorweisen, dass du, dass du in der Lage bist, die Maschine... den musstest du haben, dass du in der Lage bist, die Maschine zu bedienen. Wenn einer vom Gesundheits... (räuspert sich) ...Arbeitsschutz gekommen ist und du hattest den Schein nicht, dann durftest du die Maschine nicht bedienen. #01:54:52-4#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #01:54:53-7#
Hans-Georg Fischer: Wegen, wieder wegen Gesundheits- und Arbeitsschutz. Dass nichts passiert. Weil du dann nicht berechtigt bist, dich nicht auskennst. #01:54:58-0#
Astrid Kirchhof: Das ist aber für Hauertätigkeiten? #01:55:00-0#
Hans-Georg Fischer: Das ist für Hauer, alles für Hauertätigkeiten. Das ist alles unter Tage auch so. Da hab ich noch einen Berechtigungsschein gehabt als Sprengschneider. Sprengschneiderarbeiten mit Schweißbrenner unter Tage. Das war dann für die Sanierung unter Tage. #01:55:11-1#
Astrid Kirchhof: Ach, das war, das war schon 92 [1992]. #01:55:13-1#
Hans-Georg Fischer: Ja, war Sanierung unter Tage. #01:55:14-5#
Astrid Kirchhof: Die, die, aha. Dass die genauso aussahen... #01:55:16-6#
Hans-Georg Fischer: ...und, ja. #01:55:18-0#
Astrid Kirchhof: 92 [1992], die... Pass? Wie sagt man dazu? #01:55:21-8#
Hans-Georg Fischer: Berechtigungsscheine. #01:55:22-6#
Astrid Kirchhof: Berechtigungsscheine. Eigentlich sehen die aus wie nach 45 [1945]. #01:55:26-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, das ist so. #01:55:28-3#
Astrid Kirchhof: Hat sich gar nicht viel geändert. #01:55:29-9#
Hans-Georg Fischer: Nee. Sowas, was ich nicht mehr hab, ist ein Wismut-Ausweis. Den musste ich abgeben. #01:55:32-7#
Astrid Kirchhof: Ach so. #01:55:33-4#
Hans-Georg Fischer: Den, den, wo du hinten deine Stempel drauf hattest. In welchen Bergbaubetrieb du durftest. #01:55:37-6#
Astrid Kirchhof: Ach so! #01:55:38-2#
Hans-Georg Fischer: Du durftest nicht mit deinem Ausweis in jeden Bergbaubetrieb. Du hast, jeder Bergbaubetrieb hatte seinen eigenen Stempel. Und wenn du, wenn du den Stempel nicht drauf hattest, bist du in einen anderen Bergbaubetrieb nicht hineingekommen. #01:55:47-3#
Astrid Kirchhof: Und warum, was war da? #01:55:48-6#
Hans-Georg Fischer: Wegen der Sicherheit wieder. #01:55:49-1#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay, hmm hmm. #01:55:50-7#
Hans-Georg Fischer: Und dann hab ich hier noch einen Schein. Das ist hier... Bedienung hier... Loks unter Tage. Elektroloks. #01:55:56-5#
Astrid Kirchhof: Wann, von wann ist denn das? 91 [1991]. Ist auch nach der Wende. #01:56:00-2#
Hans-Georg Fischer: Das haben sie nach der Wende neu ausgestellt. Ja, das war auch schon (unv.). #01:56:02-9#
Astrid Kirchhof: Berechtigung... #01:56:04-0#
Hans-Georg Fischer: Ist mal einer verlorengegangen und so. Das ist... dann haben wir... dann haben wir hier... einen Sprengmittelberechtigungsschein. #01:56:20-6#
Astrid Kirchhof: Sprengmittelberecht... (lacht). #01:56:22-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, da durftest du das, wenn du den nicht hattest, durftest du nicht mit Sprengmitteln hantieren. Das ist... wurdest du überprüft. #01:56:28-4#
Astrid Kirchhof: Das ist aber, da sind Sie noch ganz jung. #01:56:31-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, den hab ich ja, den hab ich ja 82 [1982] erst gemacht. Weil als, wo ich von der Fahne wiedergekommen bin. Dass ich Sprenghauer geworden, bin ich Sprenghauer geworden. Und das wurde dann auch, da wurde alles drin geändert hier. Die Adresse dann, wo ich umgezogen bin. Wo ich dann im anderen Bergbaubetrieb... das ist dann alles drin geändert. Da hast du, da wurde dann auch immer verlängert. Der gilt bis soundsoviel Jahre. Und dann ist der verlängert worden. Da wurde das wieder überprüft, ob du noch berechtigt bist, das zu machen. Ob du noch sauber bist, auf Deutsch gesagt, ne. #01:56:57-8#
Astrid Kirchhof: Sauber, Stasi-sauber heißt das? #01:56:59-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, entweder so, ne. #01:57:00-8#
Astrid Kirchhof: Also es hing nicht vom medi... vom medizinischen Zustand ab? #01:57:03-8#
Hans-Georg Fischer: Nein! Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. #01:57:04-8#
Astrid Kirchhof: Sondern, ob du politisch sozusagen... #01:57:07-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, ob du politisch sauber bist, mit Sprengmitteln umzugehen. #01:57:09-4#
Astrid Kirchhof: Aha. #01:57:10-9#
Hans-Georg Fischer: Und das ist der Qualifizierungsnachweis damals, wo ich meinen Sprenghauer gemacht hab. #01:57:16-5#
Astrid Kirchhof: Sprenghauer... war das, war das noch eine Weiterbildung? #01:57:19-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. Das war zwei Wochen Weiterbildung. Wie du deine Scheibe abzubohren hast. Wie du sie zu besetzen hast. Sprengarbeiten durchführen. Ne. Und mit der Note Eins abgeschlossen (lacht). #01:57:32-4#
Astrid Kirchhof: Ich wollte gerade fragen, was ist denn die Eins hier. A, Eins. Sprengberechtigter unter Tage, erfolgte am 8.5.82 [8.5.1982]. Von der Zentrale Ausbildungsstätte für Bohr- und Sprengtechnik... #01:57:46-6#
Hans-Georg Fischer: Hmm, hmm. #01:57:47-1#
Astrid Kirchhof: ...Karl-Marx-Stadt, Wismut. #01:57:48-9#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Hier steht drin, was die An..., was die Ausbildung, was du da alles... #01:57:51-4#
Astrid Kirchhof: Also Grundlagen der Sprengtechnik. Allgemeine untertägige Sprengarbeiten. Sprengmittellagerung und -aufbewahrung. Sprengmitteltransport. Fachbezogene Arbeits-, Gesundheits- und Brandschutz. #01:58:04-5#
Hans-Georg Fischer: Hmm. #01:58:05-0#
Astrid Kirchhof: Auf Grundlage der geltenden rechtlichen Bestimmungen gemäß Lehrplan für die Ausbildungsstufe G Eins. 82 [1982]. Also das, diese Aus... Zusatzausbildung haben Sie noch gemacht, bevor Sie dann Brigadier geworden sind? #01:58:19-5#
Hans-Georg Fischer: Genauso ist es. Ich bin, bin 82 [1982], wo ich wieder bei der Brigade Pschiebel da (unv.) war, bin ich Erzsprenghauer geworden. Also die Qualifizierung zum Sprenghauer gemacht. Dann haben sie mich als Drittelhauer eingesetzt. Also verantwortlich war das Drittel in der Schicht. Hmm. #01:58:36-1#
Astrid Kirchhof: Ich muss das noch mal ganz kurz vorlesen. Das ist von Lenin: \"Die Arbeitsproduktivität ist in letzter Instanz das aller Wichtigste. Das Ausschlaggebende für den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung. Der Kapitalismus hat eine Arbeitsproduktivität geschaffen, wie sie unter dem Feudalismus unbekannt war. Der Kapitalismus kann endgültig beseitigt werden und wird dadurch endgültig beseitigt werden, dass der Sozialismus eine neue, weit höhere Arbeitsproduktivität schafft.\" #01:59:04-6#
Hans-Georg Fischer: Würde ich ihm aber recht geben. Und zwar, ich hab, kann Ihnen ein Beispiel sagen. #01:59:08-5#
Astrid Kirchhof: Ja. #01:59:08-9#
Hans-Georg Fischer: Und zwar... wo wir saniert haben, dann. Sind sie ja von sämtlichen westdeutschen Bergbaubetrieben gekommen, um zu gucken. Wir waren ja alle in Drosen. Auch Steinkohle. Und die konnten sich das nicht vorstellen, dass unsere Arbeitsproduktivität, Kubikmeter pro Mann und Stunde, höher war mit den Maschinen, die wir hatten, als die mit ihrer neuen Technik unter Tage in der Steinkohle. Das haben die nicht gerafft. Die lag im Schnitt, damals im Schnitt bei einer Arbeitsproduktivität von null Komma neun Kubikmeter pro Mann und Stunde. Und wir lagen im Schnitt über eins. #01:59:52-2#
Astrid Kirchhof: Und was würden Sie sagen, woran lag's? #01:59:55-6#
Hans-Georg Fischer: Wir haben aus dem, was wir hatten, mehr gemacht. Ist so. Wie gesagt, das ist alte Wichse, das sagen sie jetzt noch. Der Ostdeutsche, der hat besser gearbeitet. #02:00:10-4#
Astrid Kirchhof: Und war auch mit Leib uns Seele dabei und wollte auch...? #02:00:13-2#
Hans-Georg Fischer: Na, und vor allen Dingen hat er sich einen Kopf gemacht, wenn was kaputtgegangen ist, wie es weitergeht. #02:00:17-8#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:00:18-5#
Hans-Georg Fischer: Du hast dir Gedanken gemacht, wie kann man das, dass es trotzdem weitergeht. Auch, wenn es mal das und das nicht gab oder es hat das und das gefehlt. Das könnte man vielleicht so und so machen. Das hat der Wessi nie gemacht. Der hat sich auf den Arsch gesetzt. Der hat gesagt, ich warte, bis ein Schlosser kommt oder sonst was. #02:00:29-6#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:00:30-2#
Hans-Georg Fischer: Ich hab zum Beispiel... wir haben, wenn bei mir ein Bunkerlader als Beispiel der Vormotor kaputtgegangen ist oder Hubmotor. Das waren Lamellenmotoren, die wurden mit Druckluft angetrieben. Hast du den Schlosser angerufen. Und der ist gekommen, hat den gewechselt. Hat dafür sein Geld gekriegt, ja. Unter-Tage-Schlosser, die haben ja drei Schichten gemacht. Aber, weil die manchmal einen langen Anfahrtsweg hatten oder nicht erreichbar waren oder was, da hast du dir dann als Brigadier Gedanken gemacht. Da hast du gesagt, naja, das können... den können wir doch selber wechseln, ist doch nichts dabei. #02:00:56-3#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:00:57-0#
Hans-Georg Fischer: Da hast du dort zwei, drei Motoren drin gelassen. Die hast du als Reserve vor Ort hingelegt. Und wenn einer kaputt geht, hast du ihn selber gewechselt! Und schon konntest du weiter machen. Und bist nicht, hast keinen Stillstand gehabt. Und das zeichnet eben einen Ossi gegenüber einem Wessi aus. #02:01:08-3#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:01:08-9#
Hans-Georg Fischer: Das... und so... weil anders ging's nicht. Das ist... also, wir haben ja, wir haben ja... alles kann man auch nicht erzählen, was wir gemacht haben. Das ist... (lacht) #02:01:17-7#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:01:19-4#
Hans-Georg Fischer: Da haben wir viel gemacht, da haben wir viel gemacht. Das sind alles... #02:01:22-0#
Astrid Kirchhof: ...was man nicht hätte machen sollen, oder? #02:01:23-7#
Hans-Georg Fischer: Jaa, jaa. Das ist... das sind Bilder von unter Tage hier. Das bin ich. Das ist mein Abteilungssteiger. #02:01:33-2#
Astrid Kirchhof: Auch mit Ihnen? #02:01:33-9#
Hans-Georg Fischer: Ja. Bin ich noch mal mit dem Bohrwagen. Hier haben wir Bunkerladerreparatur. Das sind alles Bilder, die eigentlich... die durftest du eigentlich nicht machen, ne. Das ist... #02:01:43-0#
Astrid Kirchhof: Also heimlich gemacht. #02:01:44-8#
Hans-Georg Fischer: Ja. #02:01:45-3#
Astrid Kirchhof: Und das sind die 80er [1980er] Jahre, ne? #02:01:47-3#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Und das ist jetzt unter-Tage-Sanierung, wo wir den Schacht zugemacht haben. #02:01:51-7#
Astrid Kirchhof: Das waren die 90er [1990er] Jahre? #02:01:53-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. Mit meinen Kumpeln, mit meinen Kumpeln, mit meinen Kumpeln. #02:01:55-0#
Astrid Kirchhof: Sind Sie das? #02:01:56-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, hier, der Rechte. Rechte und hier. #02:01:57-6#
Astrid Kirchhof: Der Rechte. #02:01:58-6#
Hans-Georg Fischer: Ja. Da haben wir Schacht (unv.). Da sehen sie aus... hier, nur in Gummiklamotten, die ganze Schicht. Wasser und dreckig und Schlamm und Scheiße und... #02:02:04-1#
Astrid Kirchhof: Das sind Sie? #02:02:05-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. Das waren die Schlosser, die über Tage waren. Hier waren die in der Röhre. #02:02:12-4#
Astrid Kirchhof: War das eigentlich schwierig, dann die Brigadierposition aufzugeben, die Leitungsposition? #02:02:17-4#
Hans-Georg Fischer: Nö, nö. nö, nö. Das Schlimmste war am Anfang, wo wir dann hier in der unter-Tage-Sanierung waren, da haben sie ja auch solche Kolonnen gegründet. Also Brigaden gab's ja keine. Das hieß ja dann Kolonne. Und, und du hattest dann fünf, sechs Brigadiere zusammen. Entweder Abbau oder Strecke, so. Und jeder hat's besser gewusst. Und die Alten sowieso. Die haben gedacht, wenn die jüngeren Rotzer hier, ne, aber da haben wir uns auch durchgesetzt. Das war schlimm, aber sonst... eigentlich nicht. Das ist alles ganz normal gelaufen. Du musstest ja an einem Strang ziehen. #02:02:54-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:02:55-1#
Hans-Georg Fischer: Du wolltest ja gesund aus der Grube rauskommen. Und das geht, das geht nur, wenn du dich auf deinen Nachbarn verlassen kannst. #02:03:00-6#
Astrid Kirchhof: Und da gab's aber einen Kolonnenleiter auch? #02:03:03-1#
Hans-Georg Fischer: Nee. Gab's nicht mehr. Das wurde dann... von, von sogenannten, wie gesagt, Abteilungssteiger oder was, wurde das dann gemanagt. Der hat dann die Schichten eingeteilt und alles. Drum, Kolonnenleiter gab's keinen mehr. Das ist dann alles abgewickelt worden. #02:03:15-8#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:03:16-8#
Hans-Georg Fischer: Und bloß noch die Leute zusammen. Der, der Abteilungsleiter, der hat oben die Schichten zusammengestellt. Soundsoviel Leute dort, und ihr müsst das und das machen. Den Auftrag. Und... haben wir ja dann bloß zwei Schichten gemacht. Wir haben dann ja sogar eine Zeit lang sogar Kurzarbeit gearbeitet. Gleich nach der Wende, wo das losging hier. Waren noch im Sanierungsabbau, 90 [1990]. Kurzarbeit gemacht. Wo sie in Schmirchau gestreikt haben unter Tage. Bis dann dieser, im Einigungsvertrag, das klipp und klar geregelt war, wie das mit... wie mit der Wismut verfahren wird. Wie das weitergeht. Wie das geregelt wurde mit der Rente, und, und, und. Abfindung und so weiter und so fort. #02:03:48-0#
Astrid Kirchhof: Ist in dieser, Ach so, na klar, in der Kurzarbeiterzeit, haben Sie auch Kurzarbeitergeld gekriegt? #02:03:53-3#
Hans-Georg Fischer: Ja, da haben wir... Nee, naja. Wir haben, das war so. Wir haben drei Tage gearbeitet. Und waren zwei Tage zu Hause. Und für die zwei Tage haben wir das Kurzarbeitergeld gekriegt. #02:04:01-2#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:04:01-9#
Hans-Georg Fischer: Das ging immer. War aber auch nicht lange. Und dann wurde das dann alles geregelt und da ging das dann los. Wie das schrittweise... da wurde dann, die haben das eben durchgeboxt, dass alle Leute umgeschult werden. Dass keiner entlassen wird und... darüf haben sie damals gestreikt in Schmirchau. Da saßen sie unter Tage. #02:04:16-1#
Astrid Kirchhof: War das die Gewerkschaft, die sich da eingesetzt hat? #02:04:17-6#
Hans-Georg Fischer: Mit, mit, mit. Die Leute selber haben damit angefangen. Die haben gesagt, entweder wir wollen hier einen anständigen Vertrag auf den Tisch und nicht einfach so, die Russen hauen ab und, und, und keiner weiß, was hier los ist und machen einfach zu hier. Auf Deutsch gesagt, hier alle hinaus. Und... #02:04:34-7#
Astrid Kirchhof: Haben Sie da auch gestreikt? #02:04:36-7#
Hans-Georg Fischer: Nee, wir haben in Drosen gearbeitet. Weil die haben eben nur in Schmirchau unter Tage gesessen und wir waren dann, wie gesagt, über Tage die drei Tage in Kurzarbeit. Und... #02:04:43-8#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:04:44-1#
Hans-Georg Fischer: ...weil, du konntest ja nicht nach Schmirchau, konntest dort einfahren, da hättest du die Klamotten mit rüber schleppen müssen. Konntest nicht mit normalen Klamotten einfahren. Hast ja dein Zeug nur in Drosen gehabt. #02:04:51-2#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:04:51-7#
Hans-Georg Fischer: Ja, da haben die da gestreikt. Und da wurde das dann alles durchgesetzt. Ja, das können wir alles wegtun. So (Hintergrundgeräusche). Was haben wir denn da? Da haben wir noch hier, da haben wir noch, das ist... das ist damals mit der Grubenwehr. #02:05:03-9#
Astrid Kirchhof: Also das war der Artikel, ne, wo, welche, welcher, welche Zeitung war das eigentlich? #02:05:09-1#
Hans-Georg Fischer: Das war die BILD-Zeitung. #02:05:10-2#
Astrid Kirchhof: Die... über dieses schlimme Unglück berichtet hat. #02:05:14-5#
Hans-Georg Fischer: 97 [1997] war das glaube ich. #02:05:15-9#
Astrid Kirchhof: Oh, das ist ja schlimm, dass der dann auch gestorben ist. #02:05:18-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, der war ja schon tot, ja, hmm. Das war... ein harter Einsatz. Wenn wir da hätten, wenn wir da hätten mit, mit, Gottseidank war dort durchgängige Bewetterung. Also Frischluftzufuhr. Wir brauchten dort nicht mit KWL rein. Wegen das... wenn wir das mit Gerät passiert hätten, hätten wir vielleicht vier oder fünf Tage gebraucht. Das wäre dann unmenschlich gewesen. Weil die ja, am Schluss haben die sogar noch die Grubenwehr aus Königstein geholt. Weil die Leute auf'm Zahnfleisch gekrochen sind. Auf Deutsch gesagt. #02:05:45-4#
Astrid Kirchhof: Als Sie damals zu dem Rettungseinsatz kamen, wussten Sie da schon, dass der Mann tot ist? #02:05:50-9#
Hans-Georg Fischer: Nee. Das haben sie erst, haben sie erst oben gesagt, wo wir dann oben in... in, in, in Aue, im Erzgebirge, waren. Dass der unten tot ist. Und da war dann auch der Staatsanwalt da. Der wollte eben, dass der Mann rauskommt. Damit das geklärt war, wie der ums Leben gekommen ist. #02:06:04-3#
Astrid Kirchhof: Ach so. Das wollte ich wissen, warum man den auch noch geborgen hat. Okay. #02:06:07-7#
Hans-Georg Fischer: Hmm, hmm, hmm, ja klar. Ja, genauso ist es. Und da hab ich dann, wie gesagt, dann hier, kurz vorm Ausscheiden aus der Grubenwehr... #02:06:17-3#
Astrid Kirchhof: Das war ja jetzt 2008 erst. #02:06:20-3#
Hans-Georg Fischer: Hmm, hmm. #02:06:21-0#
Astrid Kirchhof: Für Verdienste in Grubenrettungs..., im Grubenrettungswesen wird hiermit Herrn Hans-Georg Fischer die silberne Grubenwehrnadel verliehen. Das kriegt aber jetzt nicht jeder... #02:06:31-6#
Hans-Georg Fischer: Nee! #02:06:31-5#
Astrid Kirchhof: ... sondern nur bei besonderen Verdiensten. Und das hat auch damit zu tun? #02:06:34-5#
Hans-Georg Fischer: Nee, damit nichts zu tun. Das war für die Zeit, als ich in der Grubenwehr meine, meine Tätigkeit in der Grubenwehr, meine Pflicht dort erfüllt hab, bin ich dafür ausgezeichnet worden. #02:06:42-8#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:06:43-0#
Hans-Georg Fischer: Es gibt auch noch eine goldene. Gibt auch noch anderes Zeug, da vom Grubenrettungswesen, aber ich habe da eben das gekriegt. #02:06:50-4#
Astrid Kirchhof: Und kriegt man das von der Wismut? #02:06:51-8#
Hans-Georg Fischer: Nee! Das kommt von der Hauptrettungsstelle. Und die ist in Leipzig. #02:06:55-6#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. Hmm, hmm. #02:06:57-6#
Hans-Georg Fischer: Da ist die Hauptrettungsstelle. Wo das ganze Grubenwehrwesen in Deutschland. #02:07:01-5#
Astrid Kirchhof: Ach so, es hat also, ist gar nicht zugeordnet der Wismut? #02:07:04-6#
Hans-Georg Fischer: Nee! Da war, es gibt ja Grubenwehr im Kali. #02:07:07-0#
Astrid Kirchhof: Ahh! #02:07:07-6#
Hans-Georg Fischer: Alles, wo Bergbau ist, und größere Bergbaubetriebe sind, gibt's Grubenwehr. Steinkohle... #02:07:11-8#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:07:12-3#
Hans-Georg Fischer: ...gibt's zwar jetzt auch nicht mehr. Also, Beschluss. Da gab's überall Grubenwehren. Und die, die Hauptrettungsstelle ist in, in, in Leipzig. Und da mussten die Grubenwehrmitglieder auch alle soundsoviel Jahre hin, einmal in der Woche, zur Ausbildung. #02:07:25-4#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm, okay. #02:07:26-7#
Hans-Georg Fischer: Und da kommen sie aus ganz Deutschland, sozusagen. Werden dort weitergeschult. #02:07:30-9#
Astrid Kirchhof: Und Kohlebergbau ist da auch mit dabei? #02:07:32-7#
Hans-Georg Fischer: Kohle ist da auch mit dabei gewesen. #02:07:33-8#
Astrid Kirchhof: Okay, hmm, hmm. #02:07:34-6#
Hans-Georg Fischer: So! Was haben wir noch? Hier haben wir... das 25-jährige Dienstjubiläum. Gab's auch paar Fänge. #02:07:48-8#
Astrid Kirchhof: Wann ist denn das hier? Neunzehn... nee, 2001. \"25-jähriges Arbeitsjubiläum. Wir danken Ihnen für Ihre Mitarbeit in unserem Unternehmen. Hiermit verbunden sind unsere besten Wünsche für Ihre Gesundheit und Ihre persönliche Zukunft.\" Gab's da eine Feier dazu, oder? #02:08:11-0#
Hans-Georg Fischer: Ne, ne. Da gab's bloß, da gab's bloß Geld. Aufs Konto. Mit dem Lohn zusammen. #02:08:19-7#
Astrid Kirchhof: Auch nicht schlecht. Kann man brauchen. #02:08:22-8#
Hans-Georg Fischer: Ja (lacht), nun, Geld kann man immer brauchen! #02:08:24-5#
Astrid Kirchhof: Ja. Neunzehnhundertvier... #02:08:27-1#
Hans-Georg Fischer: Na, das Bild, das war bloß, das hab ich bloß da hineingelegt. So. Dann hab ich... (Hintergrundgeräusche) ...zu Ehren der Bergparade 88 [1988]... #02:08:42-8#
Astrid Kirchhof: Könnt ihr das sehen, oder? Ja? Urkunde... Sie hießen Meisterhauer. #02:08:50-2#
Hans-Georg Fischer: Meisterhauer. Meisterhauer der DDR. #02:08:53-0#
Astrid Kirchhof: Ist das, muss ich noch mal fragen, ist das Meister daran, dass man eine Meisterausbildung hatte... #02:08:57-5#
Hans-Georg Fischer: Nee, das ist, das ist... #02:08:58-0#
Astrid Kirchhof: ... oder das Meister war... Leistung... #02:08:59-1#
Hans-Georg Fischer: Das ist wie, das ist wie, Meister im Betrieb Drosen. #02:09:03-4#
Astrid Kirchhof: Ja. #02:09:03-9#
Hans-Georg Fischer: Als Hauer und als Auszeichnung für gute Führungsarbeit, gute Leistung unter Tage und, und, und. Deswegen hieß das Meisterhauer. Das nächste ist dann verdienter Bergmann der DDR. #02:09:15-0#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:09:15-8#
Hans-Georg Fischer: Gibt's auch noch. #02:09:16-5#
Astrid Kirchhof: Gab's da noch was drüber? #02:09:18-5#
Hans-Georg Fischer: Ja klar. Es gab dann, kannst du sagen, es gab Karl-Marx-Orden. Gab's dann, wie gesagt, Banner der Arbeit, Stufe eins, zwei und drei gab's noch. #02:09:29-7#
Astrid Kirchhof: Was, echt? #02:09:31-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, gab schon vieles. Kommt immer drauf an, wo, wo was, wer wo was ausgezeichnet worden ist. Aber bei der Wismut hat alles, vieles mit Bergbau zu tun gehabt, ja. Ja. #02:09:40-4#
Astrid Kirchhof: Also da war... was gab's nach Meisterhauer noch? #02:09:43-3#
Hans-Georg Fischer: Verdienten Bergmann der DDR. #02:09:45-1#
Astrid Kirchhof: Okay, aber das... okay. #02:09:47-9#
Hans-Georg Fischer: Wär aber vielleicht noch irgendwann möglich gewesen (lacht) #02:09:50-9#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:09:51-6#
Hans-Georg Fischer: (Lacht) Ich war ja noch jung! #02:09:53-0#
Astrid Kirchhof: Genau, Sie waren ja erst 30, ne? #02:09:54-8#
Hans-Georg Fischer: Mit achtund... mit 28. #02:09:56-2#
Astrid Kirchhof: Da ist das schon eine ganz schöne Auszeichnung. #02:09:58-1#
Hans-Georg Fischer: Mit 28 Meisterhauer zu werden, das kann man nicht so... #02:10:00-3#
Astrid Kirchhof: Das glaube ich. #02:10:00-9#
Hans-Georg Fischer: ...irgendwie. Das ist... das musst du erst mal packen. #02:10:03-8#
Astrid Kirchhof: \"Für vorbildliche bergmännische Arbeit, hervorragende Leistungen, Steigerung der Arbeitsproduktivität und Erfüllung der Staatspläne im Bergbau.\" #02:10:14-4#
Hans-Georg Fischer: Generaldirektor der Wismut hat da unterschrieben. #02:10:17-4#
Astrid Kirchhof: Wie hieß der? #02:10:18-5#
Hans-Georg Fischer: Das, ach, den Namen weiß ich nicht. Die haben dauernd irgendwie gewechselt. #02:10:21-3#
Astrid Kirchhof: Ach so. #02:10:21-6#
Hans-Georg Fischer: Alle soundsoviel Jahre. Und daraufhin habe ich dann auch... 89 [1989] einen Qualifizierungszuschlag gekriegt mit der Lohngruppe Acht. #02:10:34-0#
Astrid Kirchhof: Aufgrund dessen? #02:10:36-6#
Hans-Georg Fischer: Im Nachhinein, später. #02:10:38-1#
Astrid Kirchhof: Und... #02:10:39-1#
Hans-Georg Fischer: Vom Betriebsdirektor. #02:10:41-0#
Astrid Kirchhof: Betriebsdirektor... Vorsitzender? Was heißt BGL? #02:10:44-0#
Hans-Georg Fischer: Betriebsgewerkschaftsleitung. #02:10:45-5#
Astrid Kirchhof: Ahh. 89 [1989], ein Qualifizierungszuschlag... \"unsere erfolgreiche ökonomische Strategie. Der Weg zur weiteren Erhöhung des Lebensniveaus unseres Volkes.\" Wann war das? 1.5.89 [1.5.1989]. #02:11:02-6#
Hans-Georg Fischer: So. Wie gesagt, wir haben dann... wollt ihr die Bilder auch noch mal sehen von der... #02:11:07-7#
Astrid Kirchhof: Ja! #02:11:08-4#
Hans-Georg Fischer: ...von der Cat-Staffel? #02:11:08-9#
Astrid Kirchhof: Ja, ja! (Hintergrundgeräusche) #02:11:10-1#
Hans-Georg Fischer: Das war dann hier... Bediener Großraumtechnik. #02:11:14-2#
Astrid Kirchhof: Das war die Sanierung über Tage? #02:11:16-1#
Hans-Georg Fischer: Das ist unter Tage. Das kann weg. #02:11:18-0#
Astrid Kirchhof: Das ist unter Tage. Das war über Tage. Mit den amerikanischen Maschinen. #02:11:23-6#
Hans-Georg Fischer: Allein in die Schaufel passen 18 Kubikmeter Masse. Und da hast du auf diese, auf diese Mulde vier Schaufeln draufgehauen, da war die voll. #02:11:37-6#
Astrid Kirchhof: Wie jetzt noch mal? Man hat... #02:11:39-3#
Hans-Georg Fischer: Das sind, die, die, die 18 Kubikmeter Masse gehen hier in diese Schaufel. #02:11:42-6#
Astrid Kirchhof: Ja. #02:11:43-1#
Hans-Georg Fischer: Und da hast du hier auf diesem Muldenkipper, hast du vier solche Schaufeln draufgehauen, da war die Mulde voll. #02:11:48-5#
Astrid Kirchhof: Hmm, okay. #02:11:49-7#
Hans-Georg Fischer: Der Muldenkipper, der Muldenkipper hat 140 Tonnen Eigengewicht. Und 100 Tonnen hast du geladen. Und dann wurde das, die, die Mat..., die, hier das Haldenmaterial mit denen ins (unv.) gebracht und wurde von unten hier (unv.). #02:12:05-2#
Astrid Kirchhof: Das heißt... #02:12:05-6#
Hans-Georg Fischer: Scheibe für Scheibe. #02:12:06-1#
Astrid Kirchhof: Das heißt, so eine Mulde aufzufüllen ging eigentlich ganz schnell? #02:12:09-7#
Hans-Georg Fischer: Ja. Wenn du ein guter Laderfahrer bist, anderthalb Minuten. #02:12:15-2#
Astrid Kirchhof: Ah, das ist sehr schnell. #02:12:16-9#
Hans-Georg Fischer: Das ist ja... du, du musst dir das vorstellen, hier liegt die Masse #02:12:22-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:12:23-2#
Hans-Georg Fischer: So. Hier steht die Mulde. #02:12:24-2#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:12:24-8#
Hans-Georg Fischer: So. Hier hast du deinen Lader. Du fährst, du fährst so in die Masse rein. #02:12:28-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:12:29-2#
Hans-Georg Fischer: Fährst so zurück. Und fährst so an die Mulde ran. Und wir haben gelernt gekriegt, das Rad, eine halbe Radumdrehung muss der Weg sein. Das Rad ist 3,80 Meter im Durchmesser. #02:12:44-6#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:12:45-5#
Hans-Georg Fischer: So ein Rad hat damals D-Mark, 250.000 D-Mark gekostet. Und der Radlader ist der größte Radlader der Welt. #02:12:58-2#
Astrid Kirchhof: Und dann haben Sie quasi immer wieder, sind Sie so eingefahren, so... #02:13:01-2#
Hans-Georg Fischer: Die, die, die, die Raupe hat die Masse vom Hang runtergeschoben (klopft). Haufen für Haufen. Und du bist hineingefahren und hast die aufgeladen. Und hast deine Front, wie die die Raupe rumgeschoben, hast deine Front ausgeladen. Und immer weiter. Bis die, bis diese Scheibe weg war. Und dann ist die nächste Scheibe angefangen worden. Und so wurden die Halden nach unten abgetragen. Und alles in den Tagebau. #02:13:18-9#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:13:20-1#
Hans-Georg Fischer: Von unten her scheibchenweise sechs Zentimeter eingebaut, verdichtet. #02:13:24-7#
Astrid Kirchhof: Das heißt, Sie mussten mit dem, mit der Maschine gar nicht so weit fahren... #02:13:28-2#
Hans-Georg Fischer: Nee. #02:13:28-9#
Astrid Kirchhof: ...sondern das war wirklich so und so... #02:13:29-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, aber du musstest wie gesagt, du musstest aber die, die Schaufel, die Schaufel richtig füllen. Weil die haben ein Wiegesystem drin. Das sind hier zwei Lampen. Das sieht man jetzt hier nicht. Eine rote und eine grüne. #02:13:39-7#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:13:40-3#
Hans-Georg Fischer: Und wenn das rot geblinkert hat, dann war die, dann war die Tonnage noch nicht erfüllt. Die Lampe musste grün sein. #02:13:44-6#
Astrid Kirchhof: Ach so. #02:13:44-8#
Hans-Georg Fischer: Stehen. Dann war die erfüllt. Dann durfte die erst wegfahren. Und wenn sie, wenn du ein guter Laderfahrer warst, hast du das mit drei Schaufeln geschafft. #02:13:50-9#
Astrid Kirchhof: Wie lange hat denn das gedauert, um da Laderfahrerführerschein, einen zu bekommen? #02:13:55-9#
Hans-Georg Fischer: Überhaupt nicht. Eine Woche Anlernen. #02:13:58-7#
Astrid Kirchhof: Aha. #02:13:59-3#
Hans-Georg Fischer: Da ist einer von der, von der, von Caterpillar gekommen. Hat uns, hat mit uns Theorie gemacht. Und dann hat der uns auf der Karre eingewiesen auf Deutsch gesagt. Und dann haben wir dich alleine hantieren lassen. Alles andere musstest du nun selber aneignen. Die haben dann bloß von draußen geguckt. Ob du es packst oder nicht. Normalerweise brauchst du für sowas in, in, in, in, in, in, in... bei den Amis gibt's da einen richtigen Beruf. Ja, oder so. Und, und, und... Ausbildung danach. #02:14:27-2#
Astrid Kirchhof: Braucht man da Körperkraft, um...? #02:14:29-1#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee. Ist alles elektronisch. Das ist... solche kleinen Hebel hier. Und ein Gefühl brauchst du. #02:14:33-5#
Astrid Kirchhof: Schon. #02:14:34-0#
Hans-Georg Fischer: Weil du musst ja, du musst ja, wenn du hier, du musst ja die Schaufel in dem Moment oben haben, wenn du hier (klopft) an der Karre bist. Und dann musst du die Karre ja auch mittig laden. Du kannst nicht sagen, ich haue die Schaufel, alle Schaufeln bloß drüben hin, dass du einseitig... Da haben sie aufgepasst. Das musste in der Mitte dann so. Wenn hier hinten drin (klopft) die Kante ist, dann musst du das so, in der Mitte so sein. #02:14:51-4#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. Da, da brauchte man aber schon Erfahrung, und Übung ein bisschen? #02:14:56-3#
Hans-Georg Fischer: Jaa, Übung, Übung. Und wie gesagt, das ist aber eine Anlerntätigkeit gewesen. Dass auch die, die Mulden gefahren haben, das waren alles bloß Anlerntätigkeiten. #02:15:03-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:15:04-2#
Hans-Georg Fischer: Die waren alles früher Leute, die unter Tage gearbeitet haben. Und die sind dann hier auf solche Buden umgeschult worden. Und da haben wir das dann alles weggefahren bis... #02:15:13-3#
Astrid Kirchhof: Da, da wollte ich Sie vorher noch mal fragen, warum... Ihnen ist doch wahrscheinlich auch eine Abfindung angeboten worden, oder? #02:15:18-6#
Hans-Georg Fischer: Nee. Weil ich nicht gegangen bin, damals, wo, wo ich den Laufschein, den Laufschein gemacht hab. Wo sie mir den zerrissen haben und gesagt haben, du bleibst da für unter Tage. Da gab's keine Abf..., da gab's für mich keine Abfindung. #02:15:29-8#
Astrid Kirchhof: Aber wenn die sagen, du bleibst da, heißt doch eigentlich, Sie haben schon die Wahlmöglichkeit. Sie hätten auch gehen können. #02:15:34-6#
Hans-Georg Fischer: Ich sollte, naja. Ich hätte gehen, aber ich wäre doch dageblieben. Bin doch lieber dageblieben. Da hab ich doch, da hab ich doch eine Zukunft gehabt. Draußen hätte ich nicht gewusst, was ich für eine Zukunft hab. #02:15:41-2#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:15:41-9#
Hans-Georg Fischer: Darum habe ich gesagt, die Abfindung, da hättest du vielleicht, hättest du auch 50.000 gekriegt oder was. Na und, die hättest ruck zuck durchgebracht. Und dann hättest du keine Arbeit gehabt, was hättest du denn dann gekonnt? #02:15:48-9#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:15:49-5#
Hans-Georg Fischer: So ist es alles anders gelaufen. #02:15:50-6#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm, verstehe. #02:15:52-1#
Hans-Georg Fischer: Nee. Das ist... von daher, da kannst du den mal mit, kannst du dann auf die Abfindung verzichten. Weil du über die Jahre, die du ja weitergearbeitet hast, hast du die Abfindung zehnmal reingeholt. #02:16:01-7#
Astrid Kirchhof: Ja, ja, ja, ja, ja. #02:16:02-4#
Hans-Georg Fischer: Eine Abfindung habe ich ja dann am Schluss ja trotzdem gekriegt, wo ich gegangen bin. #02:16:05-1#
Astrid Kirchhof: Ach so (lacht). #02:16:06-5#
Hans-Georg Fischer: Wo ich mit 55 in den Vorruhestand gegangen bin, da habe ich Abfindung gekriegt. #02:16:09-8#
Astrid Kirchhof: Ach so, das ist natürlich auch nicht schlecht. #02:16:11-1#
Hans-Georg Fischer: Hmm, hmm. Die gibt's jetzt auch nicht mehr. Jetzt kriegst du, jetzt gibt's auch keine Abfindung mehr. Das war damals auch alles ausgelaufen. Weil ich einer der Letzten war mit, der mit 55 in den Ruhestand gegangen bin. In den Vorruhestand. Dann gab's keine mehr, die das erreicht hätten. Und da haben sie das alles abgeschafft. #02:16:25-2#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:16:26-2#
Hans-Georg Fischer: Aber von der Abfindung, die hast du... ich hab damals, wo ich im Januar aufgehört hab, gab's die (klopft) Abfindung. (Klopft) Gab's Lohn für den Monat noch mal. (Klopft) Gab's das Weihnachtsgeld, was es für das Jahr gab. Gab's auch noch. Und das Urlaubsgeld. Und dann habe ich noch, Westlohn, Westurlaub gehabt vom alten Jahr. Weil ich den nicht nehmen konnte, weil ich da krank war. Das habe ich alles auf einmal gekriegt. #02:16:49-2#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:16:50-2#
Hans-Georg Fischer: Und da stand eine Summe drauf, X, Pipapo. Und dann guckst du unten drunter, was du raus kriegst. Weil dich da (stottert) wechselt. Ja. Falls du das nicht alles einmal... das haben die alles (unv.) gesagt, Schluss, aus, jetzt ist vorbei. Der hört auf. Wird alles ausgezahlt. Weil es im, im, im Tarifvertrag so drinne stand, dass du noch mal Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und alles kriegst. Und das wurde alles in einen Topf gehauen. Haben die die Summe ausgezahlt. Und da drauf hast du dann Lohnsteuer bezahlt, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm (klopft). Aber ich habe eben noch was gekriegt (lacht). #02:17:16-7#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:17:18-0#
Hans-Georg Fischer: Ja, das ist dann hier... ist dann noch... #02:17:19-6#
Judith Schein: Können wir ganz kurz Licht anmachen? #02:17:21-8#
Hans-Georg Fischer: Ja. #02:17:22-3#
Judith Schein: Es ist ein bisschen dunkel. #02:17:23-2#
Hans-Georg Fischer: Der, der, der oberste Schalter (Licht wird angeschaltet). Und das ist dann noch mal hier Flächensanierung. Wo das Schluss war. #02:17:33-6#
Astrid Kirchhof: Ah, okay. #02:17:34-8#
Hans-Georg Fischer: Da bin ich dann aufm... aufm Kettenbagger und hab hier die, die, die... was die Betriebsflächen waren, die wurden dann saniert, ne. Alles wurde, das ganze alte schwarze Gelumpe, was von der Wismut war, also, wurde ja früher viel mit Dämmmaterial aufgefüllt. Das wurde alles abgearbeitet. Auf Kipper verladen und mit in den Tagebau gefahren. Und dann wurden die Flächen wieder mit normalem naturalem Boden, entweder Mutterboden oder Lösslehm oder was aufgefüllt. Und dann bepflanzt oder irgendwie so (unv.) draufgebaut oder sonst was, ne. Weil die Betriebsflächen wurden alle weggemacht. #02:18:07-7#
Astrid Kirchhof: Also dass Sie hier solche Maschinen fahren konnten, war da hilfreich? #02:18:11-8#
Hans-Georg Fischer: Nö. #02:18:12-4#
Astrid Kirchhof: Nö? #02:18:12-8#
Hans-Georg Fischer: Nö. Weil ich hab ja, ich hab ja, bevor ich da hingekommen bin, einen, einen, einen DEKRA-Schein für Erdbaumaschinen gemacht. Als Erdmaschinenbauführer. Da (klopft) hab ich das ja gelernt. #02:18:20-9#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. #02:18:21-8#
Hans-Georg Fischer: Und deswegen bin ich da wieder hingegangen, gleich dort hingekommen, nachdem hier... #02:18:24-6#
Astrid Kirchhof: Wie lange war die Ausbildung? Oder dieser... #02:18:27-0#
Hans-Georg Fischer: Der, der, das war, das war bei der DEKRA. Zwei Wochen. #02:18:30-9#
Astrid Kirchhof: (Lacht) Okay. #02:18:31-8#
Hans-Georg Fischer: Da hast du sämtliche Erdbaumaschinen durchgewälzt gekriegt. Und wie gesagt, ich kann (klopft) sämtliche Bagger fahren. Vom (klopft) Minibagger (klopft) bis zum größten Kraftbagger. (Klopft) Walze, anderes Zeug, Raupe, und und und. Und das war mal wieder hilfreich. Da habe ich mal meine Tochter auf'n Bagger gesessen. Und hab beim Hausbau die Außenanlagen gebaut (klopft). Da brauchte die keine kaufen. Also kein, keine Firma bestellen. #02:19:02-5#
Astrid Kirchhof: Das ist natürlich super. #02:19:03-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. #02:19:05-1#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:19:06-2#
Hans-Georg Fischer: Also, wie gesagt, ich hab eine, in der Beziehung bin ich eigentlich Allround. Durch die Grubenwehr auch. Mein Nachbar, der hatte hier auch an der Ecke fünf Fichten stehen. Die sollten weg. Die waren 30 Meter hoch. Die hab ich weggemacht von oben nach unten. #02:19:21-6#
Astrid Kirchhof: Und wo haben Sie so einen Bagger hergehabt? #02:19:23-6#
Hans-Georg Fischer: Nee, nicht mit dem Bagger. Mit der Hand. Fallschutzmittel von der Grubenwehr angehangen, hinaufgeklettert. Und von oben her nach unten abgesägt. #02:19:31-6#
Astrid Kirchhof: Abgesägt mit der Hand? #02:19:32-9#
Hans-Georg Fischer: Nee, mit der Kettensäge. #02:19:33-9#
Astrid Kirchhof: Ahh, mit der Kettensäge. #02:19:34-9#
Hans-Georg Fischer: Kettensäge, und am Schluss mit der Hand. Fallschutzmittel von der Grubenwehr, das habe ich alles noch da. Wir haben uns bei einer Grubenwehrübung in der Talsperre Eibenstock, ich weiß nicht, ob das Ihnen was sagt, das ist im Erzgebirge, außen als Übung an der Staumauer abgeseilt. 100 Meter. Über das Geländer oben gestiegen, und dann abgeseilt. Das war eine Übung. Ist auch nicht jedermanns Sache. Wenn du über das Geländer steigst und dann hinunter. #02:20:05-3#
Astrid Kirchhof: Hmm, geht's nur noch... #02:20:06-6#
Hans-Georg Fischer: Du guckst zwar auf die Staumauer drauf in dem Moment. Also nicht im freien Fall, aber... hmm, das Letzte, das waren richtige Klunker hier oben, hier. #02:20:17-7#
Astrid Kirchhof: Na dann schauen wir uns ganz kurz da rein... #02:20:19-2#
Hans-Georg Fischer: Dann haben wir auch noch, dann haben wir noch das Brigadetagebuch und dann haben wir es geschafft. #02:20:22-6#
Astrid Kirchhof: Genau (Pause) #02:20:28-3#
Hans-Georg Fischer: (Hintergrundgeräusche, Klopfen). Das ist das Brigadetagebuch meiner ehemaligen Brigade. #02:20:35-3#
Astrid Kirchhof: Und das haben Sie geführt? #02:20:36-9#
Hans-Georg Fischer: Erst mein, erst mein... #02:20:37-6#
Astrid Kirchhof: Also weitergeführt? #02:20:38-4#
Hans-Georg Fischer: Erst mein Vorgänger. Dann habe ich es weitergeführt. #02:20:40-3#
Astrid Kirchhof: Und... Sie haben sich den Titel Juri Gagarin. #02:20:44-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, wir haben, wir haben als Brigade damals... #02:20:47-2#
Astrid Kirchhof: Er... #02:20:47-8#
Hans-Georg Fischer: ...um den Ehrennamen Juri Gagarin gekämpft. #02:20:49-6#
Astrid Kirchhof: Das ist Juri Gagarin. #02:20:53-9#
Hans-Georg Fischer: Das war eben so. #02:20:59-1#
Astrid Kirchhof: Das war ja ein Kosmonaut. #02:21:00-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Der ist ja dann nun verunglückt, ja. #02:21:03-5#
Astrid Kirchhof: Und es gab ja viele Namen der DDR, die nach Juri Gagarin benannt wurden, ne. Weil er so ein Vorzeige... #02:21:11-2#
Hans-Georg Fischer: Na, bei der Wismut waren wir die Einzigen (räuspert sich). #02:21:16-6#
Astrid Kirchhof: Und da musste man sich, haben Sie gesagt, darum bewerben, also dass man so genannt wird? #02:21:21-1#
Hans-Georg Fischer: Jaa. #02:21:21-5#
Astrid Kirchhof: Einen Titel bekommt? #02:21:21-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, da gab's... Moment, da müssen wir erst mal weiter gucken. Das ist erst mal... das ist erst mal meine ehemalige Truppe. Ein Teil davon, nicht alle. Weil das ist die Frühschicht, die anderen waren ja in Schichten. Die konntest du nicht mit... #02:21:34-9#
Astrid Kirchhof: Zeigen Sie mal, wo Sie sind. #02:21:38-6#
Hans-Georg Fischer: In Zivil. Da hab ich gerade über Tage was ge... zu tun gehabt. Wo ich dann (lacht)... und hier haben wir die typischen Wetterlampen, ja, ja. Steht da eine hier vorne. #02:21:48-2#
Astrid Kirchhof: Soll ich die mal herholen? Die Lampe? Genau. Und Sie waren zu der Zeit... Sie sind... #02:21:55-9#
Hans-Georg Fischer: Noch kein Brigadier. Da war... #02:21:57-6#
Astrid Kirchhof: Ach, noch nicht? #02:21:58-4#
Hans-Georg Fischer: Da war... das ist der Kollege Bergner, der war damals noch Brigadier der Brigade. #02:22:01-5#
Astrid Kirchhof: Und die Brigade hieß Brigade Bergner? #02:22:03-3#
Hans-Georg Fischer: Brigade Bergner, ja, hmm. Genauso ist es. So. Da haben wir dann... (blättern) das haben wir, das kann, das machen wir hier wieder rein. Das brauchen wir nicht, ne. Nicht, ne. #02:22:14-9#
Astrid Kirchhof: Was ist das? #02:22:16-0#
Hans-Georg Fischer: Das ist auch wieder so eine Auszeichnung für gute Leistung des sozialistischen Wettbewerbs. #02:22:20-2#
Astrid Kirchhof: Ach doch, was mich da noch interessiert. Wieso ist das zum Beispiel vom FDGB...? #02:22:24-7#
Hans-Georg Fischer: Zu Ehren! Da war der zehnte FDGB-Kongress in, in, in Berlin. #02:22:30-5#
Astrid Kirchhof: Ja. #02:22:31-0#
Hans-Georg Fischer: In der DDR. Und da haben, wurde aufgerufen, dass die Brigaden Spitzenleistungen bringen, Überplanerfüllung. Und das hast du gemacht. Und da hast du dann, wenn du das gepackt hast, Überplanerfüllung, hast du dann eine Urkunde gekriegt. Und hast du auch noch Geld gekriegt. #02:22:46-1#
Astrid Kirchhof: Also der FDGB ist ja der Gewerkschaftsbund... #02:22:48-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja, ja. #02:22:48-9#
Astrid Kirchhof: ...und der hat das ausgestellt für vorbildliche Leistungen? #02:22:52-1#
Hans-Georg Fischer: Ja. Das ist dann vom Betriebs... vom Betriebsdirektor und vom, vom Betriebgewerkschaftsleitung, ist das ausgestellt worden. Zu Ehren des zehnten Parteitags haben wir zum Beispiel eine Hochleistungsschicht gefahren. Oder den Monat mit 200 Kubikmeter Plus erfüllt, zu Ehren... das war eben so. Und dann... #02:23:09-5#
Astrid Kirchhof: Da wollte ich aber wissen, hatten Sie mit anderen Organisationen in der DDR zutun? Zum Beispiel Kulturbund oder...? #02:23:14-1#
Hans-Georg Fischer: Nä! Nee. Das Einzige, was war, wir waren alle in der DSF. Weil Reust war Bergbaubetrieb deutsch-sowjetische Freundschaft. #02:23:21-6#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. #02:23:22-7#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Das war in Drosen dann aber nicht mehr. #02:23:24-2#
Astrid Kirchhof: Hatten Sie da Kontakt zu russischen Kollegen? #02:23:26-7#
Hans-Georg Fischer: Ja, aber eigentlich nur, wenn hier Bereichsamte waren oder sonst wo. Oder bei Befahrungen. Dann sind ja welche mitgekommen. Aber sonst eigentlich nicht. #02:23:34-6#
Astrid Kirchhof: Bei was, bei? #02:23:35-4#
Hans-Georg Fischer: Befahrungen. Monatsende, Monatsbefahrung, oder Halb, Halbmonatsbefahrung war, da ist öfters mal einer mitgekommen. Da hast du die da kennengelernt... #02:23:42-5#
Astrid Kirchhof: Was ist eine Befahrung? #02:23:44-4#
Hans-Georg Fischer: Monatsabnahme. Da wird (klopft), was ich vorhin gesagt hab, Monatsende deine Orte bewertet mit Noten. #02:23:53-1#
Astrid Kirchhof: Ach so. #02:23:54-1#
Hans-Georg Fischer: Und... der Markscheider nimmt auf, wieviel Kubik du tatsächlich... rausgefahren hast. #02:24:01-3#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:24:02-0#
Hans-Georg Fischer: Und danach wird dir dann das Geld berechnet, ne. Und da waren die immer mit dabei. #02:24:04-8#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:24:05-5#
Hans-Georg Fischer: Oder, kann natürlich sein, dass du auch mal... du hattest einen russischen Hauptingenieur auf jedem Schacht. #02:24:12-5#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:24:13-2#
Hans-Georg Fischer: Neben, der war gleichgestellt zum Betriebsdirektor. Der als... also DDR war. Dass du mal Scheiße, auf Deutsch gesagt, gebaut hast. Und musstest oben antanzen. Dann hast du oben einen russischen Hauptingenieur kennengelernt. Oder aber mal bei Befahrungen. Aber sonst... #02:24:27-5#
Astrid Kirchhof: Sprechen Sie Russisch? #02:24:28-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja, nicht mehr viel. Ich hab Russisch in der Schule gehabt, aber... #02:24:32-5#
Astrid Kirchhof: Und bei der Wismut haben Sie es auch nicht gebraucht? #02:24:35-1#
Hans-Georg Fischer: Nee, eigentlich nicht. Die haben, die, die russischen Spezialisten haben fast auch alle Deutsch gesprochen. Weil die ja schon über Jahre hier waren. #02:24:40-9#
Astrid Kirchhof: Ach so, okay. #02:24:41-7#
Hans-Georg Fischer: Und die haben... die mussten, die haben ja auch, auf Deutsch gesagt, einen Flunsch gezogen, wo die dann 1990 alle gehen mussten, ne. #02:24:48-3#
Astrid Kirchhof: Ach so. #02:24:48-8#
Hans-Georg Fischer: Die gehen ja alle heim. Die hat ja keiner gebraucht hier. Es war, die Russen sind ja ausgestiegen und dann mussten die zurück, ne. #02:24:55-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:24:56-3#
Hans-Georg Fischer: So oder so. So, das ist dann hier der Antrag auf die Verleihung Ehrenname Juri Gagarin (räuspert sich). Musst du ja einen Antrag stellen. Und dass wir uns verpflichtet haben zu leisten, um den Ehrennamen zu erreichen (blättert). Und dann die Abrechnung, was wir gemacht haben. Was wir geleistet haben. #02:25:17-7#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:25:18-6#
Hans-Georg Fischer: Ja. Und das wurde dann danach noch mal eingeschätzt (blättert). Nach soundsoviel Wochen. Da haben die dann auch alle unterschrieben. #02:25:28-9#
Astrid Kirchhof: Das war so ein Gremium von...? #02:25:31-1#
Hans-Georg Fischer: Ja, genauso ist es. Und, und dann ist das beraten worden. Und dann haben wir ein Schreiben gekriegt, dass wir den Ehrennamen verliehen kriegen. Und da war dann hier die Ehrennamenverleihung 84 [1984] im März. Feierstunde, da waren die, war die Partei, die FDJ, war da alles da. #02:25:51-4#
Astrid Kirchhof: Wo ist das? #02:25:51-9#
Hans-Georg Fischer: Das ist in Reust noch. #02:25:53-0#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:25:53-9#
Hans-Georg Fischer: Hier rechts, hier rechts ist der Bergbaubetrieb. #02:25:55-3#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:25:56-0#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Und... #02:25:59-0#
Astrid Kirchhof: Und damit verbunden war vor allem auch finanzielle auch... Zuschüsse? #02:26:02-3#
Hans-Georg Fischer: Ja, für den Ehrennamen hast du nichts gekriegt. Also finanziell ist hier irgendwie, dass du eine Prämie gekriegt hast. Nicht. Das... #02:26:08-3#
Astrid Kirchhof: Nee. #02:26:08-5#
Hans-Georg Fischer: ...das, das, nur, dass du den Ehrennamen hast. Und dann im Späterhinein, wenn du gute Leistungen gebracht hast als Jugendbrigade, dann gab's Geld. #02:26:17-1#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:26:17-5#
Hans-Georg Fischer: Und das ist diese Urkunde hier. Die ist ja sogar vom ersten Sekretär... ne. Gebietsleitung Wismut der Freien Deutschen Jugend, wurde dann da der Name verleihen, verliehen, hier. #02:26:30-7#
Astrid Kirchhof: \"Für gute Ergebnisse bei der Aneignung und Bewahrung revolutionärer Traditionen der Deutschen...\" #02:26:36-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, das Geschwafel hat alles dazugehört. #02:26:37-5#
Astrid Kirchhof: \"...und internationalen (lacht)...\" #02:26:38-7#
Hans-Georg Fischer: (Lacht) #02:26:39-0#
Astrid Kirchhof: \"...Arbeiterbewegung\". #02:26:40-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, und daraufhin hatten wir dann eine Befahrung unter Tage. Für Mitarbeiter des ZK der SED. Und Generalsekretär der Gebietsleitung und, und, und. Ja. #02:26:52-8#
Astrid Kirchhof: Also Befahrung heißt Abnahme? #02:26:55-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, da nicht. Die sind, da sind die Genossen gekommen und wollten sich mal erkundigen, was das für eine Brigade ist. Und was die unter Tage so treiben und so weiter und so fort. Das war die Befahrung durch die Gebietsleitung der SED. #02:27:04-2#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. #02:27:05-3#
Hans-Georg Fischer: Ja. #02:27:05-7#
Astrid Kirchhof: Und was hätte da passieren können? #02:27:07-6#
Hans-Georg Fischer: Nee, die haben nur mit den Leuten gequatscht, hier, ja. Das ist so, ja, gewesen. Haben sich erkundigt. Weil wir nun den Ehrennamen hatten, was wir für eine Brigade sind und, und was wir gedenken zu machen. Wo wir arbeiten, was wir machen. Ja. Ja, und das bin dann ich hier. #02:27:22-1#
Astrid Kirchhof: Aber haben die, wurde da sozusagen Ihre Brigade vorgeschlagen, dass man sie interviewt hat, weil das eben...? #02:27:29-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. #02:27:29-4#
Astrid Kirchhof: ...eine besondere Brigra... Brigade war? #02:27:30-5#
Hans-Georg Fischer: Die Brigade wurde vorgeschlagen. Dass die von der Gebietsleitung zu uns unter Tage kommen. #02:27:34-8#
Astrid Kirchhof: Okay. Weil man wusste, dass man da... #02:27:37-6#
Hans-Georg Fischer: Da wurde erst mal schön geputzt. #02:27:38-9#
Astrid Kirchhof: ...glänzen kann? #02:27:39-3#
Hans-Georg Fischer: Schön geputzt und alles. Musste alles, na wie immer, wurde überall schön geputzt. Und alle Dreckecken verhangen auf Deutsch gesagt. Dass hinterher alles schön aussieht. #02:27:46-5#
Astrid Kirchhof: Und wurde Ihnen gesagt, was Sie sagen sollen? #02:27:48-8#
Hans-Georg Fischer: Nee, das nicht. Das haben die nicht, das haben die nicht gemacht. Weil das waren ja viele, viele dabei, die waren gar nicht in der Partei. Die, die konnten ja von der Gusche erzählen, was sie wollten, ne. Das ist... (rascheln). #02:28:04-0#
Astrid Kirchhof: So sahen Sie 84 [1984] aus, 85 [1985] oder irgendwann? #02:28:06-6#
Hans-Georg Fischer: 84 [1984]. #02:28:07-3#
Astrid Kirchhof: 84 [1984]. Da waren Sie 24 (7 Sekunden Stille). #02:28:16-4#
Hans-Georg Fischer: Nun ja. #02:28:17-5#
Astrid Kirchhof: Ist das so eine Art Lebenslauf, oder? #02:28:19-4#
Hans-Georg Fischer: Das hat mein, das hat mein ehemaliger Brigadier hineingeschrieben. #02:28:21-8#
Astrid Kirchhof: Ach so, okay. #02:28:23-1#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Das hat er hineingeschrieben. #02:28:24-6#
Astrid Kirchhof: Ach so, dass Sie so ein hervorragender... #02:28:25-8#
Hans-Georg Fischer: Jaa, und, und, und... #02:28:27-6#
Astrid Kirchhof: ...Hauer sind. #02:28:27-6#
Hans-Georg Fischer: Es ist eben so. Ja, und... dann hatten wir hier in der Vorbereitung Nationales Jugendfest der FDJ in Berlin. Da haben wir einen Subbotnik gemacht. Mit allen Teilnehm... eigentlich fast allen Teilnehmern aus der Brigade. Über Tage Subbotnik. Und sind dann drei Mann, nee, ja, drei Mann aus der Brigade sind dann nach Berlin gefahren. Unter anderem ich. Und mein ehemaliger Brigadier. Auf das Pfingsttreffen der FDJ. 84 [1984]. Gab's extra ein Mandat. Haben sie auch nicht jeden draufgelassen (lacht). #02:29:12-5#
Astrid Kirchhof: Und da haben Sie ein Mandat gekriegt? #02:29:13-3#
Hans-Georg Fischer: Sind wir von der, sind wir von der Wismut da aus hinaufgeschickt worden. Das sind mein ehemaliger Brigadier. Damals oben in Berlin. Und der hat dann hier aus den Händen vom Erich Honecker dann hier, so eine, irgendwie so eine Fibel gekriegt oder was. #02:29:29-2#
Astrid Kirchhof: Aber... #02:29:29-6#
Hans-Georg Fischer: Programm. #02:29:30-8#
Astrid Kirchhof: ...wieso jetzt, waren Sie alle in der FDJ? #02:29:33-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. Jugendbrigaden waren alle in der FDJ. Außer die älteren. Wir hatten zwei ältere Kollegen, die dann schon zu alt waren für die FDJ. Aber in der Jugendbrigade waren alle in der FDJ. #02:29:42-0#
Astrid Kirchhof: Und was war damit verbunden? Welches Engagement, oder? #02:29:45-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, was heißt Engagement. Das hat, das war eigentlich von der Sache her, wenn du eine Jugendbrigade bist und hast junge Leute, war das Pflicht, dass die in der FDJ sind. #02:29:57-2#
Astrid Kirchhof: Aber man musste nichts machen? #02:29:58-3#
Hans-Georg Fischer: Nee, auf keine Fälle. Du, du hast dich dann bestimmt bloß für bestimmte Sachen eigentlich verpflichtet. Hier, wenn irgendwas war, oder... #02:30:03-9#
Astrid Kirchhof: Dass du da mit hingefahren bist. #02:30:05-3#
Hans-Georg Fischer: Ja, genauso ist es. Also... und da ist er wieder noch einmal hier. Das ist ehemals, das ist der Harry Tisch. Der ehemalige Chef der Gewerkschaft der DDR. Mit dem saß ich an einem Tisch. Das ist mein ehemaliger Brigadier (Rascheln). Was ist das hier, mit Politikern im Gespräch. Das war damals da. So, und dann haben wir hier... der hat eine Jugendbrigade. Haben wir da einen Aufruf (unv.)-Initiative Berlin gestartet. Zum Weltfriedenstag. Und da haben wir uns dem Aufruf angeschlossen. Und haben uns verpflichtet, eine bestimmte Pro-Kopf-Leistung zu fahren. Und den Plan zu überbieten. Das waren eben solche Sachen, FDJ, naja. Wobei das eben so war, wenn wir das gepackt haben, Verpflichtung war 0,8. Erreicht haben wir 1,1 Kubikmeter pro Mann und Stunde. Sind wir ausgezeichnet worden. Hochleistungsschicht war das (Rascheln). Hier, vom Betriebsdirektor, ne. Für sowas gab's dann Geld (Rascheln) (lacht) #02:31:17-4#
Astrid Kirchhof: Würden Sie sagen, dass da auch, also der Kalte Krieg mit reinkam? Dass man besser sein wollte, als der Westen? #02:31:25-6#
Hans-Georg Fischer: Nee, das hat uns nicht... das hat uns als, als Hauer, für uns, eigentlich nicht interessiert. #02:31:29-4#
Astrid Kirchhof: Das ging schon einfach... #02:31:31-2#
Hans-Georg Fischer: Das ging, hier ging's nur, du willst deine Arbeit machen, du willst dein Geld verdienen. Alles andere... #02:31:36-0#
Astrid Kirchhof: Ich meinte jetzt die, dass der Staat solche Auszeichnungen ausstellt... #02:31:40-8#
Hans-Georg Fischer: Jaa, da, die Auszeichnung gab's ja draußen, in anderen Betrieben hier auch. #02:31:43-9#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:31:44-6#
Hans-Georg Fischer: Ja. Das ist aber... bei der Wismut eben speziell, ne. Weil, wie gesagt, Bergbau ist was anderes. Und, und im Bergbau musstest du anders arbeiten wie, wie draußen irgendwo. Und musstest dein Geld woanders verdienen, ne. #02:31:55-2#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:31:55-9#
Hans-Georg Fischer: Also das war nicht wie draußen. Also, Butterbrot war das kein (unv.) ne. #02:31:59-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:31:59-7#
Hans-Georg Fischer: Das ist... ja, wie gesagt. Dann 84 [1984] habe ich dann die Brigade übernommen. Weil der auf Parteischule gegangen ist. Und mein, der andere Kollege ist dann Vertrauensmann geworden, was ich vorher war (Rascheln). Ja. Ja, vor 40 die Erfüllung des Jahresplans. #02:32:19-4#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:32:20-6#
Hans-Georg Fischer: Du hast einen Jahresplan gehabt, sagen wir mal, als Beispiel, zehn, 10.000 Kubik oder 12.000 Kubik. Und hast den eben schon zehn Tage vorher erfüllt. Vor Jahresende. #02:32:31-5#
Astrid Kirchhof: Hmm, okay. #02:32:32-5#
Hans-Georg Fischer: Das ist Vorplanerfüllung. da gab's auch wieder Geld. #02:32:34-2#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:32:35-0#
Hans-Georg Fischer: Das ist, kommt ja zustande, wenn du jeden Monat übererfüllst. Bist du ja zeitiger fertig. Ja. #02:32:42-0#
Astrid Kirchhof: Durfte man dann vorher aufhören zu arbeiten? #02:32:44-2#
Hans-Georg Fischer: Nein (Rascheln). Das gab's nicht (Rascheln). Wie gesagt, das ist hier (Rascheln) Junge Welt war bei uns. Da hatten wir am 8. Mai [8.5.] schon wieder 1,6 Tage Planvorsprung. #02:33:00-4#
Astrid Kirchhof: Das war immer Ihre Brigade? #02:33:05-3#
Hans-Georg Fischer: Da bin ich drauf, hier vorne. Hier, ne (Rascheln). Sieht man richtig... #02:33:11-8#
Astrid Kirchhof: Hier? Hier? #02:33:12-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Genau. Alles junge Kerle. #02:33:16-8#
Astrid Kirchhof: Also da kam dann die Zeitung, hat fotografiert und...? #02:33:19-7#
Hans-Georg Fischer: Ja. Hat fotografiert, hat Interview geführt. Und dann kam dann auch hier... #02:33:23-2#
Astrid Kirchhof: Und, aber da ist die Gesamtbrigade interviewt worden, oder Sie? #02:33:27-4#
Hans-Georg Fischer: Nee, die Gesamtbrigade. #02:33:28-6#
Astrid Kirchhof: Ja, okay. #02:33:29-0#
Hans-Georg Fischer: Die haben da ein paar Bilder gemacht. Und dann kam das am 16.4. [16.4.] auf die Titelseite der Jungen Welt. #02:33:35-2#
Astrid Kirchhof: Okay (Rascheln) #02:33:38-9#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Da sind... das ist noch mal mein ehemaliger Brigadier unter Tage. Hier mussten wir, gab's über Tage, unter Tage wurde auch eine Wandzeitung gestaltet. #02:33:47-9#
Astrid Kirchhof: Ah, ja. #02:33:48-6#
Hans-Georg Fischer: Ja, da wurde ein Monatsplan ange..., draufgehängt. Die Planerfüllung. Die Schichtbelegung und alles, was du dich verpflichtest, und, und, und. #02:33:57-0#
Astrid Kirchhof: Aha. #02:33:57-5#
Hans-Georg Fischer: Und das ganze Zeug und so. Das war alles, wird, das musste alles mitgemacht werden. Wenn du... im sozialistischen Wettbewerb gut dastehen willst, ja. Hier war Mai, Mai 85 [1985] haben wir den zweiten Platz gemacht im, im, im Betrieb (Rascheln). Und dann (Rascheln), das war mal mit dem Schießen hier. Sportfest. So, und dann haben wir da daraufhin auf das, von der Jungen Welt hier, sind dann die fünf Besten aus der Brigade eine Woche nach Moskau gefahren. Auszeichnungsreise. #02:34:29-9#
Astrid Kirchhof: Und da waren Sie dabei? #02:34:31-9#
Hans-Georg Fischer: Stehen alle da. #02:34:33-1#
Astrid Kirchhof: Ah, ja. Peter Bergner. #02:34:34-4#
Hans-Georg Fischer: Das war mein ehemaliger Brigadier noch. Der ist dann da, dann da, da war er aber schon fort, der ist bloß noch mitgefahren. Weil der... #02:34:38-8#
Astrid Kirchhof: Ja. #02:34:39-6#
Hans-Georg Fischer: ...ja, am Anfang die Brigade geleitet hat. Und dann waren wir eine Woche. #02:34:42-7#
Astrid Kirchhof: Und waren da Ihre Frauen dabei? Oder? #02:34:45-0#
Hans-Georg Fischer: Nee. Nee, nee. #02:34:45-7#
Astrid Kirchhof: Nur Sie. #02:34:46-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee. Sind wir mit Jugendtourist eine Woche nach Moskau gefahren. #02:34:50-3#
Astrid Kirchhof: \"Die Reise war ein voller Erfolg...\" #02:34:51-9#
Hans-Georg Fischer: Ja. #02:34:52-2#
Astrid Kirchhof: \"...und eine tolle Sache.\" (Rascheln) #02:34:56-4#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Roter Platz. Lenin-Mausoleum. Oh, da sind, da sind wir auch aufgefallen. #02:34:59-3#
Astrid Kirchhof: War das die erste Reise nach Moskau für Sie? #02:35:01-6#
Hans-Georg Fischer: Ja. Ich, ich war ja vorher als Lehrling schon in Leningrad eine Woche. #02:35:04-9#
Astrid Kirchhof: Ach ja. #02:35:05-5#
Hans-Georg Fischer: Auszeichnungsreise ja auch. Und da mit der kleinen Lehrlingsklasse. Da haben wir uns auch einen erlaubt, hier in Moskau. Deswegen ein voller Erfolg. Da, da, da fühl ich nicht, ob ich das hier erzählen kann, na ist egal. #02:35:16-0#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:35:16-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. Auf, auf, auf dem Roten Platz, die Schlange. Die läuft ja laufend. Die geht ja nicht bloß bis auf den Roten Platz. Die fängt ja schon viel weiter unten an. Bis hinters Mausoleum. #02:35:24-4#
Astrid Kirchhof: Ah. #02:35:25-0#
Hans-Georg Fischer: Und auch alle schön einen gedüdelt. Und einer von uns, wir stehen, wir stehen kurz vor dem Mausoleum. Da stehen ja übertrieben zwei Recken, über zwei Meter, standen da davor. Ja. Und der blökt raus: Ich hab jetzt die Schnauze voll! Bringt mir den Vogel raus, ich hab noch fünf Mark West! Ich will den hier draußen angucken! Da war was los. Da war was los! #02:35:46-9#
Astrid Kirchhof: Also das war eine Provokation? #02:35:48-4#
Hans-Georg Fischer: Auf Deutsch gesagt. Ja. Und dass die, die Russen haben das nicht verstanden. Aber unsere Leute, die da damit waren. Die sind bald ausgeflippt hier. #02:35:55-4#
Astrid Kirchhof: Und das war aber keiner von Ihnen, der das gesagt hat? #02:35:57-8#
Hans-Georg Fischer: Nee. Aber einer, der da mit war auf der Reise. Eine Reisegruppe. #02:36:00-4#
Astrid Kirchhof: Ach so. #02:36:01-1#
Hans-Georg Fischer: Auch einer, auch einer auf dem Schacht, ein junger Kerl (atmet aus). Ich glaub, wenn die das verstanden hätten, dann hätten die uns alle eingebuchtet (lacht) #02:36:08-0#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:36:10-3#
Hans-Georg Fischer: Ja. Das sind alles solche kleinen Höhepunkte. Weil Wismut ist eben Wismut. #02:36:14-3#
Astrid Kirchhof: Und der hat dann Anschiss gekriegt, einen ordentlichen? #02:36:16-6#
Hans-Georg Fischer: Nun ja, nun ja. Das aber... na, wie gesagt. Dann sind wir 85 [1985] im September nach Drosen umgesetzt worden. #02:36:31-2#
Astrid Kirchhof: Das ist mit der Hand geschrieben. Seht... also auch das mit Urkunde. #02:36:34-2#
Hans-Georg Fischer: Ja. Ja, nun ja. hmm. #02:36:35-5#
Astrid Kirchhof: Alles mit der Hand geschrieben. Auch das. #02:36:37-0#
Hans-Georg Fischer: Betriebsdirektor von Reust. Und... #02:36:38-9#
Astrid Kirchhof: Wahnsinn. #02:36:39-8#
Hans-Georg Fischer: ...Gewerkschaftsleitung, der Parteisekretär. Da sind wir verabschiedet worden. Nun, was steht denn da, hier? Frohes Neujahr. Neue Aufgaben. #02:36:47-7#
Astrid Kirchhof: Warum, was heißt BB? #02:36:50-2#
Hans-Georg Fischer: Bergbaubetrieb Drosen. #02:36:51-5#
Astrid Kirchhof: Bergbau. #02:36:52-1#
Hans-Georg Fischer: Vom Bergbaubetrieb Reust zum Bergbaubetrieb Drosen. Verabschiedung, Dank und Anerkennung. Neue Aufgaben stehen vor uns. Wir werden sie lösen (Rascheln). #02:37:01-1#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:37:01-9#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Hier, und das ist dann der Bergbaubetrieb Drosen. Das ist die sogenannte Lampenstube. Wo unsere Geleuchte drin sind. Mit den Marken, die ich vorhin gezeigt hab. Die hingen ja davor. Die... #02:37:10-0#
Astrid Kirchhof: Ach ja. #02:37:10-4#
Hans-Georg Fischer: ...nimmst du dann ab. Ja. Das ist der Bergbaubetrieb Drosen gesamt. Hier ist es... hier gehst, hier gehst du rein. Hier war die, ist die Kantine gewesen und die Küche. Hier gehst du rein. Hier ist das Verwaltungszeug, Dings. Und hier hinten ist die Kaue und alles. Das war alles auf einer Etage. Und da bist du hier rum und dann bist du hier zum Schacht. Und hier bist du eingefahren. Und das war hier der Masseschacht. Da haben sie mit dem Skip die Masse rausgefahren (Rascheln). Riesen, Riesenteil. Alles neu (Rascheln). Und das hatten wir ja schon. Hier ist diese sogenannte Morgentafel. #02:37:42-1#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:37:42-8#
Hans-Georg Fischer: Eine Front, eine Front durch die erste Schicht, zweite Schicht, Dings hier. Musstest du deine Marke hängen, wo du eingefahren bist. Ja. Hier ist, hier ist der Schacht. Und da hast du drei Etagen gehabt. Hier ging's eine Treppe hinunter. Und das nun in jeden Korb. Da sind ja... an, an einem Korb sind drei Etagen gewesen. Und dann in jeder Etage 25 Mann. Sind dann hinunter (pfeift, klopft). Ruckzuck. 660 Meter hinunter. Oder noch tiefer. Grade, wo du gearbeitet hast. Kommt drauf an. Und das ist noch mal meine Truppe (klopft). Das ist... ja. Und der hier bin ich hier. Das ist unter Tage. Hmm. Nun ja. Hauptmarkscheider (klopft). #02:38:30-2#
Astrid Kirchhof: Was macht ein Markscheider noch mal? #02:38:32-2#
Hans-Georg Fischer: Der misst auf bergmännische Vermessungstätigkeit unter Tage. Wieviel Kubik sind raus, wo, was wie. Das müssen die alles, muss ja alles ausgemessen werden. #02:38:41-6#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:38:43-1#
Hans-Georg Fischer: Ausgerechnet werden. Es geht auch darum, was dann später, wenn du verfüllst, was, wieviel Kubikmeter Beton wieder hineinpassen. Und, und, und. Und... ja (Rascheln). Stunde hängen, sowas. Wenn du, wenn du Richtung fahr, Richtung fährst. Ja, und da haben wir dann hier, haben wir wieder mal einen gucken lassen. Dezember Hochleistungsmonat. Pro-Kopf-Leistung von eins Komma null (klopft) Kubik pro Mann und Schicht, ja. #02:39:08-2#
Astrid Kirchhof: PKL, Pro-... #02:39:09-7#
Hans-Georg Fischer: ...Kopf-Leistung. #02:39:09-9#
Astrid Kirchhof: ...Kopf-Leistung, aha. #02:39:11-1#
Hans-Georg Fischer: Eines, ein Kubikmeter Masse pro Mann und Stunde. #02:39:14-7#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:39:15-4#
Hans-Georg Fischer: Haben wir den zweiten Platz im technologiebezogenen Wettbewerb gemacht. #02:39:19-6#
Astrid Kirchhof: Also... #02:39:20-4#
Hans-Georg Fischer: ...im Schacht. #02:39:20-9#
Astrid Kirchhof: ...dieser, diese Plätze wurden innerhalb eines Schachts vergeben? #02:39:25-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. Und dann konnt, dann gab's aber auch noch einen überbetrieblichen Wettbewerb. Es gab einen Bereichswettbewerb. Im Bereich hast du, wir haben im Bereich drei Reviere gehabt. Hatten zehn oder zwölf Abbaubrigaden. Da wurde im Bereich Wettbewerb geführt. Im Monat. Dann wurde Betriebswettbewerb geführt im Quartal. Und dann wurde überbetrieblich Wettbewerb geführt im Quartal, unter den einzelnen Bergbaubetrieben. #02:39:49-7#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm, okay. #02:39:50-4#
Hans-Georg Fischer: Da konntest du auch noch mal... (Rascheln). Da haben wir hier, wie gesagt, einen zweiten Platz im überbetrieblichen Wettbewerb, haben wir ja hier, haben den ersten Platz gemacht, ja. #02:39:58-6#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:39:58-9#
Hans-Georg Fischer: Das, das kommt jetzt hier rein (Rascheln) (unv.), zweiten Platz hier. (Rascheln) (unv.). Das ist produktiv... Betriebsdirektor unterschrieben. Da gab's dann immer mal Kohle. Und da war, das war nicht wenig. (Rascheln) Und wie gesagt, da gab's auch (Rascheln) Messemeister von Morgen. Das ist wie Jugendobjekt. Da hast du dann irgendwie was ausprobiert oder technologiebezogen irgendwie versucht, was besser zu machen oder wo du einsparen kannst und so weiter und so fort. Da, da gab's eben diese MMM-Aufgabe. Und wenn du die dann erfüllt hast und hast was eingespart, das wurde dann mal ausgerechnet. Hier, zum Beispiel war hier ein Nutzen, ein eingesparter Nutzen von 25.000 Mark. Wenn du das erreicht hast, hast du als Brigade ein Zehntel davon als Prämie gekriegt. Wieder in die Brigadekasse (lacht) #02:40:52-7#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:40:53-3#
Hans-Georg Fischer: Und da sind hier die Kollegen. Das ist hier, das ist die Jugendbrigade. Da sieht man mal hier, sieht man das Durchschnittsalter, ne. Ich hatte zweie, die, der eine war 40 und einer war 47 damals. Und die anderen waren alle 18, 18, hier war mal einer 30, einer 21, 30, 29, 27. Ich 28. #02:41:08-8#
Astrid Kirchhof: Und wo wurden die immer rekrutiert? #02:41:10-9#
Hans-Georg Fischer: Na, Lehrlingsausbildung. Die, du hast jedes Jahr, haben soundsoviel Hauerklassen in Gera in der Berufsschule. Da fahren Sie dran vorbei, wenn Sie von der Autobahn kommen, links. Wo das große Wohnheim war. #02:41:21-2#
Astrid Kirchhof: Ja. #02:41:21-8#
Hans-Georg Fischer: Das war Berufsschule. Da, da waren soundsoviele Hauerklassen. Die wurden ausgebildet und, und gelernt haben die zwei Jahre. Und das letzte halbe Jahr sind die dann in die Brigaden gekommen. Was das Praktische dann war. Und arbeiten. Und dann konntest du aussieben. Der ist gut, den behältst du. Der taugt nichts. #02:41:40-1#
Astrid Kirchhof: (lacht) #02:41:41-0#
Hans-Georg Fischer: Naja, das war so. Ich kann keine Leute gebrauchen, die, die, die mir A erst mal nicht unter Tage ins Konzept passen. Dass sie vielleicht Angst haben oder es passiert irgendwas, wo ich mich nicht auf die verlassen kann oder was. Oder du musst jedes Mal einen dazustellen, der aufpasst. Und, und ich kann auch keinen gebrauchen, der keine Lust hat zum Arbeiten. Das ist... das war knallhart hier, das Ausleseverfahren. Und wer da nicht mitgezogen hat, der ist auf der Strecke geblieben. Das war nun mal so (lacht) #02:42:05-8#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:42:07-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. Ich hab's ja schon, ich hab's ja schon gesagt. Ich war in der Beziehung eigentlich... #02:42:11-0#
Astrid Kirchhof: (Lacht) ...knallhart. #02:42:12-2#
Hans-Georg Fischer: Knallhart, ja. Das ist auch noch mal was von unter Tage (Rascheln). Da... #02:42:19-3#
Astrid Kirchhof: Ja. #02:42:20-2#
Hans-Georg Fischer: Hier ist es, ist das Erz abgebaut worden. Das außenrum ist die Masse. Und das ist der Ausbau. Damit dir die, das Gestein nicht vor die Beine fällt. Verstehen? #02:42:32-3#
Astrid Kirchhof: Aha, okay. #02:42:33-4#
Hans-Georg Fischer: Verstehen. Du fährst die, du fährst in die Richtung. So hast du immer... wie der Ausbau jetzt hier steht. Das war mal eine Scheibe, die hast du abgebaut, da hast du gesprengt, gefördert, hast ausgebaut. Und so wurde das immer weitergetrieben. Und außenraum ist das taube Gestein. Das ist stehengeblieben. Das wolltest, du wolltest ja bloß das Erz raus haben. Und wenn du dann fertig warst, ist hier vorne ein Holzdamm gestellt worden. Und das Betonwerk gepumpt worden. Verfüllt. Und dann bist du unten drunter. Hast du die nächste Scheibe abgebaut. So hast du die 60 Meter zwischen den zwei einzelnen Sohlen bis runter abgebaut. #02:43:00-9#
Astrid Kirchhof: Und warum heißt das taubes Gestein? #02:43:02-9#
Hans-Georg Fischer: Weil das, weil das nicht gestrahlt hat. Weil das kein Erz ist. Deswegen heißt das taubes Gestein. Das ist taub. #02:43:06-8#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay (Rascheln) #02:43:08-3#
Hans-Georg Fischer: Und da haben wir zum Beispiel auch hier, das hier (Rascheln). Kommt's immer, kommt's genau drauf an wie du dein Profil einhältst. Das wird dann Monatsende dokumentiert. Beim Markscheider abgenommen. Wenn du über Profil fährst, gerade wenn's taubes Gestein ist, schreiben sie da Minus. Kriegst du nicht bezahlt. Du musst deine einhalten, deine Profile. Wenn's kein Erz ist (klopft). #02:43:33-8#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:43:34-5#
Hans-Georg Fischer: Das wird vorgeschrieben. Ein bestimmt... ein bestimmtes Profil musst du fahren. Wegen der Sicherheit, wegen die Geräte. Damit du dir nicht die Knochen einklemmst und so weiter und so fort. Aber alles, was drüber war, und das war zu viel, Toleranzmaß hast du gehabt. Für 10 Prozent oder so. Alles was zuviel war, ist dann brack geschrieben worden. Brack, auf Deutsch gesagt, das hast du nicht bezahlt gekriegt. Und hast auch bei der Abnahme (klopft) eine schlechtere Note gekriegt. #02:43:55-1#
Astrid Kirchhof: Und wie ist das pro... passiert, wenn man das mal, das Profil nicht einhält? #02:43:58-3#
Hans-Georg Fischer: Jaa, na, das kommt aufs Bohren drauf an (Rascheln). Bohren und Sprengen. Du bohrst deine Sprenglöcher. Und wenn du, wenn du jetzt hier, wenn ich jetzt hier so meine Scheibe hab und bohre hier so meine Sprenglöcher drauf. Und, und, und halte hier mit dem Bohrer und mit der Lafette so weit nach außen. Ich hab hier zwar das Loch hier vorne hier. Aber bei zwei Meter Länge ist das einen halben Meter weiter draußen. Und beim Sprengen fliegt der ganze Keil mit weg. Und da habe ich ruckzuck über Profil. #02:44:20-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:44:21-0#
Hans-Georg Fischer: Hmm. Und das musstest du dann schon... wie gesagt. Das bisschen, bisschen, bisschen genau musst du schon arbeiten. Nicht hier so high life geht nur (lacht) #02:44:27-9#
Astrid Kirchhof: (Lacht) Pi mal Daumen! #02:44:29-0#
Hans-Georg Fischer: (Lacht) Das kannst du machen, wenn du Erz hattest. Aber da konntest du... konntest du schon mal fünf Meter Breite schießen oder so. Das ist... haben wir auch gemacht. Hier sind noch (Rascheln)... das ist so ein kleiner Elektro-Lada (Rascheln). #02:44:41-0#
Astrid Kirchhof: Aha. #02:44:42-0#
Hans-Georg Fischer: (Rascheln) Wollen wir das... zeige ich noch einmal (Rascheln). Das ist hier mein, mein, mein Abteilungssteiger, mein Revierleiter. Bergbaurevier. Das bin ich. Das sind meine Kollegen. Und die waren dreckig wie die Schweine (lacht) #02:44:56-1#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:44:58-2#
Hans-Georg Fischer: So. Da haben wir... #02:44:59-8#
Astrid Kirchhof: Und die Wäsche wurde ja nicht mit nach Hause genommen? #02:45:01-7#
Hans-Georg Fischer: Nee. Die wurde nicht mit nach Hause gebracht. Die wurde... #02:45:03-4#
Astrid Kirchhof: Im Betrieb gewaschen. #02:45:05-0#
Hans-Georg Fischer: Im Betrieb gewaschen. Hier haben wir 87 [1987] auch mal einen Brigadeabend gemacht. In Berga an der Elster. Frisch, frei, fröhlich. #02:45:11-2#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:45:12-7#
Hans-Georg Fischer: Ja. Da biegen sich die Tische. Da gab's eben (klopft)... da gab's eben Spanferkel oder Wildschwein. Vom Spieß oder sowas. #02:45:20-1#
Astrid Kirchhof: Was war das? Ein Brigadeabend? #02:45:21-6#
Hans-Georg Fischer: Ein Brigadeabend. #02:45:22-2#
Astrid Kirchhof: Wie oft gab's solche Abende? #02:45:23-4#
Hans-Georg Fischer: Ja, zweimal, dreimal im Jahr. Bestimmt. #02:45:25-2#
Astrid Kirchhof: Und dann immer mit... #02:45:26-3#
Hans-Georg Fischer: ...mit, mit Anhang. #02:45:27-0#
Astrid Kirchhof: ...Anhang. #02:45:27-4#
Hans-Georg Fischer: Mit Anhang. Mit Anhang. #02:45:29-5#
Astrid Kirchhof: Und gerade schön war's? #02:45:30-1#
Hans-Georg Fischer: Gerade schön war's. Immer, immer. #02:45:32-3#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:45:32-2#
Hans-Georg Fischer: Man braucht ja, braucht ja... wir haben ja Geld gehabt. Du brauchst ja nicht, für nichts bezahlen. Hast du, hast du einen Bus gemietet. Wenn du mal irgendwo, wenn mal irgendwo was war und es hat sich einer daneben benommen und hat irgendwo hin gespeit oder was, da bist du sofort hingegangen, hast du gesagt, hier hast du 200 Mark. Hier, mach mal weg, vergiss es. #02:45:50-0#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:45:51-7#
Hans-Georg Fischer: Das ist... (Rascheln) alles nur Geld. Das war dann 87 [1987], ja. Da haben wir noch mal zweimal zugeschlagen, im November und Dezember. Noch mal Hochleistungsschicht gefahren. Da haben wir wieder eine Pro-Kopf-Leistung von eins Komma eins acht. #02:46:04-1#
Astrid Kirchhof: Also wie lang... wird da gemessen, über was für einen Zeitraum, bis man sagen kann, Sie kriegen da eine Urkunde? #02:46:11-8#
Hans-Georg Fischer: Monatsmäßig. #02:46:13-2#
Astrid Kirchhof: Ah, monatsmäßig. #02:46:13-8#
Hans-Georg Fischer: Du hast, du hast hier einen Monatsplan. Und den, wie gesagt, den erfüllst du, ne. Und, und, und wenn du den übererfüllst, das war ja immer so. Hier ist zum Beispiel. Monatsplan gehabt für 1650 Kubikmeter. #02:46:24-6#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:46:25-2#
Hans-Georg Fischer: Und 2050 Kubikmeter, also 400 Kubikmeter mehr haben wir rausgebolzt. #02:46:29-0#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:46:29-2#
Anna-Katharina Pelkner: Jetzt ist die Karte voll. #02:46:30-4#
Hans-Georg Fischer: Ne. Und, und da hatten wir sogar noch, haben wir unter 165 Kubikmeter auch noch Verpflichtung draufgehabt. #02:46:34-5#
Anna-Katharina Pelkner: Da kann ich kurz auch ausmachen. #02:46:35-5#
Hans-Georg Fischer: Von uns aus. Vorher schon. Bums. Haben da trotzdem 2050 erfüllt. Und das war dann hier unten genau dasselbe (Rascheln). Und da, mit sowas... und einer guten Note und so weiter, dann hast du Chancen im, im Wettbewerb, im Bereich oder im Schacht, ganz vorne zu sein. Wie zum Beispiel hier (Rascheln). Da sind wir bestes Kollektiv im Bereich geworden. Sind aber auch gleich noch danach bestes Kollektiv 84 [1984], 87 [1987] im (unv.), weil das verteilungsweise gemacht wird, im Betrieb geworden. Und da gab's zweimal Geld. #02:47:06-3#
Astrid Kirchhof: Mussten Sie da immer wieder mit Ihren Kollegen sprechen und sagen, hier, pumpt, strengt euch an? Oder haben die das von ganz alleine gemacht? #02:47:14-4#
Hans-Georg Fischer: Die haben das von ganz alleine gemacht. Weil A ist ja nicht bloß das Geld gewesen oder Brigadekasse. Das ist ja auch bei dieser Erfüllung auf dem Lohnzettel... #02:47:21-4#
Astrid Kirchhof: Hmm #02:47:22-0#
Hans-Georg Fischer: ...sichtbar gewesen. Ja, das ist eben so, ne. #02:47:23-8#
Astrid Kirchhof: Die wollten das von sich aus. #02:47:25-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, klar. Das ging, ging, die... das war Ansporn Geld! Die haben dann schon immer gefragt, Monatsende, wo ich draußen hinaus bin. Am Monatsende bin ich immer mit ausgefahren. Und zwar zur Abrechnung. Wie siehts denn aus? Wieviel haben wir denn raus? Wie siehts denn aus? Was haben wir denn für einen Schichtlohn und, und, und. Ja. Es ging nur ums Geld (lacht). Ja. Hmm. Da haben wir 88 [1988] hier. Da rüber ist ein Nebenaufgang. Da bin ich, wie gesagt, 88 [1988] Meisterhauer geworden (Rascheln). Auf der großen Bergparade. Die ist in Ronneburg. Kannst du nicht werden alleine. Brauchst du ein Kollektiv, was dahinter steht. #02:48:01-3#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:48:02-4#
Hans-Georg Fischer: Alleine schaffst du es nicht. Weil du, du bist genauso groß wie dein Kollektiv. Und du, und, und, und, und du kannst deine Leistung bloß, deine Leistung vom Kollektiv messen. Hmm. Und dann wieder eine neue MMM-Aufgabe (Rascheln). Hmm. Effektiver Abbau von irgendwas oder Pipapo. Und, wie gesagt, und dann der Nutzen und, und Einsparungen. Da war ein Nutzen von 55.000 D... Ostmark. Und wenn du das erfüllt hast, da hast du dann wieder ein Zehntel davon als Prämie gekriegt. Brigadekasse. Und wir haben... das war Erfahrung. Wir haben ja, wir haben im Schnitt so zwischen zehn und 15.000 Mark in der Brigadekasse gehabt. #02:48:35-7#
Astrid Kirchhof: Und was haben Sie damit gemacht? #02:48:36-8#
Hans-Georg Fischer: Die Feten! Und dann, wie gesagt, die Geschenke. #02:48:41-0#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:48:41-5#
Hans-Georg Fischer: Zu Valentin... zu Weihnachten. #02:48:42-6#
Astrid Kirchhof: Aha. #02:48:43-1#
Hans-Georg Fischer: Die ich vorhin gezeigt hab. #02:48:43-7#
Astrid Kirchhof: Ja, okay. #02:48:44-4#
Hans-Georg Fischer: Ja. Die Frauen, die haben immer mit abkassiert. Die sind nicht zu kurz gekommen. Ja, so ging das weiter. Das sind wir auch wieder... beste Jugendbrigade (Rascheln) des Bergbaubetriebes. Und das heißt schon was. Das war dann schon unser Ansporn, ne. Und dann haben wir noch mal Februar 89 [1989], obwohl das schon zur Wende ging, haben wir immer noch zugeschlagen. Haben wir einen Staatsplan gehabt von 2200. 200 verpflichtet. 2600 raus. #02:49:09-6#
Astrid Kirchhof: Sogar mehr, als im Jahr davor war das noch. #02:49:11-5#
Hans-Georg Fischer: hm (bejahend). Ja. Es kam, es kam auch immer mal darauf an, auf die Bedingungen. Einen Monat ist es, hast du bessere Bedingungen gehabt. Konntest du mehr rausbolzen. #02:49:18-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:49:18-9#
Hans-Georg Fischer: Und anderen Monat ging's eben nicht so. Da, da, da konntest du eben nicht. #02:49:21-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:49:22-1#
Hans-Georg Fischer: Da konntest du dann auch eben im Wettbewerb nicht so glänzen. Das ist... #02:49:25-2#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:49:25-7#
Hans-Georg Fischer: ...ist normal, ne. Das ist... ist nicht jeder Monat wie der andere gewesen, ne. Ja. Gutschein für, für 200 Mark wegen Unterschreitung Krankenstand. #02:49:33-8#
Astrid Kirchhof: War das für die Brigade oder...? #02:49:35-4#
Hans-Georg Fischer: Für die Brigade. Nicht für mich! #02:49:37-5#
Astrid Kirchhof: (Lacht) #02:49:38-3#
Hans-Georg Fischer: Und das ist zum Beispiel... (Rascheln) Das sind die einzelnen Reviere. Und da hast du... jeder, jede Lore, die unten abgezogen wurde... #02:49:49-4#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:49:49-7#
Hans-Georg Fischer: ...mit Erz, mit Masse oder Erz. Da wurde ein Zettel draufgelegt. Dass die wussten oben, von welcher Brigade das kommt. Ob das Erz ist oder Masse ist und so weiter und so fort. Wegen der Verrechnung. Weil du hast ja auch Erzgeld gekriegt als Brigade. #02:50:00-3#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:50:00-8#
Hans-Georg Fischer: Ja, das wurde mit verrechnet. Das war dann nicht mehr viel wie... das war nicht so wie in den Anfangszeiten, wo sie noch die Kisten nach... wo sie Kistenerz gemacht haben. Und haben nur das Beste rausgeholt. Und sind danach bezahlt worden. Aber wir... da hast du auch noch ein bisschen Erzgeld gekriegt. Und dafür war das, das war so ein Zettel hier. Das ist noch von 89 [1989]. #02:50:15-6#
Astrid Kirchhof: Hat man dann quasi in den 80er Jahren [1980er] weniger er... Erz rausholen können als... #02:50:20-9#
Hans-Georg Fischer: Nee... #02:50:21-2#
Astrid Kirchhof: ...am Anfang? #02:50:22-1#
Hans-Georg Fischer: ... das ist, nee, das eigentlich nicht. Aber... weil das ja jetzt, die Massen größer geworden sind und nicht mehr in Kisten, haben sie dann diesen, diesen, diese, diese Bezahlerei Erzgeld, haben sie dann runter reduziert. #02:50:35-9#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:50:36-6#
Hans-Georg Fischer: Ja. Weil auch zwischendurch zweimal korrigiert worden ist wegen Erzgehalt. #02:50:41-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:50:41-9#
Hans-Georg Fischer: Ja (Rascheln). Das war das letzte dann hier. 2300 und 2700 im Juli 89 [1989]. Aber es standen wir noch volle Dinge. Da sind wir wieder (Rascheln) bestes Kollektiv geworden. Und dann war 90 [1990] irgendwann (klopft). #02:50:59-1#
Astrid Kirchhof: \"Jahresumbruch. Die Erzgewinnung wurde eingestellt. Das Kollektiv führte nur noch Sanierungsabbau durch. Nach und nach wurde das Kollektiv immer kleiner bis zur völligen Auflösung im Dezember 1990. Ich bedanke mich bei allen für die gute Arbeit und wünsche Ihnen einen guten Start ins neue...\" #02:51:18-0#
Hans-Georg Fischer: \"...Leben.\" #02:51:19-2#
Astrid Kirchhof: \"...Leben. Glück auf! Getreu dem Spruch: Ich bin Bergmann, wer ist mehr.\" #02:51:24-5#
Hans-Georg Fischer: (klopft dreimal) Ja (atmet aus, klopft). Das war so. #02:51:32-8#
Judith Schein: Das ist doch eigentlich ein ganz schönes Schlusswort. #02:51:35-1#
Anna-Katharina Pelkner: Finde ich auch. #02:51:36-2#
Judith Schein: Also traurig (lacht) #02:51:38-0#
Hans-Georg Fischer: Ein bisschen, ein bisschen schon. #02:51:38-0#
Anna-Katharina Pelkner: Ja, schon. #02:51:40-4#
Hans-Georg Fischer: Wenn man so zurückdenkt... #02:51:42-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:51:44-3#
Hans-Georg Fischer: ...es war eigentlich früher alles ein bisschen besser. Der ganze Zusammenhalt mit den Leuten und alles. Und heutzutage da, wenn du das so siehst, da geht jeder seiner Wege. Und macht die Türe zu und so weiter, ja. Ja, ist so. Die Zeiten ändern sich (lacht). Da kann man nichts machen. #02:52:02-8#
Judith Schein: Haben Sie denn noch Kontakt zu Ihren ehemaligen... #02:52:04-9#
Hans-Georg Fischer: Ich hab nur noch einen Kontakt zu meinem ehemaligen Stellvertreter. Der lebt auch hier in, in Gera. Der wohnt in Lusan. Den sehe ich ab und zu mal. Aber sonst... #02:52:16-8#
Astrid Kirchhof: Und auch zu anderen Wismut-Leuten gar nicht mehr? #02:52:19-5#
Hans-Georg Fischer: Ja, doch. Also schon welche noch, die auch mit mir zusammen in der über-Tage-Sanierung waren. Da triffst du ab und zu mal einen beim Einkaufen oder so. Quatschst mal fünf Minuten. Oder auch von der Grubenwehr. Und dann machen wir hier von den ehemaligen Leuten von der Cat-Staffel hier, Großbedienung, Großraumgeräten, da tun wir uns alle zwei Jahre mal treffen. Aber die sind, das sind alles nur noch Alte. Damals schon gewesen. Und da sind nicht mehr viele da. Ich war ja von der Sache der Jüngste, der dann jetzt in das Alter gekommen ist. Die Anderen... #02:52:45-1#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:52:45-3#
Hans-Georg Fischer: ...sind alle schon... Als Bergmann wirst du nicht alt. Der größte Teil nicht. Und wer alt wird, das sind Ausnahmen. Das ist wie, das ist wie mit, das ist wie mit, mit den Rentnern. Ich sage mal, alle, die den Krieg mitgemacht haben, die nach dem Krieg nichts zu essen hatten, und sich durchkämpfen mussten. Die waren alle (unv.). Und in der heutigen Zeit die Leute, mag es der Stress sein auf Arbeit, mag es die ungesunde Lebensweise sein, und die Umwelteinflüsse. Das sind noch Ausnahmen, dass sie alt werden. #02:53:13-9#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:53:15-7#
Hans-Georg Fischer: So ist es. Meine Nachbarn ist das beste Beispiel. Die wird jetzt 90 hier drüben. Die war Heimatvertriebene. Die haben sie fünfund... 46 [1946] aus, aus Böhmen hinausgejagt. Ja, ja, ja. Der Mann ist, der zweite Mann ist zwar jetzt auch schon gestorben, aber die ist, die geht nicht kaputt. Die sind zäh. Zäh wie Leder (lacht) (klopft). Ist so. Nee, aber sonst... #02:53:37-9#
Astrid Kirchhof: Und so im Bergbauverein sind Sie nicht? #02:53:41-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee, nee, nee. Das ist mir... ist mir nicht das (klopft). Die halten zwar die Tradition hoch und alles drum und dran. Aber trotzdem ist mir das zu viel, auf Deutsch gesagt, zu viel Schmuser drin (atmet aus). #02:53:54-1#
Astrid Kirchhof: Zuviel was? Vereinsmeierei so? #02:53:56-2#
Hans-Georg Fischer: Ja, so ungefähr, ja. Vor allen Dingen (klopft)... #02:53:58-7#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm. #02:53:58-4#
Hans-Georg Fischer: Es gibt so viele, jetzt nicht auf den Traditionsverein gesagt, aber es gibt so viele, die schimpfen sich Bergmann und sind nie unter Tage gewesen. #02:54:05-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:54:06-1#
Hans-Georg Fischer: Ich könnte mich da aufregen, wenn ich da welche sehe, die draußen rumfahren und haben Hammer und Schlegel am Auto. Und waren nie unter Tage. War vielleicht über Tage als Schlosser oder was. Oder, oder in der Verwaltung in Chemnitz oder was. Und nennen sich Bergmann. Das... geht mir hier. Bei mir haben alle für die, wie sie da oben saßen, haben hier gearbeitet. Die Hauer mussten das Geld bringen, damit die oben ihr Geld kriegen. Das war so. Im Durchschnitt hat ein Hauer zu DDR-Zeiten zwischen elf und dreizehn Mitarbeiter ernährt. Und hat für die das Geld verdient. Deswegen sind sie ja immer zu uns gekrochen gekommen, \"ihr müsst den Plan erfüllen, ihr müsst den Plan erfüllen!\" Weil die sonst haben, von oben, von oben einen auf den Deckel gekriegt haben, von ganz oben. Von Chemnitz. Von der Unternehmensleitung. Wenn der Betriebsplan nicht gekommen ist. Oder der Bereichsplan nicht. Und der Bereichsplan nicht gekommen ist, kam der Betriebsdirektor, hat herumgejault. Dann kam der Betriebsplan nicht oder wir haben ihn nicht erfüllt. Dann haben die von oben gebrüllt. Und es war ja so, die Erzzüge, die nach Seelingstädt gegangen sind, jeden Tag, in jeder Schicht, soundsoviel Erzzüge. Die mussten kontinuierlich laufen (klopft). Jeden Tag! Vom Feiertag, Weihnachten, sonst wo. Damit die, die haben ja rollende Woche gearbeitet, dort aufbereiten können. Damit die Anlagen nicht stehen bleiben. Und deswegen hat ja jeder Schacht zum Beispiel wie wir. Wenn wir jetzt hier über Plan produziert haben. Und der Schacht, der hat ja... oder, im, oder der Bereich hatte Monatsende über Plan. Wurde das auf Halde gelegt. Über Tage, Erzhalde. Und wenn's dann mal schlecht lief in einem Monat, oder an einem Tag, witterungsbedingt oder sonst was, dass die von dort aus die Züge vollmachen konnten. Dass die Züge gleichmäßig rund um die Uhr nach Seelingstädt laufen. Dass die dort arbeiten können. War alles ein Uhrwerk (lacht) Alles geplant. Und wenn die Hauer kein, wenn die Hauer kein Erz gebracht haben, konnten die ja nicht liefern. Also mussten sie es von der Halde nehmen. #02:55:52-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:55:54-1#
Hans-Georg Fischer: Es ist ja nicht jeder Monat so gewesen, dass du voll pumpen kannst. Es waren auch nicht, waren auch nicht alle Brigaden gleich. Es gab auch Brigaden, die haben gewurschtelt wie ohne Ende und, und, und haben nichts verdient. #02:56:04-5#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:56:04-9#
Hans-Georg Fischer: Ja. Und dann, wie gesagt, dann brauchst du auch die entsprechenden Leute in der Brigade. Das ist nun mal so. Weil sonst... (Pause) #02:56:13-6#
Astrid Kirchhof: Erst mal dazu? #02:56:14-0#
Hans-Georg Fischer: Die Wetterlampe, die hast du als, als Hauer oder als Bergmann unter Tage mitgeführt. Und die wurde vor Ort brennend aufgehängt. So in halber Höhe. Und wenn die Wetterlampe ausgegangen ist, war das für dich ein Zeichen, dass die Wetter zu schlecht waren vor Ort und dass du den Ort verlassen musst. Und da hat die Bewetterung nicht hingehauen. Da waren, war zu wenig Sauerstoff in der Luft. #02:56:38-5#
Astrid Kirchhof: Ach so! #02:56:39-5#
Hans-Georg Fischer: Da ist die ausgegangen. Und früher, wie gesagt, wir haben uns vorhin unterhalten, früher haben sie Kanarienvögel mit nach unter Tage genommen. Oder Ratten. Und wir hatten eben die Wetterlampe. #02:56:46-9#
Astrid Kirchhof: Es war gar nicht wegen Licht... #02:56:48-1#
Hans-Georg Fischer: Nee! Es war nur wegen... #02:56:49-4#
Astrid Kirchhof: ...es war aus Sicherheitsgründen. #02:56:49-9#
Hans-Georg Fischer: ...wegen der Sicherheit. Wegen der Sicherheit. #02:56:51-0#
Astrid Kirchhof: Ahh, okay. #02:56:51-5#
Hans-Georg Fischer: Sie hat aber auch nur vor schlechten Wettern gewarnt. Vor Gasen oder so hat sie nicht gewarnt. #02:56:58-6#
Astrid Kirchhof: Ohh. #02:56:59-1#
Hans-Georg Fischer: Da hast du dann ein Gasspürgerät gehabt. Das war eine Balkpumpe. Da wurden oben Röhrchen hineingesteckt. Und da konntest du deine Wetter messen. #02:57:04-7#
Astrid Kirchhof: Aha. #02:57:05-3#
Hans-Georg Fischer: Und da hattest du bestimmte MAK-Werte. Und wenn der überschritten war, musstest du auch abhauen. #02:57:09-1#
Astrid Kirchhof: Okay. #02:57:09-6#
Hans-Georg Fischer: War zum Beispiel nach dem Sprengen oder was. Wenn die Sprenggase gekommen sind oder. Und da ist ja, wo wir zwischendurch immer gespreng haben. Während der Schicht ist da ein Haufen passiert auch immer. Und da haben sie dann das eingeführt, das zentrale Sprengen. Da ist erst gesprengt worden, wenn Schichtende alle aus der Grube raus waren. #02:57:23-9#
Astrid Kirchhof: Hmm, hmm, okay. #02:57:25-4#
Hans-Georg Fischer: Dass dann, dass das dann auch auswettern kann und die Leute wieder, wenn sie wieder vor Ort kommen, dass wieder volle Luft da ist. #02:57:31-0#
Judith Schein: Und Sie haben das auch erlebt? Dass das mal ausgegangen ist? #02:57:34-1#
Hans-Georg Fischer: Ja, ja. Ja, ja. Ich war zum Beispiel, wir hatten mit der Grubenwehr einen Einsatz, da haben wir einen, einen alten, einen alten... eine alte Strecke zugemacht. Alten Mann, sagten wir. Da war ein Gerät drin. Und da haben wir gemessen. Und da waren null Prozent Sauerstoff. Da hättest du einen Schnapper gemacht und... wärst du weg gewesen. Wärst du weg gewesen. Und das ist eben, wie gesagt, auch, wenn du zum Beispiel, wenn wir (räuspert sich) hier ist nach Teufe. In Gesenken gearbeitet haben. Also, du hast (Rascheln) es von hier aus nach unten geteuft. Und dann... das ist wie, wenn du in, in, in, in Keller steigst. Und da, wo wir waren, die da, da bist du von oben mit der Brennwetterlampe hinunter. Und hast gewusst, ist es unten sauber ist oder nicht sauber. #02:58:19-7#
Astrid Kirchhof: Hmm. #02:58:19-8#
Hans-Georg Fischer: Weil, gab schon welche (klopft), die sind einfach in den Keller gestiegen zum Beispiel und sind dann umgefallen, ne. Und dafür... #02:58:24-6#
Astrid Kirchhof: Ach so. #02:58:24-8#
Hans-Georg Fischer: ...dafür ist das da. Kannst du hier, über Tage kannst du auch eine brennende Kerze nehmen. Das geht auch. Aber das ist eben, ist (räuspert sich), das ist noch eine originale und die, die andere steht dann hier oben. #02:58:37-7#
Astrid Kirchhof: Jetzt gehen wir mal zurück... #02:58:38-8#
Hans-Georg Fischer: Die gab's, die gab's dann... #02:58:39-9#
Judith Schein: Wo? #02:58:40-4#
Hans-Georg Fischer: ...von der Gewerkschaft. Ganz links. #02:58:41-8#
Judith Schein: Ach, die hier! #02:58:42-5#
Hans-Georg Fischer: Links in der Ecke. #02:58:44-5#
Astrid Kirchhof: Die sieht aber ganz mod... #02:58:45-9#
Hans-Georg Fischer: Und ich sag mal... #02:58:46-8#
Astrid Kirchhof: ...schick aus. #02:58:46-4#
Hans-Georg Fischer: ...naja, die war ja schon unter Tage. Die, die ist gefaked! Die, die kam, war ja nie unter Tage. Die ist ja immer benutzt gewesen hier (lacht). #02:58:51-8#
Astrid Kirchhof: Ach so, ja, aha. #02:58:53-0#
Hans-Georg Fischer: Ja. Und das sind, das sind, wie gesagt, die, die verchromt, das sind die Bohrkronen. Mit denen wir die Scheiben abgebohrt haben. Verschiedene Größe. (Pause) Und das ist ein sogenannter Teufenkübel. Wenn ein Schacht geteuft, wurde danach unter Tage, sind da die Bergleute eingefahren. Und... #02:59:12-5#
Astrid Kirchhof: Aha. #02:59:12-7#
Hans-Georg Fischer: ...ausgefahren. Und wurde auch die Masse rein und rausgeschafft. #02:59:16-4#
Astrid Kirchhof: Und dieses Teil, ja, was war das noch mal? #02:59:19-4#
Hans-Georg Fischer: Das sind zwei Bohrkronen! Mit den Bohrkronen... #02:59:21-1#
Anna-Katharina Pelkner: Ach so! #02:59:21-6#
Hans-Georg Fischer: ...die kommen auf eine, auf eine, auf eine Bohrstange drauf. Und da, hier kommt das Wasser raus, und da wurde, wurden die Bohrlöcher gebohrt. Die Sprenglöcher und die Scheiben. (Klopft) #02:59:28-6#
Anna-Katharina Pelkner: Und das waren die Kabel, okay. #02:59:29-9#
Judith Schein: Ist das noch original von Wismut-Zeiten? #02:59:31-4#
Hans-Georg Fischer: Das ist noch original. Habe ich bloß verchromen lassen. #02:59:33-4#
Anna-Katharina Pelkner: Hmm, hmm (lacht) #02:59:34-2#
Hans-Georg Fischer: Da sind hier (unv.) drauf. #02:59:35-4#
Anna-Katharina Pelkner: Hmm. #02:59:36-1#
Judith Schein: Hmm. #02:59:37-0#
Hans-Georg Fischer: Das sind, das ist eine drei, 33er und das ist eine 45er. 44er... #02:59:40-7#
Anna-Katharina Pelkner: Hmm. #02:59:41-2#
Hans-Georg Fischer: ...Krone. Da wurden Sprenglöcher gebohrt. Die Größere hast du meistens genommen, wenn, wenn's Gestein, wenn's Gestein brüchig war. Damit die Bohrlöcher nicht zufallen. Da hast du größer, hast du größer gebohrt. #02:59:49-7#
Anna-Katharina Pelkner: Hmm. #02:59:49-9#
Judith Schein: Das ist schon schwer. #02:59:51-0#
Hans-Georg Fischer: Eine Bohrstange war zwei Meter 40. Und die hast du zwei Meter hineingedreht. Und da, und da, unter Versatz. #02:59:59-1#
Anna-Katharina Pelkner: Wie eine große Hilti, ja, so ungefähr? Ein bisschen (lacht) #03:00:02-8#
Hans-Georg Fischer: Jaa, jaa, uff, uff... (Pause) #03:00:07-1#
Astrid Kirchhof: Vielleicht können Sie noch mal sagen, was das eigentlich für Orden sind? #03:00:13-2#
Hans-Georg Fischer: Den habe ich als erstes gekriegt. Von der FDJ. Jungaktivist. Dann bin ich Aktivist der sozialistischen Arbeit geworden. Das ist Kollektiv der sozialistischen Arbeit mit, wenn man das hatte, dann nach fünf, nach fünfmaliger Verteidigung, hast du den Zusatzdings gekriegt. Das ist die Artur-Becker-Medaille der FDJ. Und das, das ist der, das ist der Meisterhauer der DDR. Die silberne Ehrennadel der Grubenwehr. Und die haben wir gekriegt anlässlich, 1989 war das glaube ich, 40 Jahre DDR, wo sie, könnte sein, ja? #03:00:59-0#
Astrid Kirchhof: Ja, genau, hmm. #03:00:59-8#
Hans-Georg Fischer: 40 Jahre DDR. #03:01:01-6#
Astrid Kirchhof: Aber das haben Sie nicht getragen, sondern nur bei besonderen Anlässen? #03:01:05-7#
Hans-Georg Fischer: Nur bei besonderen Anlässen. Das ist hier das Zeichen für Brigadier hier, Bergbauzeichen. #03:01:10-8#
Astrid Kirchhof: Und was steht jetzt hier noch mal drauf? #03:01:13-3#
Hans-Georg Fischer: Da steht drauf: Bergbaubetrieb Drosen. Hier unten, Schacht, das ist eingestickt hier. #03:01:19-9#
Astrid Kirchhof: Und dazu hat man unten... #03:01:21-8#
Hans-Georg Fischer: ...ein weißes Hemd. Und... #03:01:23-4#
Astrid Kirchhof: Die Hose ist auch schwarz, ne? #03:01:24-9#
Hans-Georg Fischer: Die Hose ist schwarz mit gelben Streifen. #03:01:27-3#
Anna-Katharina Pelkner: Und das Hemd mit Rüschen? #03:01:29-0#
Hans-Georg Fischer: Nee, nee,... #03:01:30-6#
Judith Schein: (Lacht) #03:01:30-5#
Anna-Katharina Pelkner: Kann doch sein. #03:01:31-2#
Hans-Georg Fischer: ..nee, nee. #03:01:35-8#
Anna-Katharina Pelkner: Und da ist die Hose. #03:01:37-5#
Judith Schein: Cool. #03:01:38-8#
Anna-Katharina Pelkner: Hmm, hmm. #03:01:40-6#
Hans-Georg Fischer: Die hast du zu bestimmten Anlässen getragen. Bei, wie gesagt, Bergparade, Tag des Bergmanns. Oder, wenn du hier... irgendwann in Ronneburg auf der Bühne standest. Und hab hier den dann gekriegt (lacht) Hängt ja auch Geld dran. Das ist... #03:01:58-4#
Astrid Kirchhof: Gut so? #03:01:59-5#
Judith Schein: Ja. #03:02:00-0#
Astrid Kirchhof: Gut. #03:02:00-4#
Judith Schein: Ja, sehr schön.